Kinderspielzeug anzubieten, hat bei Automobilherstellern fast schon Tradition und das bereits seit der Frühzeit des Automobils
Schon früh kamen Autohersteller auf die Idee, bereits den Nachwuchs ihrer Kundschaft mit Tretautos und später auch mit Tretrollern, Dreirädern, Fahrrädern und kleinen Motorrädern früh an sich zu binden. Begonnen hat dieser Trend eigentlich sogar schon bei den Kutschenbauern. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden für reiche Kinder kleine Kutschen gefertigt, vor die dann Ziegen oder Hunde eingespannt wurden und mit denen die Kinder Ausfahrten durch den Schlosspark oder das Anwesen ihrer Eltern machten. Als dann die „pferdelose Kutsche“ immer populärer wurde, baute man auch diese im Kleinformat bestückt mit Pedalantrieb nach. Die Tretautos etwa waren anfangs noch keinem Vorbild detailgetreu nachempfunden. Das kam erst später, als die Automobilhersteller erkannten, dass sich auf diese Weise bei den Kleinen eine Markenbindung aufbauen ließ. Einer, der das früh erkannte, war André Citroen, der als einer der ersten großen Autohersteller Tretauto-Modelle anbot und sich wünschte, dass die ersten Worte eines Kindes „Mamma, Papa und Citroen“ wären. Dem Beispiel Citroens folgten bald auch andere Produzenten.
Der japanische Automobil,- und Motorradhersteller Honda kam in den 70er Jahren auf die Idee einen Tretroller für Kinder anzubieten, als man sich überlegte, womit man Kinder beschäftigen könne, während sich ihre Eltern in Hondas Verkaufsräumen umschauten
Hondas patentierter Kinderroller von 1974 nannte sich „Kick‘n Go“ (in Japan GoGo), besaß zwei Vorderräder und ein Hinterrad und war für einen Tretroller damals gut ausgestattet. So hatte man ihn mit einer über Bowdenzug von der Lenkstange aus zu betätigenden Felgenbremse ausgestattet. Außerdem bestand er aus einer sehr stabilen Rahmenkonstruktion und war mit einem breiten Trittbrett versehen. Gelenkt wurde er über Gewichtsverlagerung. Der Clou des Rollers aber war sein Kick‘n Go-Mechanismus. Durch Tritte auf einen langen Hebel vor dem Hinterrad wurde eine anders untersetzte Kette aktiviert, die das Hinterrad antrieb. Das Kind stieß sich also nicht mehr vom Boden ab, sondern trat den großen Hebel. So lief der Roller wie aufgezogen. Angeboten wurde der Tretroller in rot, gelb, blau und silber. Auch eine zweirädrige Variante und eine größere Version für ältere Kinder und Erwachsene kam kurzzeitig auf den Markt. Die meisten Honda-Kinderroller wurden in Japan und in den USA verkauft, wo sie zu einem echten Hit avancierten. Angeboten wurden sie aber auch in Deutschland. Allerdings gab es die Roller nur für eine kurze Zeit, denn nachdem zwei Kinder damit tödlich verunglückten, wurde die Produktion nach etlichen tausend verkauften Exemplaren 1976 eingestellt.
Fotos & Text: Marina Block