Von 1985 bis 1996 bot BMW eine Baureihe mit 740 ccm Hubraum, Kardanantrieb und Reihendreizylindertriebwerk an, die technisch auf dem Vierzylindermodell K100 aufbaute. Mit diesem Modell hatte BMW ein neues Konzept vorgelegt und eine Alternative zum Boxermotor offeriert
Bereits Mitte der 70er Jahre entschloss man sich bei BMW ein wassergekühltes Vierzylindermodell anzubieten. Allerdings war der Motor nicht quer eingebaut, sondern man hatte ihn längs und liegend platziert. Diese neuartige Konstruktion, die in der 1983 vorgestellten K100 Premiere feierte, wurde Compact Drive System genannt. Das Besondere an diesem flachen und langhubig ausgelegten Vierzylindermotor war seine neue Kennlinienzündung. Ein Computer errechnete an Hand der Drehzahl, der Position der Kurbelwelle und des Lastbereiches den optimalen Zündzeitpunkt.
Der neue Motor machte auch ein neues Fahrwerk notwendig. So besaß die K100 und auch die aus ihr entwickelte dreizylindrige K75 einen nach unten hin offenen Gitterrohrrahmen, bei dem der Motor und das Getriebe eine mittragende Funktion übernahm. So wurde das Gewicht reduziert und die Verwindungssteifigkeit erhöht. Das Hinterrad wurde an einer Einarmschwinge geführt und vorn gab es eine Teleskopgabel.
Das Dreizylindermodell K75 wies dieselben Charakteristika auf wie die K100, schließlich arbeitete man auch bei der K-Baureihe nach dem Baukastenprinzip
Zwei obenliegende Nockenwellen betätigten je zwei Ventile, eine Bosch LE-Jetronic war für das Gemisch zuständig, ein für damalige Verhältnisse gutes Fünfganggetriebe führte die Kraft an den in der Einarmschwinge agierenden Kardanantrieb weiter, der natürlich langlebig und wartungsfreundlich war.
Für die Temperierung des Motors (Spitzname: fliegender Ziegelstein) sorgte eine Wasserkühlung.
Eine Ausgleichswelle garantierte die Laufruhe des Dreizylinders
Die BMW K 75 hat drei statt vier Zylinder, deshalb produzierte ihre mit 120 Grad Hubzapfenversatz versehene Kurbelwelle mehr Massenmomente erster Ordnung. Um diese in Schach zu halten, trug die Abtriebswelle, auf der vorne die Einscheiben-Trockenkupplung saß, zwei Ausgleichsgewichte. Auch die Brennraumform wurde bei der K75 optimiert, um eine hohe Literleistung zu erreichen. Angenehm fiel die Ausgewogenheit der Lenkung auf, das gute Handling und die reichhaltige Ausstattung. Überhaupt fuhr sich die K75 besser als die K100, da sie handlicher, direkter und weniger steif agierte. Einem anfangs auftretenden Lenkerschlagen, das bei leichtgewichtigen Fahrern über unebenes Terrain auftrat, begegnete BMW ab 1986 mit einem Fluidbloc. Das war ein Reibungsdämpfer aus Spezialkautschuk, der in das Steuerkopfrohr eingeschoben wurde. Diese Konstruktion beeinflusste weder die Hochgeschwindigkeitsstabilität noch das Handling negativ.
Mit der K75 sollte die Lücke zwischen den Boxermodellen und dem Vierzylinder geschlossen werden
Trotz anfänglicher Skepsis eroberte das Dreizylindermodell dank großer Haltbarkeit, angenehmer Fahreigenschaften, sehr guter Tourengängigkeit, gutem Komfort und geringem Verbrauch einen breiten Kundenstamm. Zu haben war sie auch mit Sportfahrwerk und verkürzten Federwegen. Am häufigsten verkaufte sich aber die ab 1990 angebotene, vollverkleidete RT-Variante, da sie herausragende Touren-Eigenschaften besaß und gerne von Behörden auf der ganzen Welt geordert wurde. Zu diesem Zeitpunkt bot BMW die K75 auch in der Basisversion mit ABS und hinterer Scheibenbremse statt hinterer Trommelbremse an.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Reihendreizylindermotor, wassergekühlt, längs liegend eingebaut
Hubraum: 740 ccm
B x H: 67 mm x 70 mm
Leistung: 75 PS bei 8500 U/min
Verdichtung: 11:1
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Beschleunigung: von 0 auf 100 km/h in 4,8 sec.
Gemischbereitung: elektronische Einspritzung (Bosch LE-Jetronic)
Zündung: kontaktgesteuerte Batteriespulenzündung
Schmierung: Druckumlaufschmierung mit Eaton-Ölpumpe
Getriebe: separates Fünfganggetriebe
Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung
Hinterradantrieb: Kardanwelle
Rahmen: Gitterrohrrahmen, mittragender Motor
Radführung vorn: hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel, 185 mm Federweg
Radführung hinten: Monolever-Einarmschwinge mit Kardanantrieb, 110 mm Federweg
Bremse vorn: Doppelscheibenbremse
Bremse hinten: Scheibenbremse
Bereifung vorn: 100/90 x 18
Bereifung hinten: 120/90 x 18
Tankinhalt: 21 l
Gewicht: 227 kg (vollgetankt)
Preis 1985: 12890 DM
Bauzeit: 1985-1996
Stückzahl: ca. 68000 Ex.