Die nach dem zweiten Weltkrieg gemeinsam mit Fiat und Pirelli gegründete Automarke Autobianchi ging aus dem 1899 in Mailand gegründeten Automobilhersteller Bianchi hervor. Unter Verwendung der technischen Basis des Fiat 500 entstand ab 1957 bis 1969 der Kleinwagen Autobianchi Bianchina 500 mit luftgekühltem Heckmotor und Einzelradaufhängung rundum, der vor allem eine weibliche Kundschaft ansprechen sollte und dementsprechend beworben wurde
Das im Heck platzierte Reihenzweizylindertriebwerk mit 500 ccm Hubraum besaß anfangs 15 PS und später bis zu 22 PS Leistung bei 4500 U/min und erreichte im letzteren Fall eine Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h. Der technische Entwicklungsstand der Bianchina orientierte sich stets an den Neuerungen, die am kleinen, leichten und als „Volkswagen“ konzipierten Fiat Nuova 500 vorgenommen wurden.
Die Bianchina war ein nett gestaltetes Wägelchen mit selbsttragender 2+2 Pontonkarosserie, die ganz luxuriös mit Chromstreifen, pfostenlosen Kurbelfenstern, Weißwandreifen, Zweifarbenlackierung und für einen Kleinstwagen recht ansprechender Innenausstattung bestückt war
Ein hübsches zweisitziges Cabriolet und ein dreitüriger kleiner Kombiwagen mit vier Sitzplätzen, verkürztem Faltdach und großen Fensterflächen, die Autobianchi Panoramica gesellten sich 1960 zum Angebot hinzu. Ab 1964 wurde der kleine Kombi in Deutschland von NSU Fiat als Fiat Panorama angeboten. Warum er nicht, wie überall sonst, Panoramica hieß, erscheint etwas eigenartig. Vom Konzept her war die Panoramica ähnlich aufgebaut wie der Fiat Giardiniera und wurde ab 1965 auch zusammen mit diesem im Mailänder Autobianchi-Werk gebaut. In der Werbung hieß es, der kleine Kombi von Autobianchi sei ein Fiat 500 Giardiniera für Individualisten. Der Flachmotor der Panoramica ermöglichte einen flachen Laderaumboden. Dieses Konzept wurde bei Autobianchi somit früher eingeführt als bei Volkswagen.
Die Bianchina und auch ihre Kombi-Ausführung, die Panoramica waren von Anfang an ein voller Erfolg und verkauften sich in großen Stückzahlen
Dennoch wurde die Baureihe 1970 eingestellt, denn man hatte mit der wegweisenden Primula, deren technisches Konzept ( einem auf begrenztem Raum untergebrachten, quergestellten Vierzylinder-Frontmotor samt Kupplung, Getriebe und Vorderradantrieb) zum allgemeingültigen Prinzip im Automobilbau werden sollte, einem anderen Autobianchi den Vorzug gegeben. Zudem besaß die Primula eine Schrägheck-Karosserie mit großer Heckklappe und eine umlegbare hintere Sitzbank, so dass eine plane Ladefläche entstand. Dieses Prinzip, das Autobianchi begründete und das uns heute ganz geläufig ist, wurde zum Standard und später unter der Bezeichnung „Golfklasse“ bekannt.
Verantwortlich auch für dieses kleine Meisterwerk wie auch für die Autobianchi Panorama war Fiats genialer Chefkonstrukteur Dante Giacosa.
Ende der 70er Jahre wurde Autobianchi der Fiat-Marke Lancia angegliedert.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Reihenzweizylinder, im Heck, luftgekühlt
Hubraum: 499,5 ccm
Leistung: 17,5 PS bei 4500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 95 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe
Antriebsart: Heckantrieb
Vorderradaufhängung: Dreieckslenker, untere Querblattfeder
Hinterradaufhängung: Schräglenkerachse, Schraubenfedern
Bremsen: Trommelbremsen
Radstand: 1840 mm
Länge: 3226 mm
Breite: 1341 mm
Höhe: 1331 mm
Gewicht: 530 kg
Tankinhalt:22 l
Bauzeit: 1960-1969 (Panoramica)