Lola - Mark I (1960)

Der englische Rennwagenhersteller Lola Cars wurde 1958 in Bromley in der Grafschaft Kent gegründet und zog später nach Huntingdon. Die ersten Rennsportwagen der Marke, die vom Firmengründer Eric Broadley und seinem Cousin Graham gebaut wurden, entstanden in der Werkstatt ihres Freundes Rob Rushbrook. Sehr schnell etablierte sich allerdings Lola Cars im internationalen Rennsport und wuchs nicht nur rasch zu einer renommierten Größe im Renngeschehen heran sondern avancierte sogar zu einem der erfolgreichsten Rennwagen-Hersteller der Welt. Hinter dem Volant einer Lola fuhren unzählige Amateur,- und Berufsrennfahrer über fünf Jahrzehnte lang grandiose Siege und Weltmeisterschaftstitel auf allen Kontinenten ein. Die Priorität lag bei Lola Cars im Rennwagenbau für Auftraggeber. Als man 1997 jedoch den ersten Werksrenner baute, sollte das direkt in den Ruin führen

Die erste Lola, die zwischen 1958 und 1962 in einer Kleinserie von ungefähr 40 Stück entstand, war die gleich in ihrem Erscheinungsjahr in Brands Hatch siegreiche Lola Mark I. Schon diese erste Lola sollte auf der Rennbahn ein voller Erfolg werden und die Rennsportwagenszene 1959 dominieren, obwohl der wirklich große Durchbruch für Lola Cars erst 1962 mit dem Formel Eins-Renner Mk 4 und 1963 mit dem Mark 6, dem Lola GT mit kompakten Monocoque und hinten platzierten Ford V-8-Triebwerk kommen sollte. Letzterer bildete dann die Basis für die Entwicklung des Ford GT 40. 1959 siegte Lola aber erst einmal in vielen wichtigen englischen Rennen mit dem Mark I. In Goodwood etwa belegten die Lolas die ersten drei Plätze, ferner siegten sie in Clermont-Ferrand und in der Tourist Trophy (Klassensieg). Damit zogen sie auch an der Rennsportikone Lotus vorbei. Auch in den nächsten beiden Jahren setzte sich die Siegessträhne fort und Klassensiege im amerikanischen Sebring und auf dem Nürburgring manifestierten den Erfolg.

Der ausgesprochen präzise konstruierte Rennsportwagen zeichnete sich durch ein extrem niedriges Gewicht, ein exzellentes Rennfahrwerk und einen 90 PS starken ohc 1,1 l Coventry Climax-Motor aus, den auch der Konkurrent Lotus verwendete

Rennwagen-Konstrukteur Eric Broadley hatte einen Rennsportwagen mit einem superleichten und steifen Chassis entwickelt, das nur 380 kg wog, eine schmale Frontpartie besaß und über eine sehr gute, unabhängige Hinterradaufhängung verfügte, mit geringeren ungefederten Massen als die von Lotus verwendete De-Dion-Hinterachse samt Chapman-Struts.

Die Lola Mark I überzeugte mit ihrem ausgezeichneten Fahrverhalten, ihrer enormen Fahrleistung und dem guten Handling. Ihre hohe Leistungsfähigkeit resultierte aus dem perfekten Zusammenspiel von ausgezeichnetem Fahrwerk, geringem Gewicht und sportlichem Motor

Bei der Entwicklung des Mark I orientierten sich Eric Broadley und sein Cousin Graham am Lotus 11, der damals als einer der schönsten Rennsportwagen galt. Allerdings machten es die beiden nicht genauso wie Lotus, sondern versuchten es besser zu machen. Das extrem geringe Gewicht der Lola resultierte vor allem aus einem Gitterrohrrahmen mit teilweise quadratischen Rohren, der nur 27 kg auf die Waage brachte und sehr steif war. Rundum gab es eine unabhängige Radaufhängung. Viele Teile kamen von englischen Großserienherstellern. So stammt das Vierganggetriebe vom Austin A30, das Differential von BMC, Teile der Vorderradaufhängung vom Morris Minor, die Trommelbremsen, hinten innenbelüftet, vom Triumph TR2 und die 15“-Räder von Cooper. Der größte Teil der Außenhaut des Lola Mark I Prototypen stammte von Maurice Gomm, der damals der angesagte Fachmann in Aluminum-Aufbauten war. Da das Budget der Broadleys sehr knapp bemessen war, einigten sie sich auf eine Front,- und eine Heckpartie, die ein Kunde von Gomm nicht abgeholt hatte. Sie modifizierten alles etwas und fügten den Rest selbst hinzu. Heraus kam dabei eine wirklich gelungene, flache und schmale Gestalt. Später entstand die Außenhaut des Mark I aus Kunststoff. Unter der Motorhaube arbeitete der bewährte 1,1 l Coventry Climax-FWA-Motor mit einer oben liegenden Nockenwelle und anfangs 83 PS Leistung. Die 19 im Jahr 1960 gebauten Lolas besaßen die dritte Variante des FWA mit 90 PS. Sie waren auch allesamt mit Kunststoffaufbauten versehen. Es wurden auch noch andere Climax-Motoren mit bis zu 1460 ccm Hubraum eingesetzt.

Zu ihrem klangvollen Namen kamen die Rennwagen übrigens eher per Zufall

Weder ein Liedtitel, wie oft behauptet wird, noch die Absicht einen ähnlich illustren Namen zu wählen wie Lotus, führten laut Eric Broadley zu dem Namen „Lola“, sondern sein Cousin Graham kam auf diesen Namen, der etwas mit einer ehemaligen Freundin von ihm zu tun hatte.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten

Motor: ohc Vierzylinderreihenmotor

Hubraum: 1098 ccm

B x H : 72,4 mm x 66,7 mm

Verdichtung: 9,8: 1

Leistung: 90 PS bei 7200 U/min

Höchstgeschwindigkeit: ca. 195 km/h

Vergaser: zwei Doppelvergaser

Antriebsart: Heckantrieb

Getriebe: vollsynchronisiertes Vierganggetriebe

Rahmen: Gitterrohrrahmen

Radaufhängung vorn: doppelte Dreiecksquerlenker

Radaufhängung hinten: doppelte Dreiecksquerlenker (Antriebswelle fungiert zusammen mit Längslenker

als oberer Dreicksquerlenker)

Radstand: 2130 mm

Bremsen: Trommelbremsen

Gesamtlänge: ca. 3600 mm

Gewicht: ca.380 kg

Bauzeit: 1958-1962

Stückzahl: ca. 40 Ex.

Bilder

Informationen:

MarkeLola
ModelMark I
Baujahr1960

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