Die amerikanische Verkehrspolizei interessierte sich schon immer für die Topmodelle der großen Motorradhersteller der USA
So ging etwa die erste Polizei-Harley 1908 ans Police Department von Detroit. Dieser Tradition blieb man treu und auch als 1965 die erste Harley-Davidson Electra Glide auf den Markt kam, stand auch dieses Modell auf der Einkaufsliste der amerikanischen Behörden. Neben der Polizei war auch das Militär schon immer ein sehr guter Kunde und die großen Harley-Davidsonmaschinen begleiteten die Soldaten in die Krisenregionen der Welt, so gingen sie mit in den zweiten Weltkrieg, nach Vietnam und auch in den Orient.
Von ihren Vorgängern unterschied sich die Electra Glide mit längs eingebautem ohv V-Zweizylindermotor und satten 1212 ccm Hubraum vor allem durch ihren elektrischen Anlasser, eine stärkere Lichtmaschine, eine größere Batterie und ein verändertes Auspuffdesign
Für die in Milwaukee, Wisconsin beheimatete Marke Harley-Davidson war all das schon recht viel Veränderung, denn man hielt sich hier an die Devise Gutes beizubehalten und stetig zu verbessern, aber nicht unbedingt ständig etwas zu revolutionieren. Es ging also eher um Verfeinerung und um kleinere Änderungen am Design. An der Grundarchitektur des V-Motors mit im 45°-Winkel zueinander stehenden Zylindern, im Kopf hängenden und über Hydrostößel, Stoßstangen und Kipphebel betätigten Ventilen, wälzgelagerter Kurbelwelle und separatem Vierganggetriebe wurde über Jahrzehnte festgehalten.
Der elektrische Anlasser brachte, wie man sich denken kann, gerade für die Highway Patrol enorme Vorteile, da nun keine Zeit mit dem Kickstarter vergeudet wurde. Vorhanden war dieser allerdings für den Notfall dennoch. Das separate Vierganggetriebe wurde über eine Fußschaltung betätigt. Ein Dreiganggetriebe mir Drehgriffschaltung konnte aber auch geordert werden.
Das „Glide“ im Namen verwies übrigens auf den gleitenden Fahrkomfort durch die hydraulisch gedämpfte und stark verblendete Vorderradgabel und die Hinteradschwinge mit den weit nach vorn stehenden Federbeinen, die reichlich Platz für Satteltaschen ließen. Diese Merkmale besaßen aber auch schon die Vorgängermodelle, die Duo Glide und Hydra Glide hießen.
Leistungsverbesserungen gingen bei Harley-Davidson meist mit veränderten Zylinderköpfen einher. So besaß die abgebildete Polizei-Harley bereits den Shovelhead-Zylinderkopf im Gegensatz zum Panhead der ersten Electra Glide
Die neuen Zylinderköpfe, deren Ventildeckel ein wenig schaufelförmig wirkten, sowie der Tillotson-Vergaser, der den schwächeren Linkert-Vergaser ersetzte und eine neue, die Schmierung verbessernde Ölpumpe führten zu einer Optimierung des Motors, der nun einige PS mehr leistete und vibrationsärmer lief. Modifiziert wurde am 67er-Modell auch die Hinterradbremse, um eine bessere Bremsleistung und ein besseres Handling zu erzielen.
1967 gab es einen Einbruch in den Verkaufszahlen, doch die Polizei hielt der Electra Glide die Treue. Das half über die temporären Schwierigkeiten hinweg
Die Polizeiversion der Electra Glide von 1967 besaß Satteltaschen aus Metall statt aus Fiberglas und weniger Chrom als die Normalversionen. Außerdem verfügte sie neben Blau,- und Rotlicht über einen speziellen Polizei-Tacho und über eine fußbetätigte Sirene. Die Leistung des Motors war vergleichbar mit derjenigen der leistungsgesteigerten und höher verdichteten FLH-Ausführung. Seit 1960 gab es von der Californian Highway Patrol übrigens ein Trainingsprogramm für Motorradpolizisten.
Als Reaktion auf Hondas „You meet the nicest people“-Slogan setzte ab 1968 auch Harley-Davidson verstärkt auf die Werbung und pries die Electra Glide mit „you'll get the precise engineering of a formula racer and the handcrafted luxury of a custom roadster..“ an. Das schien zu helfen, denn die Absatzzahlen schossen in dem Jahr mit 7000 verkauften Exemplaren in die Höhe. Für ein so teures Motorrad war das damals eine große Anzahl.
Unsere 1967er Polizeiversion der Electra Glide ist eine Rarität und in Deutschland sonst kaum zu finden
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter ohv V-Zweizylindermotor
Hubraum: 1212 cc
Bohrung x Hub: 87 mm x 101 mm
Leistung: 67 PS bei 5400 U/min
Verdichtung: 8,2:1
Höchstgeschwindigkeit: ca. 165 km/h
Verbrauch: ca. 5l auf 100 km
Vergaser: Tillotson-Membranvergaser
Zündung: 12 V Batteriezündung
Schmierung: Trockensumpfschmierung
Getriebe: separates Vierganggetriebe
Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad
Rahmen: Stahlrohrrahmen
Radführung vorn: hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel
Radführung hinten: Schwinge mit zwei Federbeinen
Bremsen: vorn und hinten Trommelbremsen 7“
Bereifung: 5.00 x 16“
Gewicht: ca. 355 kg (leer)