Tempo - A400 (1941)

Für den Transport bestimmte Tempo Dreiräder der Firma Vidal & Sohn (Max Vidal und sein Sohn Oscar) aus Hamburg-Harburg zählten ab der 30er und bis in die späten 50er Jahre zu den erfolgreichsten Nutzfahrzeugen Europas. So war bereits 1937 jeder dritte Kleinlaster in Deutschland ein Tempo. Der günstige Transporter prägte das Straßenbild in Deutschland und half vielen sich eine Existenz aufzubauen und das nicht nur in der Nachkriegszeit

Angefangen hatten die Vidals, die zuvor ein Geschäft für den Import englischer Kohlen betrieben, mit der Dreiradproduktion bereits Ende der 20er Jahre, als ein neues Gesetz Fahrzeuge mit weniger als vier Rädern und einem Hubraum bis 350 ccm von der Steuer- und Versicherungspflicht befreite und einen regelrechten Boom an dreirädrigen Fahrzeugen auslöste. Auch die Vidals sprangen mit der Realisierung eines zuverlässigen und preiswerten Dreirads in Form eines Pritschen,- bzw. Kastenwagens, den sie mit einem günstigen, wartungsarmen und zuverlässigen Einbaumotor von Ilo ausstatteten, auf diesen Zug auf und hatten damit und mit den weiterentwickelten Versionen großen Erfolg. In den späten 50er Jahren konzentrierte man sich dann immer mehr auf vierrädrige Nutzfahrzeuge.

Erfolg trotz fehlender technischer Kenntnisse

Erfahrungen im Automobilbau hatten die Vidals im Gegensatz zu ihrem großen Konkurrenten Borgward aus Bremen, der das Goliath-Dreirad baute, anfangs übrigens nicht. Vielmehr nahmen sie 1928 mit den Besitzern der Tempo-Werk GmbH, die zwei Dreiradtypen bauten, Kontakt auf und stiegen auf diese Weise in das Dreiradgeschäft ein. Eigentlich wollten die Vidals die Fahrzeuge vermarkten, die die ehemaligen Tempo-Werk-Besitzer bauen sollten. Allerdings ging diese Verbindung wegen Unstimmigkeiten mit den Partnern in die Brüche und die Vidals machten allein weiter. Das Blatt wendete sich zum Positiven, als Ingenieur Otto Daus 1929 eingestellt wurde, der in Zukunft die technischen Geschicke der Firma lenkte. Er war zuvor technischer Leiter der Hamburger Rollfix-Eilwagenwerke und ein passionierter Tüftler und Erfinder. Seine Dreiradkonstruktionen führten die Vidalschen Tempo-Werke bereits ab Dezember 1929 auf den Weg des Erfolgs.

1938 wurde das Tempo Dreirad A 400 mit 398 ccm-Ilo-Einbaumotor und unterschiedlichen Nutzfahrzeugaufbauten (Hochpritsche, Tiefpritsche, Kasten) vorgestellt und im Schell-Plan der Nazis als Dreirad-Einheitsmodell verzeichnet

Somit durfte in der Klasse der kleinen, dreirädrigen Nutzfahrzeuge nur dieses Tempo-Dreirad gebaut werden (auch von anderen Herstellern in Lizenz). Die Produktion des Bremer Konkurrenten Goliath hingegen musste eingestellt werden. Da der A400 von der Wehrmacht allerdings bald als nicht heerestauglich eingestuft wurde, blieben noch viele Exemplare aus der Kriegszeit erhalten. Der A 400, der ab 1949 Tempo Hanseat hieß, besaß einen Zentralrohrrahmen mit Quertraversen und eine hintere Starrachse mit Blattfedern (ab 1950 Pendelachse). Angetrieben wurde das Fahrzeug mittels Kette über das einzelne Vorderrad, das mit zwei Doppelfedern versehen war. Der Kettenkasten diente als mittragendes Element. Leicht zugänglich befanden sich in der unmittelbaren Nähe des Vorderrads auch alle anderen wichtigen maschinellen Teile, wie etwa der über dem Vorderrad platzierte Einbaumotor, die Kupplung, das Getriebe und der Kühler. Der Antrieb des Vorderrads erfolgte über eine verkapselte und im Ölbad laufende Duplexkette. Der Zweizylinder-Zweitaktmotor von Ilo verfügte über 12,5 PS Leistung und einen Hubraum von 398 ccm. Die 6Volt-Anlage, der Anlasser und die Lichtmaschine kamen von Bosch. Das über Krückstockschaltung am Armaturenbrett betätigte Dreiganggetriebe war unsynchronisiert. Natürlich ging es auch beim A 400 primär um den sicheren und preisgünstigen Transport von Ware. Eine Höchstgeschwindigkeit von circa 55 km/h auch in beladenem Zustand war damals meist völlig ausreichend. Für die Verzögerung des Dreirads sorgten einfache Innenbacken-Trommelbremsen, die mechanisch über Seilzüge betätigt wurden.

