Göricke - Herrenfahrrad (1950)


In der ehemaligen Fahrrad,- und Motorradstadt Bielefeld, in der früher über 20 Millionen Fahrräder produziert wurden (jedes fünfte Fahrrad in Deutschland stammte in der Blütezeit des Zweirads aus Bielefeld), entstand 1874 auch die Fahrrad,- und Motorradmarke Göricke. Sie ist eine der ältesten Fahrradmarken Europas, die noch existiert, denn Göricke-Fahrräder werden auch heute noch von dem Löhner Unternehmen Panther International in ihren Zweigwerken gebaut

Anfangs verkaufte August Göricke erst einmal Phönix-Nähmaschinen bis er in den 1880er Jahren begann, wie andere Unternehmen in Bielefeld übrigens auch, als zweites Standbein neben der Produktion anderer Güter, Fahrräder zu bauen. Ab dem beginnenden 20.Jahrhundert kamen dann motorisierte Fahrräder und schließlich Motorräder mit Einbaumotoren von Herstellern wie Kelecom, Zedel, JAP, MAG und später Fichtel & Sachs sowie Ilo hinzu.

Die Fahrräder wurden im 19. Jahrhundert als „Westfalenräder“ und ab 1907 als „Görickeräder“ vertrieben.

Das Unternehmen war erfolgreich in der Fahrradproduktion als auch im Motorradbau

In den 50er Jahren war die Marke Göricke ein über die Region hinaus gefragter Konfektionär mit eigenen Fahrgestellen und Motoren von F & S und Ilo. Auch die Fahrräder der Marke fanden dank ihrer hohen Qualität viele Abnehmer. Bekannt waren die Fahrradmodelle von Göricke, die so klangvolle Namen wie Regina oder Lux trugen, für ihre robuste Rahmenkonstruktion und ihr elegantes Erscheinungsbild.

Görickefahrräder waren auch im Sport erfolgreich

So holte der Radrennfahrer Paul Guignard auf einem Görickerad 1909 den Weltrekord, als er in einer Stunde hinter einem Schrittmacher 101,6 km zurücklegte. Dieser Weltrekord wurde lange Zeit nicht gebrochen. Auch sonst war die Firma sportlich erfolgreich und unterhielt, wie auch andere Bielefelder Fahrradhersteller darunter Dürkopp, Rabeneick, Bastert oder Meister lange Zeit einen eigenen Rennstall.

Als das Motorradgeschäft in der Wirtschaftswunderzeit langsam aber sicher wegbrach, konzentrierte man sich bei Göricke auf die Moped und die Fahrradproduktion, kämpfte aber mit immer größeren finanziellen Schwierigkeiten

1964 wurden die Göricke-Werke schließlich von der Familie Schminke übernommen, die bereits einige Jahre zuvor die 1896 in Magdeburg gegründeten Panther-Werke aufgekauft hatte. Panther hatte wie Göricke Fahrräder und motorisierte Zweiräder gebaut. Die Panther-Werke wurden von den Schminkes nach Bad Wildungen transferiert, wohin dann auch die ursprüngliche Bielefelder Marke Göricke umzog.

Göricke gibt es auch heute noch

Nachdem die Familie Schminke auch die Löhner Rapier Fahrradwerke übernommen hatte, zog das Panther-Unternehmen 1971 ins westfälische Löhne, wo die Verwaltung und die Abteilung Produktdesign noch heute zu finden sind. Derzeit werden in tschechischen und rumänischen Zweigwerken der Firma Fahrräder mit und ohne Elektromotoren der Marken Göricke, Panther und Jaguar gebaut.

Das abgebildete Herrenrad von Göricke aus dem Jahr 1950 ist wie neu

Es wurde vor einiger Zeit in einem Fahrradgeschäft entdeckt und befindet sich in einem völlig unbenutzten Zustand.

Fotos & Text: Marina Block


Bilder

Informationen:

MarkeGöricke
ModelHerrenfahrrad
Baujahr1950

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