Riley - Victor (1937)


Die englische Automobilmarke Riley aus Coventry, die ihr erstes Fahrzeug bereits 1898 herausbrachte und zu den Pionieren der Automobilgeschichte zählt, stand für leistungsfähige, solide und vor allem sehr sportliche Konstruktionen. Außerdem besaß Riley etliche Patente, auf die viele andere Autohersteller zurückgriffen

Riley-Automobile galten als wahre Multitalente, auf deren Zuverlässigkeit man sich unbedingt verlassen konnte. Die robusten Fahrzeuge wurden nicht nur in England gern gefahren, sondern ins gesamte Empire exportiert. Auch unternahmen viele Besitzer von Fahrzeugen dieser Marke Reisen in ferne Länder oder gar gleich Weltreisen. Mit völlig serienmäßigen Rileys durchquerten sie etwa Australien, fuhren von England nach Asien und wieder zurück und nahmen unterwegs auch noch an der Rallye Monte Carlo teil, ohne dass ihre Rileys je den Dienst quittiert hätten. Zu den schönsten Rileys der 30er Jahre zählten der Brooklands, der Imp, der MPH und der Kestrel.

Sportwagen von Riley, die eher als filigran zu bezeichnen waren, machten selbst Boliden von Alfa Romeo oder Bentley auf der Rennbahn das Leben schwer

In den 20er und 30er Jahren fuhren Rileys unzählige Sporterfolge ein und ließen selbst die ganz Großen im Rennsport ins Schwitzen geraten. So errang etwa beim legendären 24-Stundenrennen von Le Mans 1934 der Kompressor-Alfa Romeo 8C 2300 nur mit großer Mühe den Sieg vor einer ganzen Armada an Rileys, die den zweiten, dritten, fünften, sechsten und zwölften Platz belegten. Auch bei der Tourist Trophy oder den Brooklands-Rennen fuhren Rileys Siegeslorbeeren ein.

Riley besaß unzählige Patente

So baute Percy Riley 1898 das erste Automobil mit gesteuertem Einlassventil. Auch das abnehmbare Rad, das Speichenrad mit Zentralverschluß, war seine Erfindung. Auf sein Konto ging auch ein fortschrittliches Querstrom-Layout des Zylinderkopfs und die beiden hoch, aber nicht im Kopf liegenden Nockenwellen, die die v-förmig im Zylinderkopf hängenden Ventile über Kipphebel und kurze Stößelstangen antrieben. Innovativ war in den frühen 30er Jahren auch das teilsynchronisierte Getriebe oder ein Bremssystem mit während der Fahrt bedienbarem Einstellmechanismus.

Die wichtigsten Merkmale eines Riley waren laut des Firmenmottos der Riley-Brüder sein leistungsstarker Motor, ein leichter Aufbau, seine gute Straßenlage, das gute Handling, eine einfache Bedienung und eine leichte Instandhaltung. Außerdem sollte er bezahlbar sein. Nach diesem Prinzip war auch das preiswerteste Riley-Modell, der Riley Victor von 1937 konstruiert

Das Modell Victor war eine gut ausgestattete, viertürige Limousine mit an der B-Säule angeschlagenen Türen und geräumigem, von außen zugänglichem Kofferraum. Es war wie die anderen Limousinen der Marke auch eine Weiterentwicklung des erfolgreichen Modells Monaco und besaß ein 1,5 l ohv Vierzylindertriebwerk samt hemisphärischen Brennräumen und ein teilsynchronisiertes Schaltgetriebe. Auf Wunsch war für dieses Modell aber auch ein Vorwahlgetriebe zu haben. Es war eines der letzten „echten“ Riley-Modelle aus Coventry bevor die Nuffield-Gruppe Riley übernahm.

Eine zu große Modellpalette gepaart mit einer anspruchsvollen Fertigung und einigen abenteuerlichen Projekten führte Ende der 30er Jahre in den Ruin und zum Verkauf an William Morris, dem baldigen Lord Nuffield

Allein 1937 bot Riley ein Modell mit 1,5 l Vierzylindertriebwerk, drei Sechszylindermodelle mit ähnlich großem Hubraum, ein V-Achtzylindermodell mit 2,2 l und ein Vierzylindermodell mit 2,4 l Hubraum an. Dazu gesellten sich dann noch einige extravagante Projekte. So schlitterte Riley trotz guter Verkaufszahlen und einer treuen Kundschaft 1938 in die Insolvenz und wurde von William Morris, zu dessen Konzern bereits, neben Morris, MG und Wolseley zählten, aufgekauft.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten

Motor: ohv Reihenvierzylindermotor

Hubraum: 1496 ccm

B x H: 69 x 100 mm

Verdichtung: 6,3:1

Leistung: 45 PS bei 4500 U/min

Höchstgeschwindigkeit: ca. 120 km/h

Vergaser: Zenith-Vergaser

Getriebe: teilsynchronisiertes Vierganggetriebe oder Vorwahlgetriebe

Bremsen: Trommelbremsen

Chassis: Kastenrahmen

Vorderradaufhängung: Starrachse, Halbelliptikfedern

Hinterradaufhängung: Starrachse, Halbelliptikfedern

Antriebsart: Hinterradantrieb

Radstand: 2692 mm

Länge: 4229 mm

Breite: 1473 mm

Spur vorn/hinten: 1219 mm

Bauzeit: 1937-1938

Preis: 310 Pfund


Bilder

Informationen:

MarkeRiley
ModelVictor
Baujahr1937

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