Hercules - E1 (1974)

 


In Zeiten der Ölkrise Anfang der 70er Jahre machten sich einige Zweiradhersteller Gedanken über alternative Antriebsformen für ihre kleinen Modelle

Als erster Hersteller bot Solo (Solo Kleinmotoren aus Sindelfingen) mit der Solo Electra ein Mofa mit E-Motor an, dicht gefolgt von Hercules aus Nürnberg, der 1973 mit dem Mofa-Modell E1 heraus kam.

Der Elektroantrieb hatte bei Hercules eigentlich schon Tradition

Das zu den Pionieren im Zweiradbau zählende Unternehmen konstruierte bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert einen Personenwagen und sogar LKWs mit Elektromotor. Carl Marschütz hatte seine Velozipedfabrik 1886 in Nürnberg gegründet und baute mit seinem Bruder Heinrich erst Fahrräder und um 1898 herum für einige Zeit besagte Fahrzeuge mit Elektromotoren. Anfang des neuen Jahrhunderts konzentrierte man sich dann zwar auf die Fahrrad,- und Motorradproduktion, baute in kleinen Stückzahlen zwischen 1906 und 1926 aber immer noch vierrädrige Nutzfahrzeuge und in den 30er Jahren auch ein Dreirad. Als Fichtel & Sachs seine ersten Einbaumotoren herausbrachte, bestückten auch die Marschütz-Brüder ihre Hercules-Fahrräder mit diesen Motoren. Auch leichte Motorräder mit Einbaumotoren folgten bald.

Mit dem Elektroantrieb für kleine Stadtfahrzeuge hatte Hercules damals im Prinzip eine wegweisende Idee, setzte sie jedoch nicht gut um

Das rollerartige Elektro-Mofa E1, das bei Hercules von 1973 bis 1977 im Programm stand, erreichte mit mehreren tausend produzierten Exemplaren keine nennenswerten Stückzahlen. Die Begeisterung der Jugendlichen für ein Mofa mit Elektroantrieb hielt sich damals arg in Grenzen. Schuld am Desinteresse war sicherlich die mangelnde Reichweite, die je nach Gelände und Fahrweise nur unter Mühe 20 km betrug. Dann musste aufgeladen werden und das kostete Zeit. Eine Tankstelle war da mit einem „normalen“ Mofa einfacher zu erreichen. Außerdem kam das Design beim jungen und doch ziemlich modebewußten Publikum so gar nicht an, trotz damals trendiger oranger Farbgebung.

Angetrieben wurde das rollerartige und ziemlich schwere (80 kg inklusiv Batteriegewicht) Gefährt mit freiem Durchstieg, tiefem Schwerpunkt und kleinen 9“- Rädern von einem 24 V-Gleichstrommotor. Zwei hintereinander geschaltete 12 V-Batterien lieferten die Energie. Mit Hilfe einer Fliehkraftkupplung wurde die Kraft über einen Keilriemen an eine Zwischenwelle weiter geleitet und dann über eine Kette ans Hinterrad übertragen. Allerdings konnte man die Geschwindigkeit des Fahrzeugs nicht regulieren, sondern nur den Motor an oder ausschalten, was sehr unpraktikabel war. Es gab auch einen separaten Tretkurbelantrieb mit Freilauf, allerdings waren die Pedale sehr ungünstig positioniert.

Alles in allem war Hercules „Antwort“ auf die Ölkrise schlecht gemacht und nicht erfolgreich. Heute wird sie jedoch als eine Art Vorreiter moderner Elektro-Roller gehandelt.

Fotos & Text: Marina Block


Technische Daten

Motor: 850 W Elektromotor; Bosch GPA

Batterie: zwei 12 V-Batterien

Leistung: ca. 1,2 PS bei 3000 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h

Rahmen: Stahlrohrrahmen

Vorderradaufhängung: Telegabel

Hinterradaufhängung: Schwinge mit Federbeinen

Bremsen: Trommelbremsen

Räder: 2.50 - 9“

Gewicht: ca. 80 kg ( inklusiv Batterien)

Bauzeit: 1973-1977

 

Bilder

Informationen:

MarkeHercules
ModelE1
Baujahr1974

Weitere Fahrzeuge