Der große VW Karmann-Ghia (Typ 34) wurde von 1961 bis 1969 parallel zu dem kleineren, auf VW Käfer-Plattform gebauten Karmann-Ghiamodell des Typs 14 angeboten. Der Typ 34 entstand auf dem Fahrgestell des größeren VW Typ 3 (1500/1600) und war 14 cm länger als sein kleiner Bruder. Gemeinsam besaßen sie die robuste Käfer-Mechanik mit luftgekühltem Vierzylinder-Boxermotor im Heck, Hinterradantrieb, unabhängiger Vorderradaufhängung an Kurbellenkern und anfangs hinterer Pendelachse (später Schräglenkerachse). Die Formgebung beider Modelle wurde vom Design-Studio Ghia in Turin entworfen. Gefertigt wurden sie beim Karosseriebauer Karmann in Osnabrück, auf dessen Eigeninitiative in den 50er Jahren die Verbindung zu Ghia entstand
Wer nun eigentlich der Urheber des ersten Karmann-Ghia-Designs von 1955 war, also des später so erfolgreichen Typ 14, ist eigentlich immer noch etwas umstritten, denn sowohl Luigi Segre als auch Mario Boano und Giovanni Savonuzzi reklamierten den „kleinen“ Karmann-Ghia für sich. In Wirklichkeit aber scheint Boano beim amerikanischen Designer Virgil Exner kräftig abgekupfert zu haben. Der Chrysler D'Elégance, den der damalige Chrysler-Chefstylist entworfen hatte und damals bei Ghia bauen ließ, besaß nämlich die stilistische Grundstruktur und sogar etliche Detaillösungen, die dann auch am Karmann-Ghia zu finden waren. Eindeutiger ist da schon der Ursprung des großen Karmann-Ghia. Denn ihn schuf unter der Ägide von Firmenchef Luigi Segre der Designer Sergio Sartorelli bei Ghia. Orientiert hatte aber auch er sich am amerikanischen Automobildesign, denn die Formgebung des großen Karmann-Ghia war deutlich von der Formgebung des Chevrolet Corvair beeinflusst. Herausgekommen war dabei jedenfalls ein elegantes, sportlich wirkendes und durch den Einsatz von viel Glasflächen auch übersichtliches 2+2-Coupé, das ausgeprägte Kanten, Falze und Rundungen geschickt miteinander kombinierte. Aber nicht nur bei Ghia, auch bei Karmann, wo das Modell gebaut wurde, tat sich noch ein wenig am Design, denn die Frontpartie wurde dort etwas verändert, weil es Probleme mit der Scheinwerferplatzierung gab. Hier entstanden auch einige Cabriolet-Prototypen vom großen Karmann-Ghia.
Gedacht war das preislich etwas höher angesetzte und in der Mittelklasse verortete Fahrzeug der VW-Riege damals vor allem für eine reichere, weibliche Kundschaft, deren Haushalt sich einen Zweitwagen leisten konnte.
Anfangs gab es den Typ 34 mit dem ohv Vierzylinder-Boxerheckmotor aus dem VW 1500. 1965 wurde er von einer größeren Version mit 1600 ccm Hubraum abgelöst, die 54 PS leistete und mit zwei Solex-Vergasern bestückt war. Mit der höheren Leistung ging auch die Einführung vorderer Scheibenbremsen einher
Gegen Ende der Produktionszeit wurde auch das Fahrwerk des Karmann-Ghia überarbeitet. So erhielt der Typ 34 1968 eine Schräglenker-Hinterachse statt der bisherigen Pendelachse, was seinen Fahreigenschaften zugute kam.
Das optionale Stahlschiebedach wurde ab 1962 elektrisch betätigt. Auf eine 12 V-Anlage wurde die Elektrik 1966 umgestellt. Ab demselben Jahr waren die Vordersitzlehnen mit einer Sperre ausgerüstet. Eine Dreigang-Automatik statt des Vierganggetriebes konnte ab 1967 geordert werden.
Trotz seiner modernen Formgebung und seines größeren Raumangebots erreichte der Typ 34 nie die Beliebtheit des „kleinen“ Karmann-Ghias
Die runderen Formen des bis 1974 gebauten Typ 14 sprachen die Kundschaft letztendlich mehr an als das außergewöhnlichere Styling des größeren Modells. Und so wurden von dem einen Modell über 440000 Exemplare verkauft und von dem großen Karmann-Ghia, dessen Produktion 1969 endete, lediglich 42505 Fahrzeuge.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter ohv Vierzylinder-Boxermotor, im Heck
Hubraum: 1584 ccm
B x H: 85,5 x 69 mm
Leistung: 54 PS bei 4000 U/min
max. Drehmoment: 110 Nm bei 2200 U/min
Verdichtung: 7,7:1
Vergaser: 2 Fallstromvergaser von Solex
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Antriebsart: Heckantrieb
Getriebe: Vierganggetriebe; ab 1967 auch Dreigang-Automatik
Rahmen: Zentralrohr-Plattformrahmen
Vorderradaufhängung: Kurbellenker oben und unten, zwei Torsionsstabfedern quer
Hinterradaufhängung: Pendelachse an Längslenkern,Torsionsstabfedern; ab 1968 Schräglenkerachse
Bremsen: Trommelbremsen; ab 1966 vorn Scheibenbremsen
Radstand: 2400 mm
L x B x H: 4280 mm x 1620 mm x 1335 mm
Gewicht: 910 kg
Verbrauch: ca. 9,7l/100 km
Bauzeit: 1961-1969; 1600 L: 1965-1969
Stückzahl: 42505 Ex.