Als das exklusivste Motorrad der Welt bewarb der englische Motorradhersteller Ariel aus Birmingham seine Square Four- Vierzylindermaschine, die 1930 auf der Londoner Olympia Motor Show der Öffentlichkeit vorstellt wurde. In die Motorradgeschichte sollte die bis 1959 gebaute Ariel Square Four als der Rolls-Royce auf zwei Rädern eingehen
Konstruiert hatte dieses ungewöhnliche und kostspielige Motorrad, das einen kompakten, extrem laufruhigen und ausgesprochen elastischen Vierzylindermotor mit im Quadrat zueinander angeordneten Zylindern und bestückt mit zwei Kurbelwellen trug, der Londoner Ingenieur Edward Turner. So etwas hatte es zuvor in der Serie noch nie gegeben und wurde nach dem Ende der Square Four bis heute, wohl auch wegen der extrem hohen Produktionskosten, nicht wieder realisiert.
Es gab bis zum Bauende 1959 mehrere Generationen der Square Four, die sich vor allem in der Ventilsteuerung und der Hubraumgröße voneinander unterschieden
Die erste Generation mit 500 ccm Hubraum besaß eine über eine Kette angetriebene, oben liegende Nockenwelle, die die senkrecht und parallel platzierten Ventile über Kipphebel betätigte. Ausgestattet war das Modell mit einem separaten, handgeschalteten Burman-Vierganggetriebe samt Burman-Kupplung. Bei späteren Modellen konnte zwischen Hand,- oder Fußschaltung gewählt werden, bis man ganz zur Fußschaltung überging. Der Hubraum wuchs schnell auf 600 ccm und im Jahr 1936 dann auf 1000 ccm an. Diese Version leistete 40 PS bei 5600 U/min.
Die 1936 herausgebrachte 1000er Square Four (4G-1000) besaß eine veränderte Motorenarchitektur, denn man schwenkte von ohc zu ohv über
Zwar standen die vier Zylinder immer noch im Quadrat zueinander und die beiden Kurbelwellen liefen mit 180° Hubzapfenversatz. Es gab aber keine oben liegende Nockenwelle mehr. Stattdessen wurden die im Kopf hängenden Ventile über eine unten liegende Nockenwelle, Stoßstangen und Kipphebel gesteuert. Auch die Kurbelwellen mit Koppelung über Schrägverzahnung auf der zentralen Schwungmasse erfuhren eine Veränderung. Im nun vertikal geteilten Kurbelgehäuse liefen die beiden Kurbelwellen jetzt mit aufgeschraubter Schwungmasse und waren mit aufgeschraubten Stirnrädern gekoppelt. Diese Vereinfachung war nötig geworden, um die extrem teure Konstruktion etwas günstiger zu gestalten. Gleich nach dem Krieg erhielt die bis 1948 gebaute 4G-1000 eine Teleskopgabel mit hydraulischer Dämpfung. Die ungedämpfte Hinterradfederung blieb ihr allerdings erhalten.
Mit der von 1949 bis 1953 gebauten Mk I 1000 und der von 1953 bis 1959 angebotenen Mk II 1000 gingen weitere Veränderungen einher
Die Mk I erhielt nach einigen Klagen wegen der Überhitzung der hinteren Zylinder einen Zylinderkopf und Zylinderblock aus Leichtmetall. Dadurch verringerte sich auch das Gesamtgewicht um 15 kg. Außerdem ging man zur Batteriezündung über und setzte eine Gleichstromlichtmaschine ein. Bei der Mk II wurde der Zylinderkopf erneut überarbeitet. Als eine weitere Maßnahme gegen Überhitzung gab es nun vier Auspuffkrümmer, die auf beiden Seiten paarweise angeordnet waren und in ein gemeinsames Endrohr mündeten. Zudem wurde bei diesem Modell die Frischgasführung verbessert. Auch bei der Mk II, die in nur 8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigte und eine Höchstgeschwindigkeit von 164 km/h erreichte, war die enorme Elastizität und Laufruhe des Motors ein herausragendes Merkmal.
Die in 3828 Exemplaren gebaute Mk II war eine erstklassige Tourenmaschine und das letzte Square Four-Modell, denn 1959 schlug Ariel einen anderen Weg ein
Nachdem sich die Firmenpolitik geändert hatte, verabschiedete man sich bei Ariel von der teuren Square Four sowie generell vom Viertaktmotor und konzentrierte sich fortan auf Motorräder mit Zweitakttriebwerk. Und das, obwohl Edward Turner, der Konstrukteur der Square Four, in den 50er Jahren zum BSA-Konzernchef aufgestiegen war und damit auch Chef von Ariel wurde, denn Ariel zählte seit 1944 zum BSA-Konzern.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Vierzylindermotor, quadratische Zylinderanordnung, 2 Kurbelwellen
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 42 PS bei 5800 U/min
Verdichtung: 7,2:1
Höchstgeschwindigkeit: 164 km/h
Beschleunigung: 8 sec. Von 0 auf 100 km/h
Vorderradaufhängung: Telegabel
Hinterradaufhängung: Kurzhebelschwinge, ungedämpft
Getriebe: Vierganggetriebe, Burman
Bremsen: Vollnabentrommelbremsen
Radstand: 1422 mm
Gewicht: 197 kg
Bauzeit: Mark II 1953-1959
Preis: 336 Pfund