Mit der Kreidler Florett brachten die 1889 gegründeten Stuttgarter (Kornwestheim) Metall,- und Drahtwerke von Anton Kreidler 1957 einen echten Überflieger in der „Schnapsglas-Klasse“, wie die Klasse der Zweiräder mit 50 ccm Hubraum gerne landläufig genannt wurde, heraus
Antons Sohn Alfred, ein begeisterter Fan leichter Motorräder, forcierte in der Nachkriegszeit erst einmal den Bau eines Mopedmodells, der K50 mit Pedale. Daraus entwickelte sich 1954 die K51, ebenfalls ein Moped (der Begriff setzt sich aus Motor und Pedale zusammen). Als die erste Kreidler Florett 1956 auf der IFMA in Frankfurt vorgestellt wurde, hob sie sich gleich von ihrer Konkurrenz ab, denn die Florett war ein Kleinkraftrad ohne Pedale und mit Kickstarter. Sie war kein auf 40 km/h begrenztes Motorfahrrad mit Pedale sondern ein echtes kleines Motorrad ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Die junge Kundschaft war natürlich begeistert von der Florett, zumal Kreidler als einer der ersten Zweiradproduzenten diesen Markt eroberte.
Die Technik der weltweit sehr erfolgreich verkauften Florett war ausgefeilt, sehr zuverlässig und sporterprobt. Die wichtigsten Merkmale waren ein aus zwei verschweißten Blechhälften bestehender und von Chefkonstrukteur Johann Hilber entwickelter Schalenrahmen und der liegende und bis 1967 ausschließlich gebläsegekühlte und schlitzgesteuerte Einzylinderzweitaktmotor mit 50 ccm Hubraum. Ab 1967 variierte die Kühlungsform bei den 6,25 PS-starken Kleinkrafträdern und den 2,9 PS leistenden Mokicks. Manche besaßen den fahrtwindgekühlten Motor, andere blieben gebläsegekühlt, wie das abgebildete Mokick. Gerade diese gebläsegekühlten Kreidler-Motoren hatten den Ruf, nahezu unverwüstlich zu sein
In ihrer langen Bauzeit von 1956 bis 1981 wurden die Kreidler Floretts, die es im Laufe der Zeit in verschiedensten Ausführungen als Mokick, als Moped und als Kleinkraftrad gab, stetig weiterentwickelt. Vor allem optisch wurden sie dem Geschmack ihrer Zeit angepasst, aber auch technisch brachte man sie immer auf den neuesten Stand. Der robuste Motor der agilen Florett mit im Gesenk geschmiedeter Kurbelwelle und nadelgelagertem Pleuel (ab 1965) zeichnete sich durch einen geschmeidigen Lauf aus, drehte hoch und zog auch schon aus niedriger Drehzahl kräftig an. Eine besonders große Anziehungskraft übte auf das junge Publikum das 1968 herausgebrachte und besonders sportlich gestaltete Kleinkraftrad Florett RS aus.
Das sportliche Image der Floretts wurde nicht nur in der Werbung gepflegt. Auch im Rennsport in der Schnapsglas-Klasse machte die Florett, auf deren Basis schon ab 1961 Rennmaschinen entstanden, eine blendende Figur
So holte Hans-Georg Anscheidt 1961 den Europatitel auf der Kreidler Florett in der 50 ccm-Klasse. Viele Weltmeistertitel sollten in den 70er Jahren mit den Niederländern Jan de Vries und Henk van Kessel, sowie dem Italiener Eugenio Lazzarini und andern folgen. Auch im privaten Bereich wurde die Florett gerne getunt, zumal es sogar komplette Tuningsätze für sie gab.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: gebläsegekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor mit Leichtmetallzylinder, hartverchromt
Hubraum: 49,9 ccm
B x H: 40 mm x 39,5 mm
Verdichtung: 8,5:1
Leistung: 2,9 PS bei 5250 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Vergaser: Bing-Vergaser
Zündung: Bosch Schwunglicht-Magnetzünder 6 V/23 W
Getriebe: Dreiganggetriebe, fußgeschaltet
Kupplung: Lamellenkupplung im Ölbad
Rahmen: Pressstahlrahmen
Vorderradaufhängung: Telegabel
Hinterradaufhängung: Schwinge
Bremsen: Trommelbremsen
Tankinhalt: 12,5 l
Verbrauch: 1,9 l auf 100 km
Gewicht: 79 kg
Radstand: 1215 mm
Länge: ca. 1900 mm
Preis: ca. 1280 DM
Bauzeit: 1961-1980 (Florett als Mokick insgesamt)
Stückzahl: ca. 116000 Ex. (Florett als Mokick insgesamt)