Einen Tempo zu fahren erforderte Feingefühl

Vom Fahrer verlangte das Tempo Dreirad ein gewisses Einfühlungsvermögen, denn das kippanfällige Gefährt wollte mit Bedacht gefahren und auch mit Überlegung beladen werden. Außerdem führte auch der Umstand, dass nur ein Rad die Kraft auf die Straße bringen musste, gelegentlich zu Problemen, vor allem bei hoher Beladung oder bei widrigen Straßenverhältnissen. Zu haben war der Tempo mit unterschiedlichen Radständen und so auch unterschiedlich großen Ladeflächen. Beliebt war der kleine Transporter nicht nur bei Handwerkern, Markthändlern, Kleinbauern oder Handelsreisenden, auch Behörden wie die Post griffen gern auf ihn zurück. 1949 erhielt der A400 einen neuen Namen und hieß dann Hanseat. Ein Jahr später wurde die Motorleistung auf 13,5 PS erhöht. Außerdem spendierte man dem Hanseaten nun ein Vierganggetriebe, wenn auch immer noch ein unsynchronisiertes. Ab 1953 wurden Motoren von Heinkel verwendet, die eine Leistung von 15 PS besaßen und ab 1956 wurde der Hanseat nahezu ausschließlich nach Indien exportiert bis man 1962 die kompletten Produktionsanlagen dorthin verschiffte. In Indien baute man ihn dann bis 2000 als Bajaj Tempo Hanseat. Ende der 70er Jahre erhielt der Hanseat statt des Zweitakttwins ein Einzylinder-Dieseltriebwerk. Da das Unternehmen der Vidals im Vergleich mit VW und Co. ziemlich klein war, gab es immer wieder neue Beteiligungen, so bereits 1955 durch Hanomag. In den 60er Jahren übernahm dann die Daimler-Benz AG die Mehrheit. Die Vidals hatten sich 1965 komplett aus dem Unternehmen zurückgezogen.

Fotos & Text: Marina Block


Technische Daten

Motor: Ilo-Zweizylinder-Zweitaktmotor, wassergekühlt

Hubraum: 398 ccm

Leistung: 12,5 PS bei 4400 U/min

Höchstgeschwindigkeit: ca. 55 km/h

Vergaser: Bing-Vergaser

Getriebe: unsynchronisiertes Dreiganggetriebe

Lenkung: Spindellenkung

Antrieb: Vorderradantrieb

Rahmen: Zentralrohrrahmen

Vorderradaufhängung: Doppelfedern und Zentralbolzen, Kettenkasten als mittragendes Element

Hinterradaufhängung: Starrachse mit Blattfedern

Bremsen: mechanische Innenbackenbremsen

Radstand: wahlweise 2670, 3170, 3570 mm

Gewicht: ca. 600 kg

Nutzlast: 750 kg

L x B x H: 4650 x1730 x 1550 mm 

Farben: blau, grau, grün, rot, elfenbein

Bauzeit: 1938-1956, 1956-1962 nur für Export nach Indien

Stückzahl: bis 1956- 37131 Ex.


Bilder

Informationen:

MarkeTempo
ModelA400
Baujahr1941

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