Porsche bot ab Herbst 1955 die A-Baureihe des Typs 356 an. Seine Technik mit luftgekühltem ohv Vierzylinder-Boxermotor im Heck, Plattformrahmen, vorn Kurbellenkerachse und hinten an Längsschubstreben geführte Pendelachse mit Drehstabfedern hatte sich immer noch nicht sehr weit vom VW Käfer entfernt und war daher noch recht überschaubar. Auch die Teileversorgung war gut, da noch vieles vom Käfer stammte
Entstanden war der erste 356 auf der technischen Basis des Wehrmacht-Kübelwagens im österreichischen Gmünd, der Partnerstadt von Osnabrück. Ursprünglich hatte man ihn mit einem Mittelmotor konzipiert, schwenkte jedoch später aus Platzgründen auf die technisch ungünstigere Platzierung des Motors im Heck hinter der Hinterachse um. Die ersten 50 Fahrzeuge, eingekleidet mit einer Aluminiumkarosserie, wurden noch in Gmünd gebaut. Dann zog Porsche nach Stuttgart-Zuffenhausen, wo die Produktion des Typs 356-Sportwagen 1950 in den Räumen der Karosseriewerke Reutter anlief. Mit seinem ersten Serienmodell legte Porsche ein für Jahrzehnte gültiges Konstruktionskonzept fest. Seine fließende Formgebung hatte Erwin Komenda entwickelt, der schon für die Linien des VW Käfers verantwortlich zeichnete. Der Aerodynamik bekam die von vielen Bewunderern als zeitlos empfundene Form sehr gut. Als Ideenspender für ihre Entwicklung diente die Gestalt des Paris-Rom-Rennwagens, des Porsche Typ 64 auf Käfer-Chassis von 1939.
In den ersten 356ern waren noch viele Serienteile von VW verbaut, wie etwa die Bremsen, die Lenkung, die Radaufhängungen und das Getriebe. Die frühen Porsche 356 bis Baujahr 1955 trugen übrigens noch keinen Buchstabenzusatz. Auf den ersten Blick konnte man sie an der geteilten Frontscheibe (frühe Versionen) oder an der ab Ende 1951 zwar einteiligen aber mit einem Mittelknick gebauten Scheibe vom 356 A unterscheiden, der als erster Porsche eine durchgehend gewölbte Frontscheibe besaß. Die Scheiben in den Türen bestanden aus Sekurit-Glas. Anders gestaltet war nun auch der Innenraum mit drei großen Rundinstrumenten im Armaturenbrett, dessen Oberkante jetzt mit schaumstoffgepolstertem Kunstleder überzogen war. Es gab das Modell als Coupé, Cabriolet oder Speedster mit 1,3l Hubraum und 44 PS oder mit 1,6 l Hubraum und 60 PS, daneben dann noch die dohc Carrera-Versionen mit 1,5 oder 1,6 l Hubraum.
Die Entwicklung der 356-Baureihe stand in engem Zusammenhang mit dem Motorsport und wurde kontinuierlich weiterentwickelt
Ab 1951 machte Porsche im Rennsport einen immer größeren Eindruck, was natürlich auch dem guten Ruf des Seriensportwagens nutzte. Allein 1951 gewann ein 356 mit Alukarosserie in Le Mans die 1100er-Klasse, ein Porsche fuhr in Monthléry Weltrekorde ein, ein anderer 356 wurde Dritter im anspruchsvollen Rennen Rom-Liège-Rom und ein weiterer trat ein erfolgreiches Wettrennen gegen einen D-Zug über die verschneiten Alpen an (Barnatos Bentley Blue Train läßt grüßen). Die Erfahrungen, die Porsche im Sport sammelte, kam dem Serienmodell auf die eine oder andere Weise zugute. So wurde etwa der legendäre Viernockenwellenmotor von Ernst Fuhrmann aus dem Porsche Spider, der Porsche viele sportliche Erfolge eingebracht hatte, den Carrera-Versionen des 356 angepasst.
Auf den 356 A folgten bis 1965 noch zwei weitere Baureihen
Wie es für Porsche typisch werden sollte, wurde der 356 mit den Versionen B und C stetig weiter perfektioniert, bis er durch den Porsche 911 mit Sechszylinder-Boxermotor abgelöst wurde.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor:ohv Vierzylinder-Boxermotor
Hubraum:1582 ccm
B x H: 82,5 mm x 74 mm
Leistung: 60 PS bei 4500 U/min
Verdichtung: 7,5:1
max. Drehmoment: 110 Nm bei 2800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe
Radaufhängung vorn: unabhängig an Kurbellenkern, quer liegende Drehstabfedern, Stabilisator
Radaufhängung hinten: Pendelachse an Längslenkern und quer liegenden Drehstabfedern
Antriebsart: Hinterradantrieb
Karosserie: Ganzstahlkarosserie mit Kastenrahmen verschweißt
Radstand: 2100 mm
Länge: 3950 mm
Breite: 1670 mm
Höhe: 1310 mm
Spur: vorn-1306 mm, hinten-1272 mm
Gewicht: 885 kg
Bauzeit: 1955-1959
Stückzahl: 21045 (alle 356 A)