In der Zweigstelle Nordwest von Wiking Modellbau in Buer bei Melle wurden die Knipsachser im H0-Format von Wiking ab 1948 produziert. Mit ihnen startete Wiking nach dem Krieg seine erfolgreiche Modellautoproduktion
Bereits Anfang der 30er Jahre baute Friedrich Karl Peltzer, der Sohn eines kaiserlichen Marineoffiziers und von Haus aus Grafiker, Schiffsmodelle zunächst aus Pappe und später dann aus Metallguß. 1939 wurde die Firma ins Berliner Handelsregister eingetragen. Natürlich brachte der Krieg auch für Wiking in Berlin eine scharfe Zäsur. Erste Nachkriegsminiaturen, diesmal von Autos und Verkehrsmodellen, darunter Verkehrsschildern und Figürchen, gab es von der Firma schon 1946. Ab 1948 kamen die Knipsachser auf den Markt, die so hießen, weil man die Drahtachsen, auf denen die Räder saßen, an den Enden mit der Zange abgeknipst hatte.
Das Motiv für die Gründung einer Zweigstelle in Buer war unter anderem in der Angst vor den Sowjets begründet
Friedrich Peltzers Entschluss, eine kleine Zweigstelle in Westdeutschland zu gründen, resultierte aus der Befürchtung, Berlin könne möglicherweise von den Sowjets ganz eingenommen werden. Als eine Art Rückversicherung wollte der Unternehmer einen zweiten Produktionsstandort aufbauen. Die Wahl auf das Örtchen Buer fiel durch die Freundschaft zur Familie Hensiek, die dort lebte und ein Ziegeleigelände besaß, wo die Produktion dann startete.
Wiking wurde zum wichtigsten Anbieter in Deutschland für das HO-Format, das zur Märklin-Eisenbahn passte
Anfangs entstanden die Knipsachser in 1:90, später dann in 1:87. Sie wurden von den Mitarbeitern, überwiegend jungen Frauen, von Hand bemalt. Auch die Spritzgussmaschinen mussten mechanisch betätigt, die Angüsse abgefeilt und die Modelle lackiert werden. Die Peltzers ließen den Malerinnen bei ihrer Arbeit eine gewisse Freiheit, so dass damals eigentlich jedes Exemplar ein Unikat wurde.
Sogar eine Qualitätskontrolle gab es damals schon
Denn Friedrich Peltzer war es sehr wichtig, dass die kleinen Modelle unbedingt den Rolltest bestanden, bevor sie die Produktion verließen. Schließlich war der Spielwert für die Kinder ausschlaggebend und so avancierten die Hensiek-Kinder damals zu Modelltestern par excellence. Ein echtes Spielkind soll, laut seiner Mitarbeiter, auch der Chef selbst, der für den Modellbau eine große Leidenschaft empfand, gewesen sein. So habe er immer ein paar Knipsachser in seinen Jackentaschen mit dabei gehabt, um zwischendurch immer wieder mal damit zu spielen. Da es Friedrich Peltzer und seine Frau zur See zog, wurde die Zweigstelle in Buer 1953 aufgelöst und eine neue Zweigstelle in Kiel eröffnet. Dort verwirkliche Friedrich Peltzer auch seinen ganz großen Traum und baute ein Schiff im Maßstab 1:1.
In der Vitrine finden sich Schätze aus der frühen Nachkriegszeit
Besonders schön sind die frühen Knipsachser in Form eines Autobusses, Kippladers, Trekkers oder auch Feuerwehr-Leiterwagens. Auch der kleine Motorradfahrer, der Jeep, der Horch, die Dodge Feuerwehr, der Volkswagen oder Sportviersitzer zählen heute zu den Raritäten.
Fotos & Text: Marina Block