Hans Gustav Röhrs Konstruktionen zeichneten sich vor allem durch ein fortschrittliches Fahrwerkskonzept aus
Hans Gustav Röhr war der erste Konstrukteur, der eine wirklich fortschrittliche Fahrwerkskonzeption mit unabhängiger vorderer und hinterer Radaufhängung im Serienautomobilbau auf den Weg brachte. Als erster einen „Vollschwingachser“ gebaut hatte er allerdings nicht. Fahrzeuge konstruierte Röhr bereits seit 1912, sein erstes Serienautomobil unter dem Firmennamen Röhr schuf er zusammen mit Ingenieur Joseph Dauben dann 1927 in Ober-Ramstadt. Dieser Röhr 8 besaß einen Stahlblech-Plattformrahmen, eine unabhängige Vorderradaufhängung an doppelten Querblattfedern und hinten eine Pendelachse, die sich gegen zwei Auslegefedern abstützte. Damit brach Röhr damals mit den Konventionen des klassischen Fahrgestellbaus. Außerdem verfügte das Fahrzeug über eine damals moderne Zahnstangenlenkung, ein Schneckendifferential und eine auffallend niedrige Bauweise mit einer Rücksitzbank nicht über sondern vor der Hinterachse. Dank seines modernen Fahrwerks, das über die Jahre stetig verbessert wurde, zeichnete sich der Röhr durch hervorragende Fahreigenschaften und eine exzellente Straßenlage aus, die damals seinesgleichen suchte. Als technischer Trendsetter wurde er zum
Vorbild von Marken wie Mercedes-Benz, Maybach oder auch Horch.
Der Röhr 8 Typ F bekommt ein stärkeres Triebwerk
Durch die Weltwirtschaftskrise verlor Röhr seinen Geldgeber Hugo Greffenius und musste 1931 Konkurs anmelden. Gekauft wurde die Firma von einer Schweizer Finanzgruppe. Röhr und Dauben hingegen gingen zu Adler. Von nun an machte die Marke Röhr ohne ihren Gründer weiter.
Bisher besaßen die Röhrmodelle relativ unspektakuläre Achtzylindermotoren mit 55 PS und 2,5 Litern Hubraum, die lediglich eine Höchstgeschwindigkeit von circa 100 km/h erlangten. Besonders eindrucksvoll war das für ein Luxusautomobil nicht. Für die Motorisierung des neuen Röhr 8 Typ F wurde nun das Konstruktionsbüro Porsche engagiert. Porsche hatte just ein ohv 3,3 l Reihenachtzylinder-Triebwerk mit Nockenwellenantrieb über Kette und neunfach in Gleitlagern gelagerter Kurbelwelle parat, das er ursprünglich für einen Wanderer entwickelt hatte. Mit diesem Achtzylindermotor, der 75 PS leistete und mit einem Doppelvergaser bestückt war, erreichte der Röhr eine Spitze von 125 km/h. Einige Änderungen wurden auch am Fahrwerk vorgenommen. So wurde etwa die Spur verbreitert und der Radstand verlängert. Auch bekam der mit hydraulischen Bremsen ausgestattete Typ F ein ZF-Aphon-Getriebe mit drei Gängen plus Autobahnschnellgang und Freilauf. So konnte während der Fahrt ganz komfortabel geschaltet werden ohne kuppeln zu müssen. Einziges Manko war der durch gesetzliche Vorschriften verursachte Wechsel von der weit besseren Zahnstangenlenkung zur Schraubenspindellenkung.
Mit dem ausgereiften Typ F zählt Röhr endgültig zur Luxusklasse
Die meisten Aufbauten für den Typ F kamen vom Darmstädter Karosseriehaus Autenrieth. Mit einem luxuriösen Cabriolet-Aufbau dieses Karossiers kostete der Typ F gut 11500 Reichsmark. Das war 1933 natürlich nicht wenig, aber durchaus normal für ein Luxusautomobil. Gebaut wurden von diesem Röhr mit den herausragenden Fahreigenschaften ein paar hundert Exemplare, eine durchaus stattliche Anzahl für ein derart exklusives Automobil jener Zeit. Das abgebildete Fahrzeug ist übrigens das einzige Exemplar mit vier Klappen an der Motorhaube und stand damals den Kleinbildpionieren Dr. Paul Wolff und Tritschler Fotomodell für das Verkaufsprospekt von Röhr. Bewundert wurde es auch vom technikbegeisterten Schauspieler Heinz Rühmann, der viel für Röhr übrig hatte.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten Röhr 8 Typ F
Motor: ohv Reihenachtzylinder
Hubraum: 3287 ccm
B x H : 69,6 x 108 mm
Leistung: 75 PS bei 3200 U/min
Verdichtung: 1:5,6
Beschleunigung: 11 sec. von 0 auf 60 km/h
Höchstgeschwindigkeit: ca. 125 km/h
Vergaser: Pallas 30 DU Doppel-Steigstromvergaser
Kupplung: Einscheibentrockenkupplung
Getriebe: Vierganggetriebe von ZF-Aphon (3.Gang direkt, 4. Gang Schnellgang + Freilauf)
Rahmen: Tiefbett-Kastenrahmen mit Längsträgern und Bodenplattform
Vorderradaufhängung: an zwei Querfedern
Hinterradaufhängung: Pendelachse an Auslegefedern und Schraubenfedern
Fußbremse: hydraulisch auf vier Räder
Handbremse: mechanisch auf Kardanwelle
Radstand: 3235 mm
Spur vorn/hinten: 1400 mm
Gesamtmaße: 4700 x 1750 x 1650 mm
Räder: Scheiben-oder Drahtspeichen
Fahrgestellgewicht: 1150 kg
Gesamtgewicht: ca. 1600 kg
Verbrauch: 17 l auf 100 km
Tankinhalt: 60 l ( Tank im Motorraum-fallbenzin)
Stückzahl. ca. 250 Ex.
Bauzeit: 1933-1934