Samson - Damenfahrrad Sonderklasse (30er Jahre)

In der ehemaligen Fahrrad,- und Motorradstadt Bielefeld wurden einst über 20 Millionen Fahrräder produziert. Während der Blütezeit des Zweirads kam sogar jedes fünfte Fahrrad in Deutschland aus Bielefeld. Bereits in den 1880er Jahren begannen etliche Bielefelder Unternehmen als zweites oder sogar drittes Standbein neben der Produktion anderer technischer Güter, Fahrräder zu bauen

Die Stadt und zum Teil auch der Umkreis entwickelte sich von den Anfängen des 20 Jahrhunderts an bis in die 80er Jahre zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Fahrrad- und Zweiradindustrie, vergleichbar bestenfalls noch mit der Region Nürnberg, in der so große Firmen wie DKW, Hercules, Mars, Triumph oder auch Zweirad Union die Entwicklung vorantrieben. In Bielefeld gab es nicht weniger bedeutende und auch große Firmen wie Anker, Dürkopp, Rabeneick, Göricke, Miele oder Rixe. Dazu kam noch eine riesig große Anzahl kleinerer Unternehmen, die vor allem zu den Boomzeiten des Fahrradbaus und dann des Mopedbaus in den 50er Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen. Zu dieser Zeit konnten auch viele kleinere Konfektionäre teils erstaunlich hohe Stückzahlen absetzen. So waren zu Boomzeiten in Bielefeld über 700 Betriebe gemeldet, die sich mit der Produktion von Fahrrädern oder deren Teilen beschäftigten. Kein Wunder also, dass etwa 1954 fast die Hälfte aller verkauften Zweiräder in NRW aus Bielefeld stammte und beinahe jedes fünfte Fahrrad in Deutschland aus der Leineweberstadt am Teutoburger Wald kam.

Der Grund für den Erfolg im Fahrradbau lag in Bielefelds Geschichte als Leinenweberstadt

Dass ausgerechnet das doch recht ländlich geprägte Bielefeld ein Zentrum des Fahrrad,- und später auch des Mopedbaus werden sollte, hatte einen einfachen Grund. Bielefeld war seit dem 17. Jahrhundert eine "Leinenstadt". Es existierte eine gewachsene Struktur an Industriebetrieben der Leinenverarbeitung. Gleichzeitig entwickelte sich eine Maschinenbauindustrie, um das Leinen weiterverarbeiten zu können. Dazu zählten vor allem die Nähmaschinen. Später weltweit bekannte Firmen wie Anker und Dürkopp oder auch Göricke begannen ihre Geschichte mit der Produktion von Nähmaschinen. Dadurch hatten sie natürlich viel Erfahrung im Umgang mit Präzisionsteilen. Außerdem waren wichtige Fachkräfte vorhanden und man besaß ein weit ausgebautes Nähmaschinen-Vertriebsnetz, über das sich auch leicht Fahrräder verkaufen ließen. Der Erfolg stellte sich jedenfalls recht schnell ein und Ende der 20er Jahre verkündeten sowohl Dürkopp als auch Göricke stolz ihr millionstes gefertigtes Fahrrad. Soviel Erfolg machte Mut und es wurden immer mehr Betriebe geründet, die teils selbst Fahrräder selbst produzierten, konfektionierten oder aber als Zulieferer für die Fahrradindustrie fungierten. Diese Entwicklung mündete in einem ausgezeichneten Ruf der Bielefelder Hersteller bis weit über die Grenzen hinaus und führte zumQualitätsbegriff des "Bielefelder Modells" oder "Bielefelder Rads".

Von der riesigen Anzahl an Produzenten sind einige heute völlig untergegangen

So ist der Produzent der Marke Samson aus Bielefeld, der das abgebildete Damenfahrrad der Sonderklasse gebaut hatte, heute nicht mehr bekannt. Ausgestattet war das Modell mit einem verstärkten Rahmen, einem spielfreien Glockenlager, einem Sattel von Wittkop, einer Revolvertasche aus Leder für das Werkzeug und einem am ersten Rahmenrohr im Durchstieg befestigten Kindersitz. Es verfügte über eine Rahmenhöhe von 55 cm und über eine Bereifung von 28 x 1.75.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

MarkeSamson
ModelDamenfahrrad Sonderklasse
Baujahr30er Jahre

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