„Zwei Kilo Blech, ein Kilo Lack-fertig ist der Hanomag“-war eine landläufige Kurzfassung zur Charakteristik des von 1925 bis 1928 angebotenen Kleinwagen-Bestsellers. Seine einfache, aber durchaus effiziente Konstruktion mit 500er ohv Einzylinder-Heckmotor, unabhängiger Vorderradaufhängung und der weltweit ersten serienmäßigen Ponton-Karosserie war so kostengünstig, dass der Hanomag 2/10 PS, der wegen seiner Form (kastenartige Fahrerkabine) bei der Bevölkerung schlicht Kommissbrot hieß, kurzzeitig zum meistgebauten Auto Deutschlands avancierte. Auch war es eines der ersten Fahrzeuge, die hier auf dem Fließband entstanden
Hinter der Konstruktion dieses Hanomags standen der von NSU kommende Chefingenieur von Hanomag Fidelis Böhler und Karl Pollich (später Nachfolger von Böhler). Ihr Konzept war die Entwicklung eines einfachen und funktionalen Kleinwagens für die große Menge, wie es auch Henry Ford angestrebt (allerdings viel besser gemacht) hatte. Mit über 15000 verkauften Exemplaren kann das Kommissbrot durchaus als erster deutscher Volkswagen gelten. Allerdings wurde es zahlenmäßig bald vom Opel Laubfrosch und dem Dixi weit übertroffen.
Die Konstruktion enthielt einige moderne, zukunftsweisende Elemente und auch der Formgebung wurde eine Prägung durch den futuristisch-kantigen und funktionalen Stil des Bauhauses nachgesagt
Die zweisitzige Ponton-Karosserie ohne Kotflügel und Trittbretter und die kastenartige Fahrgastkabine hatten den Zweck, den Insassen möglichst viel Platz zu ermöglichen und sollte außerdem durch ihre einfache Form die Produktionskosten senken. Auch das Vorhandensein lediglich einer einzigen Tür zielte neben der besseren Festigkeit des Aufbaus in diese Richtung. Aufgebaut war die Karosserie auf einem kurzen Fahrgestell mit einem Radstand von nur 1920 mm. Der mit Frischölschmierung durch einen Boschöler arbeitende ohv-Einzylindermotor mit 500 ccm Hubraum lag wie ein Mittelmotor vor der Hinterachse. Die Vorderachse war durch zwei übereinander liegende Querblattfedern abgefedert. Die Kraftübertragung erfolgte auf die starre, differentiallose Hinterachse, auf die auch die Bremse wirkte.
Komfortabel zu fahren war das theoretisch 60 km/h-schnelle Kommissbrot allerdings nicht. Wegen seines kurzen Radstandes vollführte es gern eine Nickbewegung und ab 50 km/h vibrierte das Fahrzeug derart, dass es schon unangenehm wurde und man plötzlich das Schild im Innenraum ernst nahm, auf dem stand „Sie fahren auf eigene Gefahr und Verantwortung in diesem Wagen“. Auch das Anlassen gestaltete sich sehr mühsam über einen Hebel zwischen den Sitzen, mit dem man den Kolben durch ein vorsichtiges Herausziehen des Hebels dicht vor den Kompressionspunkt bringen musste. Erst die letzten Fahrzeuge bekamen dann eine Batteriezündung.
Interessante Details waren die herausziehbare Armaturenbrettbeleuchtung, die dann als Handlampe verwendet werden konnte, und der Scheibenwischer mit je einem Blatt für die Außen,- und Innenseite der Scheibe. Ungewöhnlich, aber kostensparend war auch der einzelne Frontscheinwerfer. Ab 1931 mussten Hanomag-Besitzer laut gesetzlicher Vorschrift Zusatzscheinwerfer anbringen.
Der abgebildete Hanomag zählt zur zweiten Serie des 2/10 PS, der bis 1928 angeboten wurde
Er befindet sich in einem außergewöhnlich guten Originalzustand, da er Ende der 20er Jahre weggestellt und erst in den 70er Jahren wieder entdeckt wurde.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Einzylinder-Heckmotor
Hubraum: 502 ccm
B x H: 80 x 100 mm
Verdichtung: 6:1
Leistung: 10 PS bei 2500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 60 km/h
Getriebe: Dreiganggetriebe, Handschalthebel
Radaufhängung vorn: Vorderachse an zwei übereinander liegenden Querblattfedern
Radaufhängung hinten: Starrachse
Bremsen: eine Bremstrommel auf Hinterachse
Karosserie: zweisitzige Limousine; das Modell gab es auch als Cabriolet, Roadster und als Taxi
Radstand: 1920 mm
L x B x H: 2780 x 1180 x 1600 mm
Spur vorn: 1040 mm
Spur hinten: 910 mm
Reifen: 3,5 x 27“
Gewicht: 370 kg
Preis: ca. 2000 RM
Bauzeit: 1925-1928
Stückzahl: ca. 15700 Ex.