Nachdem das Unternehmen von Hans und Andreas Glas in den BMW-Konzern eingegliedert worden war, baute BMW einige Glas-Modelle noch einige Zeit weiter. Auch das Spitzenmodell von Glas, der 2600 beziehungsweise 3000 V8 wurde als BMW 3000 V8 von 1967 bis 1968 in 418 Exemplaren weiter gefertigt
Anders als etwa beim Glas 1300 GT, der etlichen Veränderungen unterworfen wurde und auch einen BMW-typischen Kühlergrill erhielt, ließ BMW das V-Achtzylindermodell von Glas bis auf das Firmenemblem wie es war.
Das 1964 vorgestellte und ab 1966 serienmäßig gebaute V-Achtzylinder-Sportwagenmodell von Glas besaß anfangs 2,6 Liter Hubraum und entstand in etwa 300 Exemplaren. Noch 1966 erweiterte man den Hubraum bei einem Prototypen auf 3 l. In Serie ging die größere Version allerdings erst unter BMW-Regie
Um die Entwicklungskosten für den neuen Motor möglichst gering zu halten, übernahm man für den V-Achtzylinder die Grundarchitektur des ohc 1,3 l Motors, den das GT Coupé besaß und dessen moderne und sehr leistungsfähige Konstruktion vom ehemaligen BMW-Ingenieur Max Ischinger entwickelt wurde. Sein Debut feierte diese Motorenkonstruktion bei Glas bereits Anfang der 60er Jahre im Modell S1004, mit dem der Aufstieg der Firma in die Mittelklasse begann. Eine Innovation war damals der Einsatz eines Zahnriemens statt einer Kette für den Antrieb der oben liegenden Nockenwelle.
Auch der mit Leichtmetallzylinderköpfen ausgestattete V-Achtzylinder besaß Zahnriemen, die die im Zylinderkopf liegenden Nockenwellen (je eine pro Zylinderbank) antrieben. Das war damals immer noch etwas besonderes. Auch sonst war der Glas V8 eine moderne Konstruktion. Er verfügte über eine selbsttragende Ganzstahlkarosserie, eine vordere Einzelradaufhängung an Doppeldreieckquerlenkern, Schrauben,- und Gummihohlfedern und hatte hinten eine De Dion-Achse mit halbelliptischen Blattfedern und Panhardstab. Außerdem besaß er selbstregelnde Hydromat-Stoßdämpfer von Boge mit automatischer Niveauregulierung, was damals ein Novum bei einem deutschen Serienwagen war. Der 3l-Motor leistete, bestückt mit drei Solex-Fallstromdoppelvergasern, 160 PS und brachte das Fahrzeug in nur 10 Sekunden aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Damit machte er auch dem italienischen Sportwagen, dem er so ähnlich sah, alle Ehre.
Die Formgebung des Glas V8 kam, wie bereits die sportlichen Formen des Glas 1300 GT Coupés vom italienischen Automobildesigner Pietro Frua, zu dem die Familie Glas eine freundschaftliche Beziehung pflegte
Schon der 1300 GT war ein formvollendetes 2+2 Fastback-Coupé mit einer Dachlinie, die sich in einem geschwungenen Bogen fast bis zur hinteren Stoßstange erstreckte. Beim Glas V8 hatte Frua nun ein ausgesprochen elegantes Gran Turismo-Coupé im Stil zeitgenössischer italienischer Sportwagen entworfen, das über zwei Türen, einen geräumigen Innenraum mit vier vollwertigen Sitzplätzen und einen großvolumigen Kofferraum verfügte. Da die Linienführung stark an einen ebenfalls von Pietro Frua entworfenen Maserati Quattroporte erinnerte, brachte diese Ähnlichkeit dem Glas V8 im Volksmund den Spitznamen „Glaserati“ ein.
Glas ging Ende 1966 in BMW auf
Der ehemalige Landmaschinenfabrikant Glas hatte mit dem Goggoroller, dem Goggomobil und dem Isar die Bevölkerung erfolgreich in die Wirtschaftswunderzeit begleitet. Nun auch seine Mittelklassemodelle und das Achtzylinder-Oberklassemodell gut zu vermarkten, machte zusehends Probleme, vor allem wohl weil das Händlernetz von Glas aus Landmaschinen,- und Kleinwagenhändlern bestand. Als es immer schwieriger wurde, sich schnell gegen eine kapitalkräftige Konkurrenz zu behaupten, trat Glas mit verschiedenen Autokonzernen in Verhandlungen ein. Allerdings bestand über den befreundeten Münchener BMW-Händler und ehemaligen Rennfahrer Schorsch Meier bereits eine gute Kommunikationsebene zu BMW. Und BMW hatte Interesse, sogar soviel Interesse an dem Ingenieurswissen der Firma Glas, dass die Verantwortlichen sehr viel für Glas zu zahlen bereit waren. In der Folgezeit baute BMW einige Glas-Modelle noch kurzzeitig weiter. Unter ihrer Regie wurde auch der Glas V8, nun mit 3l-Motor, nahezu unverändert als BMW 3000 V8 von 1967 bis 1968 gefertigt. Von dem mit fast 24 000 DM recht teuren Sportwagen entstanden 418 Exemplare. Das abgebildete Fahrzeug wurde damals an den Großherzog von Luxemburg ausgeliefert.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: 90° V-Achtzylinder, eine obenliegende Nockenwelle pro Zylinderbank
Hubraum: 2982 ccm
B x H : 78 mm x 78 mm
Leistung: 160 PS bei 5100 U/min
max. Drehmoment: 236 Nm bei 3500-4200 U/min
Verdichtung: 9,2:1
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Beschleunigung: 10 sec. von 0 auf 100 km/h
Vergaser: 3 Solex-Fallstromdoppelvergaser
Getriebe: vollsynchronisiertes Vierganggetriebe, Mittelschaltung
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie, Frua-Design
Vorderradaufhängung: Doppeldreieckquerlenker, Schrauben,- und Gummihohlfedern, Querstabilisator,
Hinterradaufhängung: De Dion-Achse, halbelliptische Blattfedern, Panhardstab
Bremsanlage: vorn und hinten Scheibenbremsen
Radstand: 2500 mm
Gesamtmaße: 4600 x 1750 x 1380 mm
Leergewicht: 1350 kg
Stückzahl: 418 Ex.
Bauzeit: 1967-1968