Die Motorräder der NSU OSL-Baureihe aus den 30er Jahren waren schnittige Sportmodelle mit stehendem Einzylinder-Stoßstangenmotor, die dank ihres verchromten Führungsrohrs für die Stoßstangen und den offen liegenden Ventilfedern den Rennmaschinen mit Königswellenmotoren verblüffend ähnlich sahen
Von ihrer Konstruktion her waren die Rennmaschinen wie auch die Sportmodelle von der englischen Schule inspiriert, schließlich hatte sie der ehemalige Norton-Konstrukteur Walter William Moore entworfen. Besonders sportliche Motorräder kamen in den 20er Jahren vor allem aus England. Deshalb wurden englische Konstrukteure damals gerne von anderen europäischen Motorradherstellern abgeworben. Moore kam 1929 zu NSU und entwarf hier die neue Modell-Palette von der 500er Königswellen-Rennmaschine, der man die Ähnlichkeit mit der Norton CS 1 (auch ein Moore-Produkt) ansah, bis hin zur kleinen 200er OSL. Das Kürzel stand übrigens für obengesteuert, Sport und Luxus. Das D im NSU-Emblem verwies damals auf die 1932 unter Führung von NSU gegründete Fabrikationsgemeinschaft mit D-Rad (Deutsche Industrie-Werke AG in Berlin).
In Zeiten der Weltwirtschaftskrise war natürlich vor allem ein kleines Modell, das sich viele Leute leisten konnten, für die Firma überlebenswichtig. Außerdem war die 200er-Klasse damals sehr populär, weil man für sie weder einen Führerschein benötigte noch Steuern zahlen musste
Wie bei den größeren Modellen legte Moore auch bei der von 1933 bis 1938 angebotenen 201 OSL besonders viel Wert auf eine exzellente Schmierung des Motors. So war auch dieses Modell mit einer Trockensumpf-Umlaufschmierung samt Zahnradpumpe ausgestattet. Der Luxus der kleinen OSL,- es gab auch eine größere Schwester mit 250 ccm Hubraum-, manifestierte sich im Vorhandensein eines Primärkettenkastens aus gegossenem Leichtmetall, verchromten Tankseitenflächen und einem Fischschwanz-Schalldämpfer. Ausgestattet war sie mit einer im Ölbad arbeitenden Mehrscheibenkupplung und einem Dreiganggetriebe, das über eine Kulissenschaltung rechts am Tank betätigt wurde. Ein Vierganggetriebe, handgeschaltet oder als Option auch fußgeschaltet, gab es erst 1936.
Als die Führerscheinfreiheit 1938 aufgehoben wurde, endete auch bald die Produktion der 201 OSL. Die 251 OSL hingegen, die damals das meistverkaufte Viertakt-Modell im NSU-Programm war, überlebte den Krieg und wurde von 1947 bis 1952 in modifizierter Form weiter gebaut.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Einzylindermotor, luftgekühlt
Hubraum: 198 ccm
B x H: 58 x 75 mm
Verdichtung: 7:1
Leistung: 8,5 PS bei 5000 U/min
Vergaser: Amal-Schiebervergaser
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
Schmierung: Trockensumpfschmierung mit Zahnradpumpe
Getriebe: Dreiganggetriebe, Tankschaltung
Kupplung: Mehrscheiben-Nasskupplung
Rahmen: offener Stahlrohrrahmen
Vorderradaufhängung: Trapezgabel
Hinterradaufhängung: starr
Bremsen: 140 mm-Trommelbremsen
Gewicht: 120 kg
Radstand: 1285 mm
Länge: 2000 mm
Verbrauch: 3 l auf 100 km
Reifen: 3.00-19
Preis: 745 RM
Stückzahl: 18111 Ex.
Bauzeit: 1933-1938