Mit der RT 175 stellte DKW beziehungsweise die Auto Union, zu der DKW ja zählte, Ende 1953 auf der Motorradausstellung in Frankfurt ein Modell vor, das bald zum beliebtesten Motorrad seiner Klasse in Deutschland aufsteigen sollte. DKW bot in den 50er Jahren RT (Reichstyp)-Modelle von 125 ccm bis 250 ccm Hubraum und auch eine Zweizylinder-Version mit 350 ccm als RT 350 an. Sie alle basierten letztendlich auf den Vorkriegsmodellen RT 100 und RT 125
Nach dem Bestseller RT 100 hatte DKW 1939 mit der RT 125 ein harmonisch gestaltetes und sehr ausgewogen konzipiertes kleines Motorrad mit stabilem Stahlrohrrahmen, Gummiband-Vorderradfederung, Trommelbremsen, fußgeschaltetem Dreiganggetriebe, Kickstarter und robustem, mit Umkehrspülung arbeitendem Einzylinder-Zweitaktmotor vorgestellt. Dieses leicht zu handhabende und mit guten Fahreigenschaften aufwartende Motorrad wurde zum Synonym für ein solides Leichtmotorrad schlechthin. Es war eine derartig gelungene Konstruktion, dass es nach dem Krieg und den freigegebenen Patenten bald in den unterschiedlichsten Gegenden der Welt kopiert wurde. Nicht nur Yamahas rote Libelle basierte auf ihr, auch Harley-Davidsons Hummer oder die Bantam von BSA und noch etliche andere besaßen eindeutig DKW RT 125-Gene.
Nach dem Krieg ging die Auto Union nach Ingolstadt, wo ab Ende 1949 die erste Nachkriegs DKW RT 125 und bald auch größere RT-Versionen entstanden. In Zschopau wurde im ehemaligen und nun verstaatlichten DKW-Werk auf ähnliche Weise mit der IFA DKW RT 125 und ab 1956 nach der Umbenennung in „Motorenwerke Zschopau“ mit der MZ RT 125 und größeren Versionen weitergemacht
Stetig weiterentwickelt blieb die RT 125 in Ingolstadt bis 1957 im Programm. Allerdings hatte ihr die auf Anhieb gut aufgenommene RT 175 schnell den Rang als Bestseller abgenommen. Die RT 175 besaß alles, was man sich von einem guten Gebrauchsmotorrad wünschte. Sie war robust und flott genug, zeichnete sich durch gute Fahreigenschaften aus und war obendrein sehr sparsam. Ihr neu entwickeltes, kurzhubiges 175ccm-Zweitakt-Triebwerk, dessen Motorblock mit integriertem Vierganggetriebe schön glattflächig gestaltet war, leistete 9,5 PS und brachte die RT 175 auf 100 km/h Höchstgeschwindigkeit bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2,8 l auf 100 km. Ab 1954 erhielt der Zylinder wegen thermischer Probleme eine andere Verrippung. Ausgestattet war das Modell mit einer Telegabel und einer Geradweghinterradfederung. Neu war an der RT 175 auch der geschlossene und vor Schmutz schützende Kettenkasten sowie der verkleidete Vergaser, dessen Verkleidung auch der Ansauggeräuschdämpfung diente. Ab 1955 gab es eine neue Telegabel mit oben angeordneten Gummibälgen. Das abgebildete Modell hat noch die alte Telegabel.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Einzylinder-Zweitaktmotor, luftgekühlt
Hubraum: 174 ccm
B x H: 62 mm x 58 mm
Leistung: 9,5 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: ca.100 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe, fußgeschaltet
Rahmen: Stahlrohrrahmen
Vorderradaufhängung: Telegabel
Hinterradaufhängung: Geradweghinterradfederung
Bremsen: vorn Vollnabentrommelbremse; hinten Halbnaben-Trommelbremse, 150 mm
Gewicht: 117 kg
Verbrauch: 2,8 l auf 100 km
Tankinhalt: 13 l
Preis: 1475 DM
Bauzeit: 1953-1955
Stückzahl: 40500 Ex.