Unbekannt - Postfahrrad (1970)

Fahrräder wurden bereits ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert für den Postzustelldienst eingesetzt

Nachdem die Erfindung des Fahrrads und seine Weiterentwicklung zum Niederrad vor allem durch die Aufsehen erregenden Rennveranstaltungen, wie etwa das Frühjahrsrennen Paris-Roubaix, das 1896 der Deutsche Josef Fischer gewann, immer bekannter wurde, interessierte sich bald auch die deutsche Post für dieses überaus praktische Gefährt. Noch vor der Jahrhundertwende wurden in Deutschland die ersten Postfahrräder in Betrieb genommen. Sie wurden für den Zustelldienst und für die Briefkastenentleerungen eingesetzt. Noch früher bediente man sich in Amerika des Fahrrads für die Postzustellung. Als 1894 in San Francisco die Eisenbahner streikten, kam ein amerikanischer Fahrradhersteller auf die Idee, die liegen gebliebenen Postsendungen und Waren per Lastenfahrrad unter die Leute zu bringen. Justement wurde die bestreikte Strecke in acht Bezirke aufgeteilt, in denen verschiedene Fahrradkuriere die Zustellung übernahmen.

Das Fahrrad hatte damals auch das Postwesen revolutioniert

Schnell und unabhängig von einem vierbeinigen Zeitgenossen konnte die Post nun auch über weitere Strecken zugestellt werden. Zwar blieb die Postkutsche für einige Jahre immer noch ein wichtiges Transportmittel, doch mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Nutzung des Fahrrads verloren Postkutschen langsam aber sicher an Bedeutung. Als das Automobil dann immer mehr Terrain gewann, wurde der Zustelldienst per Pferd und Kutsche sowieso obsolet.

Postfahrräder mussten besonderen Ansprüchen genügen

So war vor allem die Stabilität des Rades, das ja oft schwere Lasten zu transportieren hatte, ausschlaggebend. Der Rahmen war demnach sehr stabil ausgelegt und die Speichen waren verstärkt. Außerdem besaß der Rahmen immer einen tiefen Durchstieg und war zudem relativ kurz gehalten, damit das häufige auf,- und absteigen möglichst leicht von statten ging. Die Stahlkörbe, in die die wetterfesten Taschen für die Briefe und Päckchen eingehängt wurden, hatte man so angeordnet, dass die Gewichtsverhältnisse möglichst ausgewogen waren, um einen sicheren Transport zu gewährleisten. Auch der Ständer musste sehr stabil ausgelegt sein, da er mehr Gewicht zu halten hatte. Oft war der Ständer sehr breit gebaut und mit Rollen versehen, die das schnelle Abstellen des Fahrrads erleichterten. Die gelbe Lackierung erhielten die Postfahrräder erst nach dem Krieg als man diese Farbe bei der Post in Deutschland einführte. Zuvor waren die Postfahrzeuge rot lackiert. Zweiräder für die Post wurden bei verschiedenen Fahrradherstellern in Auftrag gegeben. Mit dem Aufkommen elektrischer Hilfsmotoren erhielten auch etliche Postfahrräder elektrische Antriebshilfen.

Fotos & Text: Marina Block


Bilder

Informationen:

MarkeUnbekannt
ModelPostfahrrad
Baujahr1970

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