Glas begann erst in den 50er Jahren Autos zu bauen
Die Familie Glas aus Dingolfing gründete 1860 eine der ersten Landmaschinenfabriken in Bayern. Auf die Idee auch Straßenfahrzeuge zu produzieren, kam man erst 1951, als Glas inspiriert von der italienischen Vespa den Goggoroller auf den Markt brachte. Mit dem Beginn der Wirtschaftswunderzeit und dem wachsenden Wohlstand, wurde der Wunsch, nach einem festen Dach über dem Kopf allerdings immer größer. Bald wollte jeder ein Auto besitzen und nicht mehr, wie beim Motorrad fahren, Wind und Wetter ausgesetzt sein. Da man mit dem Motorradführerschein der Klasse 4 auch Autos mit Motoren bis 250 ccm Hubraum fahren durfte, wuchs der Bedarf an erschwinglichen Kleinstwagen. Allerdings wollten die meisten Leute ein Fahrzeug, das auch wirklich wie ein normales Auto aussah und keine exotische Konstruktion á la Messerschmitt Kabinenroller oder Zündapp Janus. Diesen Trend hatte Hans Glas frühzeitig erkannt. Sein Goggomobil T250 mit Platz für eine Kleinfamilie war ein preiswertes Fahrzeug, das aussah wie ein richtiges Auto und mit einem Preis von 2940 DM nicht teurer war als ein Motorrad mit Beiwagen.
Der Kleinstwagen mit Heckantrieb und 14 PS Heckmotor zeichnete sich durch gute Bremsen, ein robustes Triebwerk und wenig Gewicht aus
Im Fahrzeugheck hinter der Hinterachse platziert, quer eingebaut und in Gummi gelagert befand sich der gebläsegekühlte Reihenzweizylinder-Zweitaktmotor mit Vierganggetriebe von Hurth und im Ölbad laufender Zweischeibenkupplung. Entwickelt wurde das zuverläßige und weich laufende Triebwerk vom ehemaligen Adler-Motorenspezialisten Felix Dozekal.
Die unabhängig aufgehängten Räder saßen vorn und hinten an Pendelachsen mit Federbeinen. Ferner gab es eine Zahnstangenlenkung und hydraulische Bremsen von ATE. Ungewöhnlich war das Z-Schema der Mittelschaltung, allerdings ließ es sich sehr gut schalten. Angeboten wurde das Goggomobil ab 1957 auch mit 300 und 400 ccm Hubraum. Da diese Varianten nicht mehr mit der Führerscheinklasse 4 zu fahren waren, blieb die produzierte Stückzahl überschaubar. Auch der abgebildete Lieferwagen trug die größte Motorvariante, für die der Führerschein Klasse 4 nicht mehr griff.
Der Limousine gesellte sich bald ein hübsches 2+2-Coupé mit Kühlergrillattrappe und der Transporter TL hinzu
Der Lieferwagen war mit seitlichen Schiebetüren und einer Hecktüre ausgestattet. Gut beladen ließ er sich vor allem von der Beifahrerseite, denn den spartanischen Beifahrersitz konnte man bei Bedarf einfach abklappen und wegschwenken. Über die Hecktüre kam man bequem an die Motorabdeckung, auf die auch einiges abgestellt werden konnte. Ausreichende Ablageflächen waren unter dem Blecharmaturenbrett, unter dem auch auf der Beifahrerseite das Reserverad lagerte, sowie eingelassen im Armaturenbrett vorhanden.
Bis zum Produktionsende 1969 entstanden von der Limousine über 214000 Exemplare, vom TS Coupé mehr als 66000 Stück und 3667 von 1957 bis 1965 gebaute Transporter, von denen allein 2000 Stück an die deutsche Bundespost ausgeliefert wurden. Den kleinen Transporter gab es übrigens nicht nur als Kastenwagen sondern auch als Pick-Up mit offener Ladefläche.
Das Goggomobil war der erfolgreichste Kleinstwagen jener Zeit.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Reihenzweizylinder-Zweitaktmotor im Heck
Hubraum: 395 ccm
B x H: 67 mm x 56 mm
Verdichtung: 6:1
Leistung: 18,5 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 75 km/h
Vergaser: 28 mm-Bing Schrägdüsenvergaser
Elektrik: Dyna-Startanlage
Getriebe: Vierganggetriebe, Mittelschaltung, elektromagnetisches Vorwählgetriebe (Ziehkeil) gegen Aufpreis
Lenkung: Zahnstangenlenkung
Antrieb: Hinterradantrieb
Karosserie: Stahlblechkarosserie mit Plattformrahmen verschraubt
Vorderradaufhängung: Pendelachse, Federbeine
Hinterradaufhängung: Pendelachse mit Längslenkern, Federbeine
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen von ATE
Radstand: 1800 mm
Gewicht. 460 kg
Reifen: 4,80-10
Felgen: Flachbett
L x B x H: 2910 x 1316 x 1695 mm
Bauzeit: 1957-1969