Die Adler-Werke aus Frankfurt am Main waren schon früh bekannt für ihre qualitativ hochwertigen Fahrräder, Schreibmaschinen, Motorräder und Automobile
Die ersten Autos baute Adler 1899. Zwei Jahre später folgten die ersten Motorräder. Anfangs orientierte man sich an französischen Vorbildern und verwendete Motoren von De Dion Bouton. Aber schon ab 1902 verlegte sich Adler auf eine eigene Motorenproduktion. Motorräder baute man in Frankfurt dann aber nicht lange, denn ab 1907 wurde den Automobilen der Vorzug gegeben. Erst nach dem zweiten Weltkrieg stieg Adler wieder in den Motorradbau ein und tat das mit großem Engagement, denn Adler-Motorräder und vor allem ihre Zweitaktmotoren sollten bald zum Besten zählen, was der Markt derzeit im Zweitaktressort zu bieten hatte.
Die Zweitakt-Motorradmotoren von Adler zeichneten sich durch Innovation, Präzision, Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit aus. Vor allem die Parallel-Twins von Adler genossen hohes Ansehen und wurden von der japanischen Motorradindustrie als Inspiration entdeckt
In der M200 von 1951 begann dann die Ära des Parallel-Twins bei Adler, die bis zum Ende im Jahr 1958 anhielt. Der Motor der MB 250 war der Meilenstein dieser Ära und auch die Grundlage für die Rennversion RS.
Der Adler Twin hatte einige Besonderheiten
So wurde die in drei Kugellagern rotierende 180- Grad-Kurbelwelle in zwei Teilen ins einteilige Motorgehäuse eingefädelt und dann mittels Hirth-Verzahnung verbunden. Für den Ausbau von Kurbelwelle und Getriebe musste der Motor nicht ausgebaut werden. Allerdings war für den Adlermotor Spezialwerkzeug und viel Erfahrung notwendig. Ein zentraler Vergaser fütterte beide Zylinder. Der Twin der MB250 mit 247 ccm Hubraum leistete 16 PS, in der Sportausführung dann dank vergrößerter Kanäle und leichterer Zweiring- statt Dreiring-Kolben 18 PS bei 6.200/min. Auf dem linken Kurbellwellenstumpf befand sich die kompakte Kupplung, auf der anderen Seite saß die Lichtmaschine. Schräg verzahnte Stirnräder statt einer Kette übernahmen den Primärtrieb zum Vierganggetriebe.
In den 50er Jahren war die Adler MB 250 ein Motorrad, nach dem sich viele sportbegeisterte Fahrer sehnten
Nach einem Umbau auf zwei Vergaser und Wasserkühlung wurde bei der RS 250 im Rennbetrieb sogar eine Leistung von 30 PS erreicht, was damals durchaus viel war. Der Adlerspezialist Willi Klee und viele engagierte Privatfahrer ließen auch nach dem Aus für die Adler-Motorradproduktion am Ende der 50er Jahre durch ihre Initiative bis weit in die 70er Jahre hinein die Motorräder aus Frankfurt nicht in Vergessenheit geraten.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter Zweizylinder-Zweitaktmotor, kolbengesteuert
Hubraum: 247 ccm
B x H: 54 x 54 mm
Verdichtung: 5,7:1
Leistung: 16-18 PS bei 6200 U/min
Vergaser: Bing-Schiebervergaser
Durchlassweite: 22 mm
elektrische Anlage: 6 V
Schmierung: Gemischschmierung
Getriebe: Vierganggetriebe, Schaltwippe
Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad
Starter: Kickstarter