Kreidler - Florett RMC Elektronik (1979)

Die von 1956 bis 1981 in verschiedenen Ausführungen als Mokick, Moped und als Kleinkraftrad gebaute Kreidler Florett aus Stuttgart- Kornwestheim war weltweit ein großer Erfolg und symbolisierte wie kaum ein anderes Zweirad das Lebensgefühl der Jugend jener Zeit.

Auch im Sport machte die Kreidler in der „Schnapsglas-Klasse“, wie die Klasse der Zweiräder mit 50 ccm Hubraum gerne landläufig genannt wurde, eine ausgezeichnete Figur und holte viele Weltmeistertitel. Außerdem war Kreidler die erste deutsche Firma, die mit der Florett die Möglichkeiten des Kleinkraftrad-Konzepts der Führerscheinklasse 4 ausschöpfte und ein echtes 50 ccm-Motorrad auf den Markt brachte.

Ihre große Beliebtheit bei der jungen Kundschaft hatte sie sicher ihrem sportlichen Image, aber auch ihrer nachweislichen Leistungsfähigkeit und Zuverläßigkeit zu verdanken. Vor allem als Mokick, also ohne Pedale und mit Kickstarter, und als Kleinkraftrad mit den gesetzlich erlaubten 6,25 PS war die Florett ein Renner, denn sie machte etwas her und wirkte wirklich wie ein echtes kleines Motorrad. In ihrer langen Bauzeit wurden die Kreidler Floretts stetig weiterentwickelt. Vor allem optisch passte man sie dem Geschmack ihrer Zeit an und auch technisch brachte man sie immer auf den neuesten Stand. Der robuste Motor der agilen Florett mit im Gesenk geschmiedeter Kurbelwelle und nadelgelagertem Pleuel (ab 1965) zeichnete sich durch einen geschmeidigen Lauf aus, drehte hoch und zog auch schon aus niedriger Drehzahl kräftig an. Eine besonders große Anziehungskraft übte auf das junge Publikum das 1967 herausgebrachte und besonders sportlich gestaltete Kleinkraftrad Florett RS mit klauengeschaltetem Fünfganggetriebe aus.

Die Technik der auch in anderen Ländern sehr gefragten Florett war ausgefeilt, zuverlässig und sporterprobt. Die wichtigsten Merkmale waren ein aus zwei verschweißten Blechhälften bestehender und von Chefkonstrukteur Johann Hilber entwickelter Pressstahlrahmen und der liegende und bis 1967 ausschließlich gebläsegekühlte, schlitzgesteuerte Einzylinderzweitaktmotor mit 50 ccm Hubraum. Auch das Klauenschaltgetriebe (je nach Modell mit drei, vier oder fünf Gängen, anfangs hand,- oder fußgeschaltet, später nur mit Fußschaltung) war in dieser Klasse etwas Besonderes

Mit der 6,25 PS leistenden Florett RS wurde ab 1967 ein fahrtwindgekühlter Motor eingesetzt. Getan hat man dies, um weniger Leistung durch ein Gebläse zu verlieren. Dafür hatte man aber in Kauf genommen mit dem fahrtwindgekühlten Motor in sehr bergiger Gegend Überhitzungsprobleme zu bekommen. Andere Modelle behielten den gebläsegekühlten Motor. Auch bei den 2,9 PS leistenden Mokick-Versionen gab es diese Aufteilung. So besaß etwa die abgebildete Florett RMC Elektronik einen fahrtwindgekühlten Motor, wohingegen das zur selben Zeit erhältliche Mokick-Modell Florett LF-F gebläsegekühlt war. Außerdem verfügte die RMC Elektronik über ein Cockpit mit zwei Rundinstrumente( Tacho und Drehzahlmesser) und Zündschloß, über eine elektronisch geregelte Vierfach-Blinkanlage, über Alu-Gußspeichenräder und ab 1979 über eine hydraulisch betätigte Scheibenbremse im Vorderrad.

Das sportliche Image der Floretts wurde nicht nur in der Werbung gepflegt. Auch im Rennsport in der Schnapsglas-Klasse machte die Florett, auf deren Basis schon ab 1961 Rennmaschinen entstanden, eine blendende Figur

So brach eine Kreidler Florett 1965 nicht nur den Schnelligkeitsweltrekord in ihrer Klasse, sondern es gingen auch viele Weltmeisterschaftstitel auf ihr Konto. Mit ihr siegten in der 50 ccm-Klasse in den 70er Jahren die Niederländern Jan de Vries und Henk van Kessel, sowie der Italiener Eugenio Lazzarini und noch einige andere. Auch im privaten Bereich wurde die Florett gerne getunt, zumal es sogar komplette Tuningsätze für sie gab. Für Rennsportenthusiasten bot sogar Kreidler selbst einen Rennsatz für die Florett RS an.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten

Motor: fahrtwindgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor mit Leichtmetallzylinder, hartverchromt

Hubraum: 49,9 ccm

B x H: 40 mm x 39,5 mm

Verdichtung: 8,5:1

Leistung: 2,9 PS bei 5250 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h

Vergaser: Bing-Vergaser

Zündung: Bosch Schwunglichmagnetzünder, 6V 19/5-10 W, Ladeeinheit ULO mit NC-Akku

Getriebe: Vierganggetriebe, fußgeschaltet

Kupplung: Lamellenkupplung im Ölbad

Rahmen: Pressstahlrahmen

Vorderradaufhängung: Telegabel

Hinterradaufhängung: Schwinge

Bremsen: vorn hydraulisch betätigte Scheibenbremse, hinten Leichtmetall-Vollnabenbremse 120 mm

Tankinhalt: 13,2 l

Gewicht: 80 kg

Radstand: 1215 mm

Länge: 1920 mm

Farbe: golfgrün/Chrom; rot-orange/Chrom

Preis: 3050 DM (1979)



Bilder

Informationen:

MarkeKreidler
ModelFlorett RMC Elektronik
Baujahr1979

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