Mit der im Windkanal entwickelten Giulia (Limousine Cw-Wert 0,34) von 1962 und dem im Jahr darauf auf ihrer Basis von dem jungen Designer Giorgetto Giugiaro bei Bertone gezeichneten Sportcoupé, Giulia Sprint GT, löste Alfa Romeo die Giulietta-Baureihe mit einer moderneren und geräumigeren Modellreihe ab. Sowohl die Giulia als auch die Giulia Sprint GT, die unter Alfisti bald schlicht „der Bertone“ hieß, verzeichneten in ihrer langen Bauzeit viele sportliche Erfolge
Giorgetto Giugiaros kantige Linienführung mit der Sicke an der Gürtellinie und der kantigen Frontpartie verlieh dem Coupé ein charaktervolles Erscheinungsbild, das bis 1970 so weitergeführt wurde und dem Sprint GT auch den Spitznamen „Kantenhaube“ verlieh. Die abgerundete Version ab 1970 nannte man „Rundhaube“. Der Sprint GT von 1963 war eine Optimierung der kurz zuvor ebenfalls vom jungen Giugiaro bei Bertone entworfenen Gestalt des größeren Alfa Romeo 2000 Sprint. Im Gegensatz zum Giulietta Sprint Coupé, dessen Formen auch bei Bertone entstanden aber nicht von Giugiaro stammten, wurde das Giulia Sprint Coupé nicht bei Bertone selbst gebaut, sondern im neuen Alfa-Werk in Arese bei Mailand.
Der „Bertone“ oder auch Alfa GT, der in verschiedenen Ausführungen bis 1976 entstand, machte in der Version Giulia Sprint GTA überzeugend im Motorsport Karriere und dominierte eine ganze Tourenwagenepoche. Sieben EM-Titel standen am Ende auf seiner Agenda und sicherten dem Sportcoupé den Kultstatus.
Was nur wenige wissen: Karmann aus Osnabrück hatte einen wesentlichen Anteil an der Entstehung des „Bertone“
Ein junger Mann sei damals mit den Entwürfen von Giugiaro zu Karmann gekommen, die dort in die Realität umgesetzt wurden. Mit den bei Karmann hergestellten Werkzeugen wurde dann der Sprint GT im Alfa-Werk gebaut.
Unter der Motorhaube arbeitete wie bei fast allen Alfa Romeo-Modellen dieser Zeit Alfas exzellenter Doppelnocken-Reihenvierzylindermotor, der sich durch eine hohe Leistungsfähigkeit und Drehfreudigkeit auszeichnete, allerdings auch mit verstand behandelt werden wollte (langsames warm fahren war oberstes Gebot)
Um effizient zu produzieren, nutzte Alfa Romeo das Baukastenprinzip und verwendete für alle Vierzylindermodelle dieselbe Motorenarchitektur und dasselbe Fahrwerk. Unterschiede gab es hier nur bei der Hubraumgröße und der Leistung, so reichte die Hubraumpalette von 1300 ccm bis hin zu 2000 ccm. Beim abgebildeten Giulia Sprint GT besaß der Motor 1,6 l Hubraum und eine Leistung von 106 PS. Der Ventiltrieb erfolgte über zwei obenliegende Nockenwellen, der Motor hatte halbkugelförmige Brennräume, einen Leichtmetallblock und nasse Laufbuchsen. Neu war er übrigens nicht, sondern eine Weiterentwicklung des bewährten Giulietta-Motors. Da der Motor einen Ölinhalt von 6,7 Litern aufwies, dauerte die Warmlaufphase des Sporttriebwerks natürlich entsprechend lange.
Das sportliche Fahrwerk der Giulia bot viel Fahrspaß. Als Innovation gab es beim Sprint GT Scheibenbremsen mit Servo an allen Rädern
Auch dieser Alfa besaß dank Einzelradaufhängung vorn samt Stabilisator und einer aufwändig geführten Starrachse hinten an Längslenkern, Schraubenfedern und Reaktionsdreieck herausragende Fahreigenschaften.
Ein Problem war die große Rostanfälligkeit
Denn wie alle Autos damals litt auch der „Bertone“ an dieser weit verbreiteten Krankheit.
Das zeitlose Design des Giulia Sprint GT erhält die höchstmögliche Ehrung und wird neben anderen Designikonen italienischer Industriedesigner im Museum of Modern Art in New York ausgestellt
Der „Bertone“ ist ein Meisterwerk Giugiaros aus der Frühzeit seines Schaffens. Jahrzehnte später (1999) geht Giorgetto Giugiaro, gewählt von einer internationalen Jury aus 123 Fachleuten, als der Automobildesigner des 20. Jahrhunderts in die Automobilgeschichte ein.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: dohc Reihenvierzylinder
Hubraum: 1570 ccm
B x H: 78 mm x 82 mm
Leistung: 106 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Vergaser: 2 horizontale Doppelvergaser von Dell'Orto oder Solex
Getriebe: Fünfganggetriebe
Bremsen: Scheibenbremsen an allen Rädern, Bremskraftverstärker
Vorderradaufhängung: Einzelradaufhängung an Dreieckslenkern und Querlenkern,Querstabilisator,
Schraubenfedern
Hinterradaufhängung: Starrachse an Längslenkern und Reaktionsdreieck, Schraubenfedern
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Radstand: 2350 mm
Länge: 4080 mm
Gewicht: 950 kg
Bauzeit: 1963-1976
Stückzahl: ca. 120000 Ex.