Nachdem Henry Ford mit dem Modell T, der Tin Lizzie den Weltmarkt erobert hatte, zeichnete sich in der zweiten Hälfte der 20er Jahre ein Einbruch in der Verkaufsstatistik ab. Mittlerweile war das Angebot erschwinglicher Automobile größer geworden und etliche Käufer sahen sich nach moderneren Fahrzeugen um. Ford, der sich anfangs weigerte, weil er das Modell T für das beste Auto der Welt hielt, musste dringend mit einem neuen Modell gegensteuern und tat es 1928 mit dem Modell A
Mittlerweile hatte Ford seine dominante Stellung auf dem amerikanischen Automobilmarkt an Chevrolet verloren und musste sein starres Festhalten an der Tin Lizzie aufgeben. Allerdings waren die Fertigungsanlagen im Detroiter Ford-Werk, das nach damals modernsten Standards arbeitete, dermaßen stark auf die Produktion des Modell T spezialisiert, dass man für die Entwicklung und Umstellung auf ein neues Modell das Werk für ein ¾ Jahr komplett schließen musste. Wegen der doch sehr kurzen Entwicklungszeit hatte man kaum Zeit alles durch zu testen und konzentrierte sich deshalb auf Zuverlässigkeit und Sicherheit.
Der Ford A war eine Meisterleistung und galt als zuverlässiger und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auch als sehr schneller Gebrauchswagen
Das recht moderne und für die damalige Zeit sehr sichere Fahrzeug besaß nicht nur gute Bremsen, sondern auch ein Sicherheitszündschloß mit Panzerkabel zum Zündverteiler und später als erstes Großserienauto der Welt eine Frontscheibe aus Sicherheitsglas. Darauf hatte Henry Ford bestanden, nachdem er bei einer Probefahrt einen Unfall hatte. Ausgerüstet war der preiswerte Wagen mit Houdaille-Stoßdämpfern, was in der Preisklasse damals einzigartig war. Später bestanden auch fast alle Blankteile aus rostfreiem Stahl und die Speichen der Räder waren verschweißt, so dass sie sich nicht verstellen konnten.
Alles war einfach und gut konstruiert
So ließen sich Zündunterbrecher und Verteiler von Hand mit zwei Klemmfedern demontieren. Statt der Zündkabel gab es einfache Blechstreifen und ein Korkschwimmer zeigte den Benzinstand direkt an. Als Hupe diente ein Klaxon, bei dem eine Membran durch ein Zahnscheibe in Vibration versetzt wurde. Die Ventile des seitengesteuerten und 40 PS bei 2200 U/min leistenden Reihenvierzylindertriebwerks mit 3,2 l Hubraum waren nicht einstellbar. Das pilzförmige Ende des Ventilschaftes machte dies unnötig. Durch eine Zugstange konnte vom Fahrersitz aus sowohl die Starterklappe gezogen als auch das Gemisch stufenlos verändert werden. Und der Anlasser wurde per Fußpedal direkt ohne Zwischenschaltung eines Relais betätigt.
Manches am Ford A war geschickter gelöst als heutzutage
Das betraf zum Beispiel die Lüftung durch eine ausstellbare Frontscheibe. Eine raffinierte Luftführung zum Fußraum sorgte für eine wirksamere und zugfreiere Lüftung als es später manch eine moderne Lüftungsanlage mit Düsen im Armaturenbrett zu Wege brachte. Senkrecht stehende, kleine Scheiben, ein gut isoliertes Dach, eine Sonnenblende und der Einsatz von Naturmaterialien im Innenraum verhinderten ein starkes Aufheizen. Vorteilhaft war auch die Existenz einer Handkurbel, um selbst mit leerer Batterie starten zu können.
Der Ford A entstand von 1927 bis 1932 in gut 4,8 Millionen Exemplaren, von denen dank der soliden Bauweise noch relativ viele erhalten sind. Auch in Deutschland war das Modell sehr beliebt und wurde im Berliner Montagewerk von Ford zusammengebaut. Das Tochterwerk in Köln wurde erst 1931 in Betrieb genommen
Gebaut wurde das Modell A übrigens in Lizenz auch in der Sowjetunion unter dem Namen GAZ A. Der abgebildete, wahrscheinlich in Kopenhagen montierte Ford A, der bis 1960 in Dänemark als Taxi eingesetzt wurde, besitzt ein Chassis von 1931 und eine Briggs-Karosserie von 1930. Das war damals nicht ungewöhnlich, da in Montagebetrieben die Karosserien nach Bedarf aufgebraucht wurden. Von Briggs oder von Murray stammten damals übrigens alle viertürigen Aufbauten des Ford A.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Vierzylinderreihenmotor, sv
Hubraum: 3285 ccm
B x H: 98,4 x 108 mm
Leistung: 40 PS bei 2200 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Vergaser: Ford-Flachstromvergaser
Getriebe: Dreiganggetriebe
Kupplung: Einscheiben-Trockenkupplung
Radaufhängung vorn: Starrachse, Querblattfedern
Radaufhängung hinten: Starrachse, Querblattfedern
Bremsen: mechanische Trommelbremsen
Karosserie: Limousine
Radstand: 2629 mm
L x B x H: 3875 x 1710 x 1780 mm
Preis: ca. 4600 RM
Bauzeit: 1927-1932
Stückzahl: 4849340 Ex.