„Janus“, nach dem römischen Gott mit den zwei Gesichtern, taufte der Motorradhersteller Zündapp seinen Kleinwagen mit der ungewöhnlichen Sitzanordnung Rücken an Rücken, so dass die Passagiere auf der Rücksitzbank die Reise gegen die Fahrrichtung und einen Panoramablick aus dem Rückfenster genießen konnten
Diese Sitzanordnung und das zentral zwischen den Sitzbänken platzierte Triebwerk ermöglichten ein sehr großes Raumangebot. Zugute kam dies nicht nur den Passagieren auf der Rücksitzbank, die nun über viel mehr Kopf,- und Beinfreiheit verfügten als normalerweise. Vielmehr wurde der Janus dank seiner großen Ladefläche auch als Lieferwagen genutzt. Für einen bequemen Einstieg oder eben auch für ein praktisches Verladen von Waren sorgten am Bug und am Heck angeschlagene und wie bei der Isetta hoch aufklappbare Türen.
Eigentlich baute Zündapp Motorräder und hatte zudem seit einiger Zeit mit der Zündapp Bella ein chices Rollermodell auf dem Markt. Auch den erstmals im September 1956 vorgestellten und ab Juli 1957 in Serie produzierten Janus mit 4,40-12 großen Rollerrädern bewarb Zündapp als viersitziges Rollermobil. Verwirrung stiftete der Janus allemal, denn auf den ersten Blick erkannten viele Betrachter nicht, wo denn nun bei diesem Fahrzeug vorn oder hinten war.
Der Bau des Janus geschah aus der Not heraus, denn auch Zündapp litt unter der Motorradkrise ab Mitte der 50er Jahre und musste Alternativen finden. Daher holte sich der Nürnberger Zweiradproduzent eine Lizenz für den Dornier-Delta des Flugzeugbauers Claudius Dornier, der 1955 auf der IAA vorgestellt wurde
Vom Dornier-Prototypen waren die Zündapp-Leute begeistert, denn sie hielten ihn vom Prinzip her für eine geniale Konstruktion, die sich mit Motorradteilen und den Mitteln einer modernen Motorradfabrik realisieren ließe. Es gab einen zentral zwischen den Sitzbänken platzierten Motor, was für eine gute Gewichtsverteilung selbst bei unterschiedlicher Fahrzeugbesetzung sorgte. Außerdem nahm er wenig Platz ein und ermöglichte viel Stauraum, der obendrein auch noch sehr gut zugänglich war. Einen Nachteil hatte die Motorplatzierung im Innenraum allerdings, nämlich den enorm hohen Geräuschpegel.
Genial war die große Symmetrie der selbsttragenden Karosserie, denn dadurch waren weniger unterschiedliche Blechteile herzustellen. Natürlich sparte das Kosten.
Für ihren Janus optimierten die Zündapp-Konstrukteure das Prinzip „Delta“ allerdings noch
So erhielt der Janus eine ansprechendere Ponton-Form und auch an der Technik wurde einiges verbessert. Das Fahrwerk bestand aus einer vorderen Einzelradaufhängung an gummigelagerten Schubschwingen mit Stabilisator und hinten an einer Pendelachse. Hydraulische Stoßdämpfer waren selbstverständlich. Ferner gab es hydraulische Bremsen und belüftete Bremstrommeln. Der Janus besaß ein Ziehkeil-Viergangetriebe mit einer Ganganzeige am Armaturenbrett. Das war notwendig, um beim sequentiellen Schaltvorgang zu erkennen, in welchem Gang man sich gerade befand.
Das Triebwerk bestand aus einem kleinen Einzylinder-Zweitaktmotor mit 242 ccm Hubraum und einer Leistung von 14 PS bei 5000 U/min. Damit sollte der 425 kg schwere Kleinwagen eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h, hieß es zumindest. Den kleinen Motor hatte Zündapp gewählt, weil man den Janus so mit der Führerscheinklasse IV fahren konnte.
Der Janus zeichnete sich auch durch gute Fahreigenschaften aus
Er war nicht nur gut gefedert, sondern zeigte auch dank seines Fahrwerks und einer breiten Spur vorn und hinten ein recht kultiviertes Fahrverhalten. Zuverlässig war er obendrein, das hatten vier Fahrzeuge bei der 3200 Kilometer weiten Langstreckenfahrt Liège-Brescia-Liège im Juli 1958 unter Beweis gestellt.
Dennoch konnte sich der Janus nicht durchsetzen
Auch sein großes Platzangebot und die Möglichkeit die beiden Sitzbänke zu einer Liegefläche umzubauen, half ihm nicht weiter und schon gar nicht der als zu klein empfundene Motor. Auch die unkonventionelle Sitzanordnung fand nicht überall Begeisterung, denn die Mehrzahl der anvisierten Kundschaft wünschte sich ein „normales“ Automobil. So wurde der Janus nach nur 6902 gefertigten Exemplaren und einer lediglich zweijährigen Bauzeit eingestellt.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Einzylinder-Zweitaktmotor
Hubraum: 242 ccm
B x H: 67 x 70 mm
Verdichtung: 6,8:1
Leistung: 14 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h
Vergaser: Fallstromvergaser, Durchlassweite 26 mm
Lenkung: Zahnstangenlenkung
Getriebe: Vierganggetriebe (Ziehkeil), sequentielle Schaltung mit Handhebel
Karosserie: selbsttragende Pontonkarosserie
Vorderradaufhängung: an geschobenen Schwingen, Federbeine, Stabilisator
Hinterradaufhängung: Pendelachse, Schraubenfedern
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen
L x B x H: 2890 x 141540/1180 mm
Räder: 4,40-12
Leergewicht: 425 kg
Bauzeit: 1957-1958
Preis: 3290 DM
Stückzahl: 6902 Ex.