Delaunay-Belleville - HB 6 (1911)


Die französische Automobilmarke Delaunay-Belleville zählte einst zu den wirklich großen Namen in der Automobilgeschichte und besaß bis 1914 sogar einen höheren Status als Isotta-Fraschini, Hispano-Suiza oder Rolls-Royce. Erst nach dem ersten Weltkrieg übernahmen letztere diese Rolle. Nicht nur der russische Zar Nikolaus II war damals von den Produkten aus Saint Denis an der Seine nahe Paris überzeugt, auch in die Fuhrparks anderer königlicher Häuser und Regierungen, wie derjenigen des französischen Präsidenten Raymond Poincaré oder von Alfonso XIII von Spanien hielten die qualitativ hochwertigen Fahrzeuge von Delaunay-Belleville bis zum ersten Weltkrieg Einzug

Luxus und höchste Qualität zeichneten die Fahrzeuge dieses bis 1950 existierenden Herstellers hauptsächlich in den ersten zehn Jahren seines Schaffens aus. Beeindruckend dank seiner präzisen Konstruktion und herausragenden Verarbeitung war gleich das erste Modell, das 1904 auf dem Pariser Salon ausgestellt wurde. Bekannt war Delaunay-Belleville aber schon lange zuvor für hochwertige Dampfkessel, die für Lokomotiven und Schiffe bestimmt waren. An diese Herkunft, auf die man stolz war, sollte bei den Fahrzeugen das runde, etwas tonnenförmige Kühlergrilldesign erinnern.

Anders als Rolls-Rocye oder andere Luxuswagenhersteller bot Delaunay-Belleville schon bald eine breite Modellpalette an

Seine gute Reputation baute sich das Unternehmen erst einmal mit Vierzylindermodellen auf. Allerdings konzentrierte man sich bereits ab 1908 auf Fahrzeuge mit laufruhigen Sechszylindertriebwerken. Gerade für diese besonders exklusiven Modelle, die mit den Aufbauten der besten Karossiers jener Zeit bestückt waren, interessierten sich die königlichen Häupter jener Zeit.

Urheber der überzeugenden Konstruktionen, die bis etwa 1914 von vielen für die damals besten Automobile der Welt gehalten wurden, war der Ingenieur Marius Jean-Baptiste Barbarou. Mit ihm zusammen gründeten Louis Delaunay-Belleville und seine Söhne Pierre und Robert 1903 die Société Anonymes des Automobiles Delaunay-Belleville

Der 1876 geborene Barbarou hatte zuvor für Benz gearbeitet, wo er mit nur 25 Jahren zum technischen Direktor aufgestiegen war. Davor sammelte er bei Panhard & Levassor und bei Clément-Bayard Erfahrungen und fuhr hinter dem Volant eines Clément auch Rennen. Für Delaunay-Belleville entwarf er als Chefkonstrukteur zehn Jahre lang Luxusfahrzeuge mit ausgesprochen vibrationsarmen Motoren, die die Marke berühmt machten. 1914 schied er aus dem Unternehmen aus und ging zu Lorraine-Dietrich, um dort vor allem Flugzeugmotoren zu bauen. Nach seinem Weggang verlor Delaunay-Belleville kontinuierlich seinen damals erlangten Stellenwert.

Neben der luxuriösen Ausstattung und der exzellenten Verarbeitung war auch der technische Komfort herausragend

So waren die mit sehr steifen, dreifach gelagerten Kurbelwellen versehenen Vier,- und Sechszylindermotoren (letztere besaßen L-Köpfe) nicht nur für ihre Vibrationsarmut bekannt, sondern sie arbeiteten auch schon sehr früh mit einer 1897 ursprünglich für Schiffsmotoren von Delaunay-Belleville patentierten Druckumlaufschmierung als andere noch mit der Tropfölschmierung vorlieb nehmen mussten. Interessant war auch, dass der Motor und das Getriebe von unten mit großen Platten, die Arbeitstüren enthielten, vor Straßenschmutz, Staub und Nässe geschützt wurden. Da es Anfang des 20. Jahrhunderts kaum irgendwo geteerte oder gepflasterte Straßen gab, war diese Maßnahme zwar teuer aber durchaus sinnvoll.

Unser mit einem luxuriösen Landaulet-Aufbau vom renommierten Karosserieschneider Rothschild aus Paris (1884 - 1930) bestücktes Modell HB, dessen Sechszylindertriebwerk einen Hubraum von 4426 ccm besaß, war bereits mit einer Kardanwelle ausgerüstet. 1911 hatte sich Delaunay-Belleville vom Kettenantrieb der Hinterräder generell verabschiedet. Wie damals meist üblich kamen Fahrwerk und Motor vom Automobilhersteller und die Aufbauten von den unzähligen darauf spezialisierten Karosseriehäusern. Auf Fahrgestellen von Delaunay-Belleville fanden sich vor dem ersten Weltkrieg Aufbauten so exklusiver Karossiers wie Labourdette, Rothschild, D'Ieteren, Million-Guiet oder auch Vanden Plas und Kellner.

Fotos & Text: Marina Block


Technische Daten

Motor: sv Sechszylinderreihenmotor mit L-Kopf, wassergekühlt

Hubraum: 4426 ccm

B x H: 85 mm x 130 mm

Leistung: 25 (Steuer)- PS bei 2200 U/min

Höchstgeschwindigkeit: ca. 110 km/h

Zündung: Hochspannungs-Magnetzündung

Vergaser: Delaunay-Belleville-Vergaser, eine Düse

Kupplung: Leder-Konuskupplung

Getriebe: Vierganggetriebe

Radaufhängung vorn: Starrachse, Halbelliptikfedern

Radaufhängung hinten: Starrachse, Halbelliptikfedern, Querblattfeder

Chassis: Leiterrahmen

Bremsen: Handbremse auf Hinterradbremstrommeln, Fußbremse als Getriebebremse

Karosserie: Reiselimousine

Radstand:3220 mm

Länge: ca. 4800 m

Gewicht: ca.2000 kg

Preis: Chassis 15000 Franc

Bauzeit: 1911-1914 (HB)



Bilder

Informationen:

MarkeDelaunay-Belleville
ModelHB 6
Baujahr1911

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