Der traditionsreiche Motorrad,- und Automobilhersteller NSU, der in den 50er Jahren mit seinen Rennföxen und Rennmäxen enorme Erfolge im Motorrad-Rennsport feierte und zu dieser Zeit auch der größte Motorradhersteller der Welt war, brachte 1955 mit der Superfox den Nachfolger der ungemein beliebten und bei ihrem Debut fast schon revolutionären NSU Fox auf den Markt. Die Superfox sollte die Lücke zwischen dem kleinsten Viertaktmodell und der größeren Max schließen
Ursprünglich wollte man das neue Modell mit ohc Schubstangenmotor eigentlich Mini-Max nennen. Da aber ein Feuerlöscher schon so hieß, entschied man sich für „Superfox“, auch weil damals für die meisten Leute die in großen Stückzahlen gebaute ohv Fox schlichtweg ein Synonym für NSU war.
Die Konstruktion der Superfox hatte einiges mit der Max gemeinsam und anderes mit der Fox. Dennoch war sie eine völlig eigenständige Entwicklung
Wie die NSU Max besaß auch die Superfox einen ohc-Einzylindermotor, dessen oben liegende Nockenwelle mit Exzenter betätigt wurde, ein Prinzip, das auch W.O. Bentley für seine Sportwagen verwendet hatte. Allerdings lagen Primärtrieb und Kupplung bei der Superfox nicht links, wie bei der Max, sondern auf der rechten Seite. Dort war auch der Auspuff zu finden. Der Kettenkasten mit dem Hinterradantrieb lag auf der linken Seite. Über eine Trockensumpfschmierung samt reichhaltiger Ölmenge und Feinstölfilter im Öltank verfügte auch die Superfox.
Ebenso besaß sie das NSU-typische Vollschwingenfahrwerk mit Blechpreßrahmen, vorn einer Blechpreßgabel mit Kurzschwinge und hinten einer Cantilever-Schwinge (Zentralfederung). Bei der Superfox wurde die Zentralfederung weicher ausgelegt als bei der Max. So führte der längere Federweg an der Hinterradachse zu mehr Fahrkomfort.
Die Superfox kam zu einer Zeit, als der Motorradmarkt heftig in den Sinkflug geriet
Ausgelöst wurde das durch den wachsenden Wohlstand der Wirtschaftswunderzeit und die damit einher gehenden wachsenden Ansprüche. Die meisten wollten ein Auto und empfanden das Motorrad immer deutlicher als ein unzureichendes Verkehrsmittel. Mit der handlichen, wendigen und flinken Superfox versuchte NSU zwar den Spaß am Motorradfahren werbewirksam herauszustellen, denn man hatte erkannt, dass hier die Zukunft des Motorrads lag. Bis sich allerdings ein Trend zum Freizeitmotorrad abzeichnen würde, sollten noch etliche Jahre vergehen. Für die Superfox war das zu spät und so wurde sie nach nur drei Jahren Bauzeit und 15530 Exemplaren eingestellt. Ihre Nachfolge trat die etwas größere Maxi an.
Das abgebildete Exemplar hat eine besonders außergewöhnliche Geschichte
Hubert Pietsch, der an der Tankstelle Hoyel ein Zweiradgeschäft betrieb und später das Autohaus Pietsch in Melle gründete, hatte in den 50er Jahren die NSU-Vertretung für die Gegend übernommen und unter anderem eine Superfox mit zwei ersten kostenlosen Inspektionen (500 km und 1000 km) verkauft. Als der Besitzer sie wegen Krankheit nicht mehr fahren konnte, kaufte sie Hubert Pietsch zurück und reihte sie in seine NSU-Sammlung ein. Dann übernahm sie sein Sohn Günter, bei dem sie 30 Jahre blieb. Vor einigen Jahren ging sie dann für einen sehr geringen Preis als kleines Dankeschön für dessen großes Engagement im Automuseum Melle an ihren heutigen Besitzer. Diesem fiel bei der Durchsicht der Unterlagen eine Garantiekarte für eine kostenfreie erste und zweite Inspektion ins Auge. Die erforderliche Kilometerleistung von 500 und gar 1000 km hatte die Superfox mit ihren 280 gelaufenen Kilometern ja noch lange nicht erreicht. Allerdings dachte sich der neue Besitzer vorerst nichts dabei, bis ihm auffiel, dass gar kein Verfallsdatum auf der Garantiekarte vermerkt war, sie also wohl noch ihre Gültigkeit besaß. Unter großem Gelächter aller Beteiligten bekam die Superfox dann wirklich die vor über fünfzig Jahren versprochene Inspektion im Autohaus Pietsch.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohc Einzylindermotor, obenliegende Nockenwelle, Antrieb über Exzenter
Hubraum: 123 ccm
B x H: 52 x 58 mm
Verdichtung: 8,5:1
Leistung: 8,8 PS bei 6500 U/min
Vergaser: Bingvergaser
Höchstgeschwindigkeit: 95 km/h
Zündung: Schwunglichtmagnetzünder von Bosch oder Noris
Getriebe: Vierganggetriebe, fußgeschaltet
Kupplung: Mehrscheiben-Trockenkupplung
Rahmen: Zentral-Presstahlrahmen
Vorderradaufhängung: Pressstahlgabel mit geschobener Kurzschwinge
Hinterradaufhängung: Schwinge
Bremsen: 140 mm Vollnabentrommelbremsen
Radstand: 1285 mm
Länge: 1987 mm
Reifen: 2.75-19“
Gewicht: 116 kg
Tankinhalt: 10,8 l
Verbrauch: 2,7 l auf 100 km
Preis: 1420 DM-1955
Bauzeit: 1955-1957
Stückzahl: 15530 Ex.