Dürkopp - KD 10/20 PS (1912)

Dürkopp aus Bielefeld produzierte nicht nur Nähmaschinen. Vielmehr wurden hier bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert Fahrräder und Automobile(LKW und PKW) gebaut und ab 1901 begann man auch, Motorräder zu konstruieren. Die für ihre soliden Konstruktionen damals weithin bekannte Firma zählte zu den Pionieren der motorisierten Fortbewegungsmittel und war einer der ersten deutschen Automobilhersteller

Der gebürtige Herforder Nikolaus Dürkopp, von Beruf Schlosser, arbeitete 1865 in der jungen Bielefelder Nähmaschinenfabrik Baer & Koch. 1867 gründete er dann mit dem Kaufmann Karl Schmidt eine eigene Nähmaschinenfabrik mit selbst konstruierten Produkten. Als Schmidt die Firma 1876 verließ, fand Dürkopp im ehemaligen Direktor der Ravensberger Spinnerei Ferdinand Kaselowsky einen neuen Geldgeber. Als in den 1880er Jahren die Überproduktion im Nähmaschinengewerbe auch der Firma Dürkopp stark zusetzte, sah sich Dürkopp, wie damals viele andere Industriebetriebe auch, nach einem zweiten und auch dritten Standbein um. So erkannte Dürkopp schon früh den sich anbahnenden Trend zum Fahrrad und bald darauf zum Automobil. Bereits 1886 nahm der Betrieb den Bau von Fahrrädern auf, ungefähr zeitgleich begann auch der Bau stationärer Gasmotoren bei Dürkopp. 1896 kaufte man die Norddeutschen Fahrradwerke in Oldesloh und beteiligte sich zudem an der Styria-Fahrradfabrik von Puch in Österreich. Ungefähr zeitgleich engagierten sich die Bielefelder ebenfalls in der Automobilproduktion und wenig später in der Motorradproduktion. Ihr erstes Motorradmodell mit hauseigenem Motor entstand 1901 und hieß „1 ¾ HP“.

Das erste Automobil stellte Dürkopp um 1898 her

Zunächst waren es leichte Voituretten nach französischem Baumuster, doch den kleinen Flitzern nach System Panhard folgten schon sehr bald hubraumstärkere Modelle. Ab 1902 konzentrierte Dürkopp sich im Automobilbau auf die Produktion größerer Tourenwagenmodelle mit Vierzylinder und Dreizylindermotoren, die allerdings in nur kleinen Stückzahlen entstanden. 1903 gesellte sich sogar ein Sechszylindermodell hinzu. Mit dem Typ DG präsentierte Dürkopp später ein Topmodell seiner Modellpalette und brachte kurz darauf noch eine 13-Liter-Vierzylinderversion mit 100 PS als Krönung auf den Markt. In größeren Stückzahlen entstanden hingegen die Lastwagen der Marke. Ab 1908 bereicherten auch kleinere Modelle mit Vierzylindermotoren, die erst als K- und KD-Serie und dann unter dem Namen Knipperdolling bekannt wurden, das Angebot. Ein „Knipperdolling“ bedeutete im Westfälischen soviel wie eine „kleine Person“. Unter den Dürkopp-Personenwagen fanden vor allem diese Knipperdollings einen wirklich nennenswerten Absatz. Von ihrer technischen Grundkonstruktion her basierten die meisten Dürkopp-Modelle dieser Zeit auf dem für das Kaiserpreis-Rennen von 1907 entwickelten Rennwagen mit 7,2 l Vierzylindertriebwerk und einer Leistung von 70 PS. Bestückt waren Dürkopp-Fahrzeuge übrigens recht häufig mit Aufbauten des Osnabrücker Karosseriebauers Karmann, zu dessen ersten Großkunden Dürkopp zählte. Besonders beliebt für Dürkopp-Wagen waren Torpedo Phaeton-Aufbauten und die Landaulet-Limousine. Es gab den Knipperdolling allerdings auch als Sportzweisitzer.

Dürkopp ließ Anfang des letzten Jahrhunderts auch Fahrzeuge in der Berliner Motorwagen-Fabrik, den späteren Oryx-Werken bauen. Hier wurde für einen Dürkopp auch einer der ersten Vierzylindermotoren mit vierfach kugelgelagerter Kurbelwelle konstruiert

1906 pachtete Dürkopp die Oryx-Fabrik und übernahm sie 1911 komplett. Zum größten Teil entstanden dort die LKWs von Dürkopp, so auch einer der ersten LKWs mit Kardanantrieb. Ab den 20er Jahren wurden dann auch die meisten Dürkopp-PKW in Berlin gebaut. Als Mitte der 20er Jahre, wie bei anderen Herstellern auch, die Umsätze drastisch zurückgingen, stellte Dürkopp 1927 die Automobilproduktion und zwei Jahre später die Nutzfahrzeugproduktion ein.

Fotos & Text: Marina Block



Technische Daten

Motor: Vierzylinderreihenmotor

Hubraum: 2100 ccm

Leistung: ca. 18 PS bei 2000 U/min

Vergaser: Pallasvergaser

Zündung: Magnetzündung

Höchstgeschwindigkeit: ca. 70 km/h

Getriebe: Vierganggetriebe

Chassis: Kastenrahmen

Vorderradaufhängung: starr, Halbelliptikfedern.

Hinterradaufhängung: starr, Halbelliptikfedern

Bremsen: Fußbremse auf Getriebeausgangswelle, Handbremse auf Hinterradbremstrommeln

Gewicht: ca. 700 kg Chassis

Preis: 5500 Mark

Bauzeit: 1908-1913




Bilder

Informationen:

MarkeDürkopp
ModelKD 10/20 PS
Baujahr1912

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