Der bildschöne BMW-Roadster 507 entstand 1955, nachdem der junge Designer Albrecht Graf Goertz, der mit dem 503 auch für einen weiteren BMW-Meilenstein verantwortlich zeichnete und zuvor seine Meriten als Schüler des berühmten Designers Raymond Loewy in New York verdiente, zum amerikanischen BMW-Importeur Max Hoffmann gereist war und den auf dem amerikanischen Markt unverkäuflichen Prototypen 507a optisch grundlegend überarbeitet hatte. Heraus kamen dabei derart elegante Linien, dass der 507 später zu einer Ikone des Automobilbaus avancierte
Trotz seiner betörend schönen Formgebung verkaufte sich der von 1956 bis 1959 in 251 Exemplaren gebaute Roadster damals selbst in den USA, dem Land mit den meisten Sportwagenkäufern, wo auch der Mercedes 300 SL als direkter Konkurrent angeboten wurde, nicht eben gut. Und auch der chice 503 in Coupé,- und in Cabrioletform wurde nur in geringen Stückzahlen produziert. BMWs Nachkriegskonzept mit den 501/502 Limousinen und den auf der Technik des 502 basierenden sportlichen Modellen 503 und 507 zielte auf eine sehr kaufkräftige Klientel, die damals rar gesät war. Auch an das Rennsport-Image von BMW aus der Vorkriegszeit, als der Roadster 328 die Konkurrenz in Grund und Boden fuhr, ließ sich so nicht anknüpfen, denn der 507 sah zwar rennsporttauglich aus, doch das Fahrwerk und das Achtzylindertriebwerk aus dem 502 luden eher zum Cruisen mit rasanten Einlagen statt zur fulminanten Jagd über eine kurvenreiche Rennstrecke ein. Außerdem waren die Fahrzeuge mit V-Achtzylindermotor (502, 503, 507) ziemlich teuer, was in der Nachkriegszeit dank mangelnder Kaufkraft ein echtes Handicap darstellte. So kostete der 507 gut und gerne 28500 DM, ein Betrag, der den Jahresdurchschnittverdienst damals um fast das sechsfache überbot. Und die beiden Versionen des 503 waren sogar noch teurer. Da die Produktionskosten für diese Modelle auch sehr hoch waren, geriet BMW unweigerlich in finanzielle Schwierigkeiten, aus denen auch die preiswerte und sehr beliebte BMW Isetta das Unternehmen nicht allein herausholen konnte. Vor einer Übernahme durch Daimler-Benz wurde BMW durch das Engagement von Herbert Quandt gerettet. Eine nachhaltige Trendwende in der Modellpolitik leitete die Anfang der 60er Jahre vorgestellte „Neue Klasse“ ein, die sich sehr gut verkaufte, und später trug dann noch die Verschmelzung mit der technisch sehr innovativen Marke Glas ein übriges zum Erfolg der Marke bei.
Der reichhaltig ausgestattete und in vielen Farben erhältliche 507 baute auf der Technik des 502 Barockengels auf. Wie bei ihm arbeitete auch unter der Motorhaube des Roadsters ein ohv V-Achtzylindermotor. Bei diesem Motor handelte es sich um den ersten, serienmäßigen Aluminium-V-Achtzylinder der Welt
Der V-Achtzylinder des 507, der selbst aus dem Drehzahlkeller im vierten Gang kraftvoll beschleunigen konnte und über einen beeindruckenden Sound verfügte, besaß einen Hubraum von 3168 ccm und leistete 150 PS bei 5000 U/min. Er brachte den 1330 kg schweren Roadster auf eine Höchstgeschwindigkeit von gut 195 km/h, was damals eine sehr respektable Leistung war. Aufgebaut war der mit einer Leichtmetallkarosserie versehene 507 wie der 502 auf einen von Motorradentwickler Alfred Böning konstruierten Kastenrahmen mit Rohrquerträgern. Das Fahrwerk bestand vorn aus einer Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern und Längsdrehfederstäben, hinten gab es eine Starrachse an Dreieck-Schubstreben und Längsdrehfederstäben (Banjo-Achse). Das über eine Knüppelschaltung betätigte vollsynchronisierte Vierganggetriebe mit relativ langen Schaltwegen befand sich elastisch am Rahmen aufgehängt unter den Vordersitzen und war über eine kurze Welle mit dem Motor verbunden. Diese Konstruktion trug zu einer besseren Gewichtsverteilung bei. Auch konnte die Kupplung ohne Getriebeausbau getauscht werden.
Der 507 wurde damals gerne von Prominenten gekauft
So erstand etwa Elvis Presley, während seiner Zeit als GI in Deutschland ein Exemplar.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv V-Achtzylinder aus Leichtmetall, Kurbelwelle fünffach gelagert
Hubraum: 3168 ccm
B x H : 82 mm x 75 mm
Leistung: 150 PS bei 5000 U/min
max. Drehmoment: 24 mkg bei 4000 U/min
Verdichtung: 7,8:1
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Beschleunigung: 11 sec. von 0 auf 100 km/h
Vergaser: zwei Zenith-Doppelfallstromvergaser
Getriebe: synchronisiertes ZF-Vierganggetriebe, Knüppelschaltung, Fünfgangsportgetriebe auf Wunsch
Chassis: Kastenrahmen mit Rohrquerträgern
Karosserie: zweisitziger Aluminium-Roadsteraufbau mit Allwetterverdeck oder Hardtop
Vorderradaufhängung: Doppelquerlenker, Längsdrehfederstäbe
Hinterradaufhängung: Starrachse, Dreieck-Schublenker, Längsdrehfederstäbe
Bremsanlage: hydraulische 284 mm-Trommelbremsen,Bremsservo
Radstand: 2479 mm
L x B x H:: 4380 x 1650 x 1300 mm
Leergewicht: 1330 kg
Bereifung: 6.00-16“
Verbrauch: 15 l auf 100 km
Stückzahl: 251 Ex.
Bauzeit: 1956-1959