Mit einem neuen Modell der unteren Mittelklasse im Design-Stil der „Neuen Sachlichkeit“ kam Fiat 1966 heraus und setzte damit neue Akzente
Der Typ 124 mit nüchtern-kantig geformter, viertüriger Limousinen-Karosserie war ein konventionell konstruiertes Fahrzeug mit vorn liegendem Reihenvierzylindermotor und Hinterradantrieb, das großen Erfolg hatte und in überarbeiteter Form fast ein Jahrzehnt auf dem Markt blieb. In Lizenz wurde er von etlichen Marken weltweit gebaut. Mit ihm, aus dem in der Sowjetunion dann der Lada entwickelt wurde, verhalf Fiat zudem der sowjetischen Autoindustrie auf die Beine. Im Gegenzug erhielt Fiat Stahl von den Sowjets, den Fiat auch für die im eigenen Land produzierten Fahrzeuge verwendete. Das war vielleicht ein Fehler, denn der recycelte Stahl stellte sich als überaus rostanfällig heraus.
Der streng geometrische, klar wirkende Karosserieaufbau mit großen Fensterflächen und hoher Übersichtlichkeit war auf Geräumigkeit ausgelegt und sollte außerdem besseren Unfallschutz bieten. Neu war an dem Fahrzeug neben dem Motor auch die nun mit Schraubenfedern kombinierte hintere Starrachse und die Scheibenbremsen an allen Rädern.
Als Imageträger folgte ein formvollendeter Spider und ein Jahr später das chice Sportcoupé mit Lampredis Vierzylinder-Doppelnocken-Triebwerk, das nicht nur bei Fiat lange Jahre, sondern in abgewandelter Form auch bei Alfa Romeo und Lancia Verwendung fand
Auf der Turiner Automobilaustellung von 1966 präsentierte Fiat einen aus der Limousine entwickelten 124 Spider mit eleganter Sportkarosserie aus dem Hause Pininfarina. Unter der Motorhaube des Spider arbeitete ein aus dem 124-Motorblock entwickeltes dohc Vierzylindertriebwerk. Bei ihm wurden die beiden obenliegenden Nockenwellen über Zahnriemen statt über Kette angetrieben, was völlig neuartig und natürlich auch kostengünstiger war. Nun konnte zum ersten Mal weltweit ein Hochleistungsmotor plötzlich relativ preiswert hergestellt werden. Die erste Marke, die einen Zahnriemen für den Nockenwellenantrieb verwendete, war zwar Glas aus Dingolfing, doch Fiat war der erste Hersteller, der dies an einem dohc-Hochleistungsmotor realisierte. Diesen vom ehemaligen Ferrari-Motorenkonstrukteur Aurelio Lampredi entwickelten Motor mit 90 PS besaß auch das 1967 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellte und im Fiat-Designzentrum (Centro Stile) vom Automobildesigner Mario Boano entworfene 124 Sportcoupé (viersitziges Stufenheckcoupé).
Zu dem Doppelnocken-Motor mit 1,4 l Hubraum gesellte sich ab 1969 auch eine Variante mit 1608 ccm Hubraum und 110 PS. Später wuchs der Hubraum auf 1800 ccm an. Einige Änderungen an der Karosserie wurden 1969 vorgenommen, als das Coupé Doppelscheinwerfer und geänderte Heckleuchten erhielt.
Das abgebildete Sportcoupé von 1970 ist ein ganz besonderes Exemplar, denn die Überlebensrate dieser Coupés war ziemlich rar
Die Rostanfälligkeit war damals bei Fiat,- und nicht nur dort,- ein großes Problem. Deshalb sind so gut erhaltene Stücke, wie unser Sportcoupé ziemlich selten. Den guten Zustand hat das Fahrzeug seinen Vorbesitzern zu verdanken, die nur bei gutem Wetter mit dem Fiat unterwegs waren und ihn auch sonst fachgerecht hegten und pflegten.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: dohc Reihenvierzylinder
Hubraum: 1438 ccm
B x H: 80 x 71,5 mm
Leistung: 90 PS bei 6500 U/min
max. Drehmoment: 108 Nm bei 3600 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 170 km/h
Vergaser: Weber Doppelvergaser 34 DFH
Getriebe: Fünfganggetriebe
Karosserie: selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Vorderradaufhängung: Querlenker, Schraubenfedern, Stabilisator
Hinterradaufhängung: Starrachse, Längslenker, Schraubenfedern, Panhardstab
Bremsen: Scheibenbremsen vorn und hinten
Radstand: 2420 mm
L x B x H: 4115 x 1670 x 1340 mm
Gewicht: 960 kg
Preis 1967: ca. 10000 DM
Bauzeit: 1967-1976