Gunske - Tretauto (1959)


Tretautos für Kinder haben eine lange Tradition, denn sie entstanden schon in der Frühzeit des Automobils

Die Idee dazu ist sogar noch weit älter, denn schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden für reiche Kinder kleine Kutschen gebaut, vor die dann Ziegen oder Hunde eingespannt wurden und mit denen die Kinder Ausfahrten durch den Schlosspark oder das Anwesen ihrer Eltern machten. Als dann die „pferdelose Kutsche“ immer populärer wurde, baute man auch diese im Kleinformat bestückt mit Pedalantrieb nach. Anfangs waren die erst mit Karosserien aus Holz und später aus Blech bestückten Tretautos in Handarbeit gefertigte Einzelstücke, bis die Spielzeughersteller in den 20er Jahren verstärkt das Terrain übernahmen und Tretautos in kleinen Serien bauten.

Die ersten Tretautos waren meist noch keinem Vorbild detailgetreu nachempfunden

Einer bestimmten Marke ließen sich diese ganz frühen Miniaturfahrzeuge oft noch nicht zuordnen. Das kam eigentlich erst später, vor allem als die Automobilhersteller erkannten, dass sich mit Tretautos prima bei den Kleinen eine Markenbindung aufbauen ließ. Natürlich musste das Vorbild und der Markenname dann auch deutlich erkennbar sein. Einer, der das früh erkannte, war André Citroen, der als einer der ersten großen Autohersteller Tretauto-Modelle anbot und sich wünschte, dass die ersten Worte eines Kindes „Mamma, Papa und Citroen“ wären. Dem Beispiel Citroens folgten bald auch andere Autoproduzenten.

Tretautos wurden in den 50er und auch 60er Jahren nicht nur zum Spielen verwendet

So baute etwa die Hamburger Firma Gunske im Auftrag des Ölmultis Shell Tretautos, die dann für den Verkehrsunterricht in Schulen eingesetzt wurden. Shell hatte dieses Unterrichtsprogramm initiiert und sponserte das Projekt. Für den Verkehrsunterricht wurden damals auf den Schulhöfen oder auf anderen, zuvor abgesperrten Plätzen die Fahrwege präpariert. Dann kam ein großer LKW von Shell, gefüllt mit vielen gelben Shell-Tretautos, mit deren Hilfe der Verkehrsunterricht durchgeführt wurde. So ganz uneigennützig war Shell natürlich nicht. Man agierte eher nach dem Motto: tue Gutes und rede darüber. Schließlich rückte der Konzern durch die gelben Tretautos mit Shell-Emblem bei den Kindern, denen der Unterricht auf diese Weise viel Spaß machte, in ein positives Licht und man blieb in guter Erinnerung. Dass das von Gunske für Shell gebaute Tretauto allerdings einen Porsche 356 zum Vorbild hatte, ist nur mit wirklich sehr viel Phantasie zu erkennen. Im allgemeinen nahm die detailgetreue Gestaltung der Tretautos nach ihrem großen Vorbild eigentlich erst in den 70er Jahren rapide ab.

Bilder

Informationen:

MarkeGunske
ModelTretauto
Baujahr1959

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