Glas - Goggoroller TA 55 Luxus (1954)


Mit dem überaus erfolgreichen Goggoroller schuf der Landmaschinenproduzent Glas die Grundlage für seinen Einstieg in die Automobilproduktion. Anfang der 50er Jahre war Glas einer der ersten Rollerhersteller hierzulande und mit 50000 verkauften Exemplaren galt der Goggoroller bald als die erfolgreichste, erste Rollerkonstruktion Deutschlands.

Das Familienunternehmen Glas aus dem bayerischen Dingolfing kam erst im Verlauf der 50er Jahre auf die Idee Autos zu bauen. Erst einmal startete man 1951, inspiriert von der italienischen Vespa, mit der Produktion des Goggorollers, der die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg als Voraussetzung für den Autobau bei Glas schuf. Glas hatte den auch in Deutschland einsetzenden Motorroller-Boom vorausgeahnt. Mit der anbrechenden Wirtschaftswunderzeit reichte den meisten Menschen das Motorrad als Fortbewegungsmittel nicht mehr aus. Sie wünschten sich ein Dach über dem Kopf oder, wenn das noch nicht möglich war, zumindest ein Zweirad, das mit einer schützenden „Karosserie“ dem Automobil etwas näher kam. Man wollte auch in chicer Kleidung mobil sein und wünschte ein Fahrzeug, das vor widrigen Witterungsverhältnissen Schutz bot.

Andreas Glas( Sohn des Firmengründers Hans Glas) und Chefkonstrukteur Karl Dompert konstruierten einen robusten, zuverlässigen und reich karossierten Roller mit guten Fahreigenschaften, der den Kosenamen des Sohnes von Andreas Glas erhielt. So war die Bezeichnung „Goggoroller“ geboren. Bestückt war er mit gebläsegekühlten Ilo-Einzylinderzweitaktmotoren. Anfangs gab es ihn mit 125 und dann mit 150 ccm Hubraum. Aber schon 1953 kam ein größeres Modell mit 200 ccm Hubraum hinzu, das die am meisten verkaufte Variante werden sollte. Besonders begeehrt war das ab 1954 angebotene Luxusmodell TA 55 (abgebildet)

Auch der 200er Goggoroller besaß einen geschweißten Zentralrohrrahmen mit einem stabilen Doppelrohrheck. Allerdings hatte man sein Fahrwerk überarbeitet und verstärkt. Vorn gab es eine geschobene Schwinge mit Zugfedern und hydraulischem Dämpfer. Das Hinterrad wurde beim von 1953 bis 1956 gefertigten TA 55 von einer Schwinge und zwei Federbeinen aufgenommen. Außerdem war er mit 10“-Rädern ausgestattet und besaß eine geänderte Frontpartie mit eleganterer Verschalung und größerer Fronthaube. Bequem für zwei Personen ausgelegt war die verschließbare Doppelsitzbank, die zudem Werkzeug, Gepäckfach und Tankdeckel vor Langfingern schützte. Der lange Radstand des Fahrzeugs von 1332 mm förderte die Stabilität und ein gutes Fahrverhalten. Ausgestattet hatte man den 200er Goggoroller anders als die kleineren Modelle mit einem fußgeschalteten Vier,- statt Dreiganggetriebe. Außerdem war der TA 55, wie die anderen 200er-Versionen mit einem elektrischen Anlasser ausgestattet. Auch ein richtiges kleines Armaturenbrett mit Tacho, Zündschloss, Ladekontrollleuchte und Leerlaufanzeige war der Luxusausführung vergönnt. Auf Wunsch wurde auch eine Uhr geliefert. Luxuriös war auch das äußere Erscheinungsbild des TA 55, denn er war mit vielen, verchromten Zierelementen geschmückt, ohne dabei überladen zu wirken. Auch die Farbauswahl war für ihn reichhaltig, denn es stand eine breite Farbpalette zur Verfügung, darunter auch etliche Metallic-Töne.

Bestückt mit dem gebläsegekühlten 200 ccm Einzylinder-Zweitaktmotor von Ilo, der 9,5 PS leistete und den Roller auf 90 km/h Höchstgeschwindigkeit brachte, war auch der Gespannbetrieb kein Problem

Glas lieferte den großen Goggoroller auch als komplettes Gespann mit einem Royal-Seitenwagen. Auf Wunsch war ein Seitenwagen auch nachrüstbar. Schließlich wollte man auch Familien als Kunden erreichen.

Angeboten wurde ab 1954 zudem ein Anhänger für den Goggoroller.

Mit dem 200 ccm Ilo-Motor war übrigens auch ein mit Kardanantrieb versehener Goggo-Lastenroller ausgestattet, den Glas für eine kurze Zeit im Programm hatte. Für das sehr gut laufende Exportgeschäft wählte Glas den Namen Isaria statt Goggo-Roller.

Mitte der 50er Jahre gingen die Rollerverkäufe langsam zurück

Zum einen gab es mittlerweile viele Zweiradhersteller, die auf den Zug aufgesprungen waren und auch Rollermodelle anboten. Zum anderen wuchs damals der Bedarf an erschwinglichen Kleinstwagen rasant, da man mit dem Motorradführerschein der Klasse 4 auch Autos mit Motoren bis 250 ccm Hubraum fahren durfte. Daher wurde der sehr erfolgreiche Goggoroller,- Glas war damals der drittgrößte, deutsche Rollerproduzent nach NSU und Hoffmann, 1957 ad acta gelegt und man konzentrierte sich auf das Goggomobil, einen Kleinstwagen, der wirklich wie ein normales Auto aussah. Das war gerade das, was die Leute damals suchten, denn exotische Konstruktionen á la Messerschmitt Kabinenroller oder Zündapp Janus schreckten viele eher ab. Auch diesen Trend hatte Hans Glas frühzeitig erkannt und mit dem ab 1955 verkauften Goggomobil ein preiswertes Fahrzeug geschaffen, das aussah wie ein richtiges Auto, Platz für eine Kleinfamilie bot und nicht teurer war als ein Motorrad mit Beiwagen. Und so wurde das Goggomobil der erfolgreichste Kleinstwagen jener Zeit und löste in der Firmenpolitik den ersten Glas-Verkaufsschlager, den Goggoroller ab.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten

Motor: Ilo-Einzylinder-Zweitaktmotor, gebläsegekühlt

Hubraum: 197 ccm

B x H: 62 mm x 66 mm

Leistung: 9,5 PS bei 4900 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h

Vergaser: 26 mm-Bingvergaser

Elektrik: Noris-Batteriezündung, (Siba-Dynastarter)

Getriebe: Vierganggetriebe, fußgeschaltet

Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad

Rahmen: Zentralrohrrahmen mit Doppelrohrheck

Vorderradaufhängung: geschobene Schwinge, Schraubenzugfedern, hydraulische Stoßdämpfer

Hinterradaufhängung: Schwinge, zwei Federbeine

Bremsen: Trommelbremsen

Radstand: 1332 mm

Gewicht: 132 kg

Reifen: 4.00-10“

Tankinhalt: 12 l

Bauzeit: 1954-1956



Bilder

Informationen:

MarkeGlas
ModelGoggoroller TA 55 Luxus
Baujahr1954

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