Richard Schindel war in den 30er Jahren ein recht erfolgreicher Motorradrennfahrer aus dem ehemals schlesischen Weigelsdorf, der als Lizenzfahrer auf DKW und NSU zumeist an Bergrennen in Süddeutschland teilnahm
Nach dem Krieg hatte es ihn als Vertriebenen nach Osnabrück verschlagen, wo er eine Fahrschule eröffnete, im MSC Osnabrück sehr aktiv war, 1952 zum ersten Vorsitzenden des MSC ernannt wurde und 1953 Rennleiter des ersten Grasbahnrennens in Westercappeln war.
In den 30er Jahren fuhr Richard Schindel etliche Siege in der Königsklasse ein
Die meisten Siege holte er als Lizenzfahrer auf seiner großen Zweizylinder-DKW, aber auch auf einer 500er NSU war er unterwegs. Unter anderem siegte er in der 500 Klasse 1934 beim vom ADAC veranstalteten Internationalen Riesengebirgsrennen, beim 1936 bei Freiburg abgehaltenen Großen Bergpreis von Deutschland und beim Hohnstein-Rennen im sächsischen Polenztal (nicht zu verwechseln mit dem Rennen in Hohenstein (Sachsenring). Die Siegestrophäen dieser Rennen sind wie durch ein Wunder erhalten geblieben. Die einzigen Siege waren es sicherlich nicht. Schließlich scheint Schindel ein ziemlich guter Rennfahrer gewesen zu sein, denn bei den genannten Rennen, vor allem dem Hohnsteiner Bergrennen, traten damals viele spätere Größen des Rennsports, wie etwa Bernd Rosemeyer als Gegner an. Außerdem waren die Bergrennstrecken, auf denen er die Rennen gewonnen hatte, als recht anspruchsvoll bekannt. Auch gibt es Nachweise über andere Wettbewerbe, an denen Schindel in den 30er Jahren teilgenommen hatte. So existieren etwa Bildnachweise von ihm auf einer NSU bei der Feldberg-Bergprüfung von 1936 oder dem Höhenstraßenrennen 1939 in Österreich auf DKW. Auch nach dem Krieg, als er als Fahrlehrer in Osnabrück tätig war, ließ ihn die Rennleidenschaft nicht los. So startete er 1950 bei der ADAC Deutschlandfahrt mit seiner Imme und 1951 fuhr er eine AJS auf der Schauinsland-Rennstrecke.
Richard Schindel brachte Museumsmann Heiner Rössler 1953 den Powerslide bei
Nur eine einzige Fahrstunde benötigte damals der junge Mann um seine Fahrprüfung abzulegen. Da sein Kurzzeitschüler bereits ein versierter Autofahrer war (das Autofahren hatte er sich schon längst auf Privatgelände selbst beigebracht) schaltete der ehemalige Rennfahrer eine Stufe höher und zeigte seinem Schüler, wie ein Powerslide zu fahren war und was man dabei unbedingt beherzigen sollte, denn „ der Powerslide muß gut beherrscht werden, um nicht aus einer scharfen Kurve herausgetragen zu werden. Geht das Heck dann zur Seite, muss der Fahrer nach außen gegenlenken.“ Die Fahrprüfung war dagegen ein Klacks.
Fotos & Text: Marina Block