Schon seit 1920 montierte die englische Firma Crossley Fahrzeuge der amerikanischen Marke Willys-Overland in England. Dieser Kontakt führte auch zu einer Zusammenarbeit in Deutschland
In den 30er Jahren eröffneten die beiden Firmen zusammen ein Montagewerk in Berlin-Adlershof, wo sie den Austin Seven in Lizenz montierten. Da die Einfuhrzölle auf komplette Autos sehr hoch waren, war es durchaus üblich Einzelteile zu importieren und dann vor Ort zu montieren.
Der von Herbert Austin sozusagen in einem Handstreich auf dem Billiardtisch seines Privathauses in einer fast schon ausweglosen Situation seiner Firma entworfene und ab 1922 gebaute Austin Seven war ein derartig großer Erfolg, dass er weltweit von vielen Automobilproduzenten in Lizenz gebaut wurde. Er wurde einer der populärsten Kleinwagen seiner Zeit
So gab es etwa Lizenzproduktionen in Frankreich von Rosengart, in den USA von Bantam, in Japan von Nissan oder in Deutschland von Dixie. Als BMW dann Dixie übernahm, wurde der Dixie beziehungsweise der Austin Seven zur Grundlage für die BMW-Modelle DA1 bis DA4. Danach ging BMW zu Eigenentwicklungen über und hinterließ im Prinzip eine Marktlücke. In diese Lücke drangen Willys-Overland und Crossley mit ihrem Austin Seven Lizenzbau.
Schon sehr früh gab es von dem zuverlässigen und robusten Kleinwagen auch sportliche Versionen
Sportliche Aufbauten kamen anfangs vor allem von verschiedenen Karosseriefirmen, die das einfache Chassis des Austin Seven nutzten. Aber bald schon bot auch Austin selbst mit den Typen Ulster, Speedy und Nippy eigene zweisitzige und offene Sportversionen an. Sie unterschieden sich durch die Art ihrer Ausstattung, so besaß der Motor des Ulster einen Kompressor, der Speedy war mit einer Aluminiumkarosserie versehen und der Nippy verfügte über eine sportlich geformte Stahlkarosserie. Angeboten wurden auch die kleinen Roadster zu sehr moderaten Preisen, ein Nippy kostete damals durchaus erschwingliche 142 Pfund.
England gilt traditionell als Land der Roadster
In Großbritannien entstanden sehr viele Sportwagenmarken, die allesamt offene Zweisitzer im Programm hatten. Vor allem auch die kleinen Roadster (oft Westentaschen-Roadster genannt) waren sehr beliebt, da sie mit ihrem niedrigen Preis einen großen Kundenkreis ansprachen. Ein sehr großer Teil der Produktion an offenen Sportwagen ging in die USA, den großen Standardmarkt für alle offenen Sportwagen.
Der abgebildete Willys-Overland-Crossley ist ein Nippy
Die zweisitzige Stahlkarosserie mit ihrem runden Heck war auf einem A-förmigen Chassis aufgebaut. Vorn wie auch hinten gab es Starrachsen, vorn mit Querfeder und hinten mit Auslegefedern. Auch der seitengesteuerte, mit einer zweifach gelagerten Kurbelwelle ausgestattete und mit einer Thermosyphonkühlung arbeitende Vierzylinderreihenmotor war einfach aber robust. Er besaß einen Hubraum von 749 ccm, leistete 15 PS bei 3000 U/min und brachte den 470 kg leichten Zweisitzer auf eine Höchstgeschwindigkeit von circa 80 km/h. Auf Linkslenkung wurden die mit einem Dreiganggetriebe und einer mechanischen Vierradbremse bestückten Fahrzeuge in Berlin umgebaut.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: sv Reihenvierzylinder
Hubraum: 749 ccm
Leistung: 15 PS bei 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 80 km/h
Getriebe: Dreiganggetriebe
Karosserie: zweisitzige Stahlkarosserie
Vorderradaufhängung: starr, Querfeder
Hinterradaufhängung: starr, Auslegefedern
Bremsanlage: mechanische Vierradbremse
Radstand: 1905 mm
Länge: 2870 mm
Breite: 1588 mm
Gewicht: 470 kg
Bereifung: 4.00 x 19“:
Preis: 142 Pfund (Nippy)