DKW - Tretauto (1955)


Tretautos für Kinder entstanden schon in der Frühzeit des Automobils

Die Idee dazu ist sogar noch weit älter, denn schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden für reiche Kinder kleine Kutschen gebaut, vor die dann Ziegen oder Hunde eingespannt wurden und mit denen die Kinder Ausfahrten durch den Schlosspark oder das Anwesen ihrer Eltern machten. Als dann die „pferdelose Kutsche“ immer populärer wurde, baute man auch diese im Kleinformat bestückt mit Pedalantrieb nach. Richtig Fahrt nahm die Produktion von Tretautos allerdings erst nach der Jahrhundertwende von 1900 auf. Damals waren diese mit Pedale zu betätigenden Gefährte hauptsächlich Luxusartikel und nur für Kinder sehr begüterter Eltern erreichbar. Manchmal gab der Käufer eines großen Automobils beim Hersteller ein kleines Modell mit Pedale für seine Kinder gleich mit in Auftrag. Erst in den 20er Jahren begannen auch Spielzeughersteller Tretautos in größerer Stückzahl zu produzieren. Vor allem in Frankreich und England gab es bald Tretautos von Fabrikanten wie Eureka, Corrado, Naether, Tri-ang oder den Lines-Brothers. Aus Italien gab es sie von Giordani und Rosca. In Deutschland kamen sie anfangs von Ferbedo und von der vor allem für seine Stofftiere bald berühmten Marke Steiff. Doch immer noch blieben Tretautos wegen ihres Preises eher ein Spielzeug für Kinder begüteter Eltern.

Bis die Spielzeughersteller das Terrain übernahmen, waren Tretautos fast immer in Handarbeit gefertigte Einzelstücke, die bei Handwerkern, Autobauern oder auch bei Fahrradproduzenten in Auftrag gegeben wurden

Anfangs bestand die Karosserie der Tretautos aus Holz, das an den Seiten tief ausgeschnitten war um den Einstieg zu erleichtern und die Türen einzusparen. Das Fahrgestell bestand meist aus Metall, wie auch die Speichenräder. Schon bald gab es auch Tretautos mit Blechkarosserien, die von der Jahrhundertwende bis in die 50er und sogar 60er Jahre hinein angeboten wurden. Kunststoff tauchte dann in den 60er Jahren immer häufiger auf und wurde vor allem in den 70er Jahren für den Bau von Tretautos bevorzugt.

Die ersten Tretautos waren meist noch keinem Vorbild detailgetreu nachempfunden

Einer bestimmten Marke ließen sich diese Miniaturfahrzeuge noch nicht zuordnen. Das kam erst etwas später. Als die Automobilhersteller nämlich erkannten, dass sich auf diese Weise schon bei den Kleinen eine Markenbindung hervorrufen ließ, wurden die Tretautos immer genauer gearbeitet und ließen ihr Vorbild deutlich erkennen. Wie die Autohersteller sich das vorstellten, zeigte allen voran André Citroen, der als einer der ersten großen Autohersteller Tretautomodelle anbot und sich wünschte, dass die ersten Worte eines Kindes „Mamma, Papa und Citroen“ wären. Dem Beispiel Citroens folgten bald unter anderem Renault, Bugatti, Austin, Wanderer, Jaguar und Bentley mit ihren Miniaturausgaben für Kinder.

Detailgetreu nachempfunden war auch das abgebildete Tretauto, das Heinrich Meltebrink in den 50er Jahren für seinen Sohn baute

Der gelernte Feinblechner, der bereits vor dem Krieg beim Osnabrücker Karosseriebauer Karmann beschäftigt war, arbeitete in den 50er Jahren bei Karmann auch an dem DKW Cabriolet, das der Firmenchef Wilhelm Karmann dann selbst als Privatfahrzeug nutzte. Von eben diesem Exemplar baute Heinrich Meltebrink eine ziemlich detailgetreue Miniaturausgabe als Tretauto. Damals wurden in der Versuchswerkstatt von Karmann die Bleche für die Karosserien nach den Vorlagen der Konstrukteure noch manuell in Form gebracht und zusammengesetzt. Im Prinzip auf dieselbe Weise entstand auch das DKW Tretauto. Heute steht sowohl der große DKW als auch seine Miniaturausgabe in Form des Meltebrinkschen Tretautos in trauter Einheit im Museum.

Fotos & Text: Marina Block

Bilder

Informationen:

MarkeDKW
ModelTretauto
Baujahr1955

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