Der Zeitungsmacher und Druckguss-Fabrikant Herbert H. Franklin aus Syracuse/New York gründete seine Automarke bereits in der Pionierzeit des Automobils. Existieren sollte die Luxuswagenmarke Franklin, die 1902 den ersten Serienwagen Amerikas mit ohv Vierzylindermotor heraus brachte, bis zur Weltwirtschaftskrise in den frühen 30er Jahren. Bekannt wurde sie nicht nur für ihre luftgekühlten Motoren, sondern auch für ihre vielen revolutionären Innovationen, die hohe Qualität, ihre Leichtbauweise und die enorme Wirtschaftlichkeit ihrer Modelle, die für die damalige Zeit sehr wenig Benzin verbrauchten. Wie viele andere Hersteller teurer Automobile besiegelte später die Weltwirtschaftskrise auch Franklins Schicksal. Das Unternehmen gab 1934 die Autoproduktion aus finanziellen Gründen auf und konzentrierte sich auf den Bau von Hubschraubermotoren
Für die technische Entwicklung der Franklin-Modelle war bis 1923 der Ingenieur und ehemalige Rennrad-Champion John Wilkinson verantwortlich. Seine Spezialität war neben der Leichtbauweise vor allem der luftgekühlte Viertaktmotor, der bereits 1902 im Zylinderkopf platzierte Ventile besaß. Wilkinson baute für Franklin nicht nur das erste Vierzylindermodell Amerikas, sondern auch 1905 den ersten luftgekühlten und mit einer automatischen Zündzeitpunktverstellung ausgestatteten Sechszylindermotor der USA. Aber damit nicht genug, von diesem Mann stammte noch viel mehr Interessantes, wie etwa der frühe Einsatz der Druckumlaufschmierung samt Ölpumpe, die Verwendung von Aluminiumkolben oder auch des elektrischen Chokes (1917). Vor allem aber war Franklin der Verfechter des luftgekühlten Motors. Wassergekühlte Autos hatten den großen Nachteil, dass man das Kühlwasser in Ermangelung eines Frostschutzmittels im Winter stets nach der Fahrt ablassen musste, was recht umständlich, aber in den vielen kalten Regionen der USA einfach eine Notwendigkeit war. Ebenfalls viel Wert legte man bei Franklin auf den Leichtwagenbau. Wilkinson versuchte die Franklin-Modelle so leicht wie nur möglich zu gestalten, um eine möglichst hohe Leistungsfähigkeit zu erreichen, was Franklins in vielen erfolgreich absolvierten Wettbewerben auch bewiesen. Erreicht wurde dies durch den Einsatz von viel Aluminium und biegsamem Schichtholz. Dieses dreilagige Eschenholz wurde auch für das Chassis verwendet, das nicht nur um 50 Prozent leichter als eines aus Stahl war, sondern sich sogar als widerstandsfähiger erwies. Um Gewicht einzusparen verwendete Wilkinson auch rohrförmige Vorderachsen und außerdem Karosserien aus Leichtmetall. So kam auch der Runabout von 1905 auf ein Gesamtgewicht von lediglich 500 kg.
Franklins waren in vieler Beziehung sehr unkonventionelle Autos
Da die Fahrzeuge luftgekühlte Motoren besaßen, erübrigte sich an ihnen natürlich ein Kühlergrill. Stattdessen besaßen die frühen Fahrzeuge, wie das abgebildete Modell E von 1905, einen gitterartigen großen Lufteinlass. Später konnte man sich aber auch bei Franklin dem Kühlergrill wegen des Corporate Designs nicht mehr entziehen und setzte Kühlergrillattrappen ein.
Der frühe Franklin besaß einen außergewöhnlichen Motor
Der luftgekühlte und 12 PS leistende Vierzylindermotor war quer eingebaut und auch in thermischer Hinsicht sehr gut durchdacht, denn ein großer Teil der heißen Abgase wurde durch einen zweiten Auspuff schon am unteren Totpunkt abgeführt. Die Technik war so gut, dass der Motor sogar ohne Gebläse auskam. Überhaupt war der Franklin so leistungsfähig, dass er die Rekordfahrt quer durch die USA in der Hälfte der Zeit zurücklegte als der Oldsmobile Curved Dash, der den Rekord zuvor hielt.
Bei Franklin legte man stets Wert auf Komfort und Qualität
Für die Fahrzeuge, die vor dem Verkauf auf Herz und Nieren getestet wurden, verwendete man nur beste Materialien. Auch Details waren sorgfältig gearbeitet und gut gemacht. Vom Model E entstanden ungefähr 1500 Exemplare.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Vierzylindermotor, luftgekühlt
Leistung: 12 PS bei 2800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
Vergaser: Franklin-Vergaser
Getriebe: Zweiganggetriebe
Antriebsart: Kettenantrieb der Hinterachse
Radaufhängung vorn: Starrachse, Vollelliptikfedern
Radaufhängung hinten: Starrachse, Vollelliptikfedern
Bremsen: auf Hinterräder, Bandbremsen
Karosserie: Runabout
Gewicht: 500 kg
Bauzeit: 1905-1906
Preis: 1400 $
Stückzahl: ca. 1500 Ex.