Ernst Renner, der Werkzeugmaschinen herstellte und außerdem JAP-Generalvertreter für Sachsen mit Sitz in Dresden war, kam in den 20er Jahren auf die Idee, auch selbst Motorräder zu bauen
Die Geschäfte liefen damals sehr gut, weil Einbaumotoren von John Alfred Prestwich aus dem englischen Tottenham bei vielen deutschen Motorradherstellern beliebt waren. Schließlich galten sie weithin als zuverlässig und leistungsfähig. Das bewiesen die Tottenhamer auch sehr anschaulich auf unzähligen Wettbewerben, die mit ihren Motoren erfolgreich bestritten wurden. Auch in Deutschland schworen etliche Motorradproduzenten auf JAP-Motoren, darunter waren so namhafte Marken wie Ardie, Bücker, UT, Hercules, Tornax oder auch Imperia.
1924 begann nun Ernst Renner unterstützt von seinem Meister Carl Ostner ein Fahrwerk zu entwickeln. Für die Motorisierung wollten die beiden auf JAP-Motoren zurück greifen. Entstehen sollten verschiedene Motorradmodelle unter dem Markennamen Renner Original
JAP bot eine breite Auswahl an Motoren an. Zumeist verwendete Renner seitengesteuerte Einzylindermotoren mit 200 ccm Hubraum und großvolumige seitengesteuerte V-Zweizylinderversionen mit 750 und 1000 ccm Hubraum. Besonders leistungsfähig, aber auch sehr teuer war der ohv Halbliter-Japmotor.
Die Renner Original von 1929 mit kopfgesteuertem 500 ccm Jap-Einbaumotor war für die damalige Zeit ein Hochleistungsmotorrad
So brachte es der Halbliter-Motor, dessen im Kopf hängende Ventile über Stoßstangen und Kipphebel betätigt wurden, auf eine damals respektable Leistung von 20 PS bei 4800 U/min. Bestückt war er mit Alukolben, einem Amal-Vergaser, einem hangeschalteten Dreiganggetriebe von Burman und mit einer offenen Doppelport-Auspuffanlage. Auf Trittbretter, wie sie andere Renner Original hatten, wurde bei diesem sportlichen Modell verzichtet.
Carl Ostner konstruierte ein stabiles, englisch inspiriertes Fahrwerk
Es bestand aus einem unten offenen Stahlrohrrahmen, der den Motor als mittragendes Element integrierte. Für die Vorderradaufnahme entwickelte er eine eigene Trapezgabel mit Schwinghebeln, zwei Tonnenfedern und Reibungsdämpfern. Als das abgebildete Modell herauskam, war Ostner übrigens nicht mehr bei Renner, sondern hatte mittlerweile die Dresdner Motorradmarke O.D. gegründet. Doch Ernst Renner blieb bei der Ostner-Konstruktion. Allerdings modernisierte er sie und versah das neue 500er-Modell 1929 mit einem modernen Satteltank.
Ernst Renner baute seine Motorräder, die sich übrigens damals auch im lokalen Rennsport einen guten Namen machten, nur acht Jahre lang
Insgesamt sind bis zum Produktionsende 1932 vielleicht 800 Renner Original entstanden. Letztendlich wurde es für das kleine Unternehmen in der Zeit der Weltwirtschaftskrise zu schwierig gegen die größere Konkurrenz anzukommen. So beendete Renner den Motorradbau und blieb bei den Werkzeugmaschinen.
Zu der abgebildeten Renner Original hat ihr Besitzer einen ganz besonderen Bezug
Denn Ernst Renner und die Großeltern des heutigen Besitzers der Renner Original lebten damals in Dresden in derselben Straße. Als in den 20er Jahren die Kinoreklame auf kam, ließ sich Renner, der ein kluger Geschäftsmann war, diese Chance nicht entgehen und wollte für die Verbreitung seiner Renner Original im Kino in Form einer Diareklame die Werbetrommel schlagen. Da ihm seine Aufnahmen aber irgendwie zu langweilig erschienen, bat er ein zufällig vorbeigehendes Nachbarmädchen,- die Mutter des heutigen Besitzers-, sich auf das Motorrad zu setzen. Als dann später Freunde der Großeltern erzählten, sie hätten Erica im Kino gesehen, war die Überraschung groß, denn Renner hatte das Foto ohne Wissen der jungen Frau für seine Werbung verwendet. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte ihr Sohn Jahrzehnte später im Fichtelgebirge eine dieser extrem seltenen Renner Original, allerdings nicht diejenige, mit der seine Mutter damals abgelichtet wurde.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Jap-Einzylindermotor
Hubraum: 495 ccm
Leistung: 20 PS bei 4800 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca. 110 km/h
Vergaser: Amal-Vergaser
Rahmen: offener Stahlrohrrahmen
Vorderradaufhängung: Trapezgabel
Hinterradaufhängung: starr
Bremsen: Halbnabenbremsen
Gewicht: ca. 140 kg
Bauzeit: 1929