Das 1961 vorgestellte, in zwei Serien gebaute und sündhaft teure BMW 3200 CS Coupé war damals das luxuriöse Topmodell von BMW und das einzige neue, deutsche V-Achtzylindermodell. Es basierte, wie sein Vorgänger das 503-Coupé technisch auf der 501/502-“Barockengel“-Oberklasselimousine mit kopfgesteuertem Leichtmetall-V-Achtzylindertriebwerk. Die Formgebung des 3200 CS mit ihrer modernen und glattflächigen Linienführung stammte hingegen aus Italien und war dem Turiner Karosseriehaus Bertone und hier ganz speziell dem jungen Designer Giorgio Giugiaro zu verdanken
Die luxuriöse, teuer produzierte und von ihrer Formgebung her bereits etwas altbacken wirkende Limousine 501/502 hatte damals neben fehlender neuer Ideen zur katastrophalen finanziellen Situation von BMW kräftig beigetragen, schließlich verfügten derzeit die wenigsten Menschen über eine derart große Kaufkraft. Dieser Entwicklung wurde nun noch mit einem zwar modern geformten, aber doch wieder mit einem Verkaufspreis von 29850 DM sehr teuren Coupé entsprochen, das ebenfalls nicht nur in der Anschaffung sehr kostspielig war sondern auch hinsichtlich seiner Produktionskosten. Und so wurden der Barockengel und der in nur 602 Exemplaren gebaute 3200 CS (coupé sport) fast zum Totengräber der blau-weißen Automobilmarke, wäre der Hauptaktionär Herbert Quandt und ein umstrukturiertes Entscheidungsgremium mit neuen Ideen und einer neuen Zielsetzung nicht gewesen. Vor einer Übernahme durch Daimler-Benz wurde BMW letztendlich durch Quandts Engagement gerettet, der als Dank später ein speziell für ihn gefertigtes BMW 3200 CS Cabriolet erhielt. Eine nachhaltige Trendwende in der Modellpolitik leitete die Anfang der 60er Jahre vorgestellte „Neue Klasse“ ein und später tat dann noch die Verschmelzung mit der technisch sehr innovativen Marke Glas ein übriges.
Giugiaro entwarf ein schlankes und elegantes Sportcoupé mit BMW-typischer Niere im Kühlergrill, Panoramafenstern und rahmenlosen Seitenscheiben auf der Barockengel-Technik. BMW-Designer Wilhelm Hofmeister steuerte als Stilelement den später als Hofmeister-Knick benannten, doppelt geknickten Übergang von der C-Säule zum Wagenkörper bei
Die Karosserien wurden bei Bertone gefertigt und zur Komplettierung mit der Bahn nach München zu BMW geschickt. Aufgebaut wurden die Ganzstahlkarosserien, die übrigens die letzten, nicht selbsttragenden bei BMW waren, auf einen ursprünglich von Motorradentwickler Alfred Böning konstruierten Kastenrahmen mit Rohrquerträgern, der mit dem Boden der Karosserie verschweißt wurde. Das Fahrwerk bestand vorn aus einer aufwändigen Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern und Längsdrehfederstäben, hinten gab es eine Starrachse an Dreieck-Schubstreben und Längsdrehfederstäben. Das über eine Mittelschaltung oder auf Wunsch auch über eine Lenkradschaltung zu betätigende, vollsynchronisierte Vierganggetriebe befand sich bei der 1. Serie unter den Vordersitzen und war über eine kurze Welle mit dem Motor verbunden. Die 2. Serie hatte ein direkt an den Motor geflanschtes Getriebe. Gebremst wurde vorn mit Scheibenbremsen, hinten gab es Trommelbremsen. Die Innenraumausstattung des 3200 CS war luxuriös und mit hochwertigen Instrumenten versehen. Elektrische Fensterheber gehörten zur Serienausstattung, auf Wunsch gab es mit Connolly-Leder bezogene Sitze ( bei der 2. Serie serienmäßig), ein elektrisch zu betätigendes Stahlschiebedach und eine Becker-Autoradio-Anlage, etc.. Die zweite Serie des 3200 CS war am holzfurnierten Armaturenbrett leicht zu erkennen.
Unter der Motorhaube des 3200 CS arbeitete ein 3,2 l ohv V-Achtzylindermotor aus Aluminium
Als BMW diesen exzellenten Motor ab 1955 im Barockengel verbaute, galt er als erster, serienmäßiger Aluminium-V-Achtzylinder der Welt. Im 3200 CS leistete der seidenweich laufende Motor in seiner größten Ausführung mit 3,2 l Hubraum 160 PS, beförderte das 1450 kg schwere und 4830 mm lange Coupé auf eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und beschleunigte in 13 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv V-Achtzylinder aus Leichtmetall
Hubraum: 3168 ccm
Leistung: 160 PS bei 5600 U/min
Verdichtung: 9:1
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
Vergaser: 2 Solex-Registervergaser (2.Serie)
Getriebe: vollsynchronisiertes Vierganggetriebe
Chassis: Kastenrahmen mit Rohrquerträgern
Karosserie: Ganzstahlkarosserie
Vorderradaufhängung: Doppelquerlenker, Längsdrehfederstäbe
Hinterradaufhängung: Starrachse, Dreieck-Schublenker, Längsdrehfederstäbe
Bremsanlage: vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen, Bremskraftverstärker
Radstand: 2840 mm
Gesamtmaße: 4830 x 1720 x 1460 mm
Leergewicht: 1450 kg
Stückzahl: 602 Coupés, 1 Cabriolet
Bauzeit: 1962-1965