Die 1948 auf der Hannoverschen Industriemesse vorgestellte NSU Fox mit 98 ccm Einzylinder-Viertaktmotor und modernem Fahrwerk war eine bahnbrechende Neuentwicklung des NSU-Chefkonstrukteurs Albert Roder. 98er Motorfahrräder hatte NSU zwar schon vor dem Krieg angeboten, die Fox hingegen war eine völlig andere Konstruktion mit echten Motorradgenen
Die ersten Nachkriegsmotorräder von NSU entstanden damals fast im Freien, da die Produktionsanlagen zerstört waren und der Wiederaufbau in Neckarsulm Zeit brauchte. Auch das vom Kontrollrat der Alliierten festgelegte Hubraumlimit auf 60 ccm verzögerte das Erscheinen des schon 1947 angekündigten neuen Modells wohl ein wenig. Dann aber, nachdem 1948 das Limit gefallen war, präsentierte NSU seiner durch die Werbekampagne von Arthur Westrup („Fixe Fahrer fahren Fox“) schon regelrecht auf die Folter gespannten Kundschaft als erstes neues Nachkriegs-Modell nicht etwa eine aufgearbeitete Vorkriegsmaschine, wie es so manche Motorradproduzenten damals taten, sondern eine völlige Neukonstruktion und zwar eine sehr moderne und fortschrittliche. Mit der von Albert Roder entworfenen NSU Fox betrat ein Wegbereiter im Motorradbau die Bühne. Denn die Fox setzte mit ihrem zentralen Brückenrahmen aus Pressstahl, der ebenfalls aus Pressblech bestehenden Cantilever-Hinterradschwinge, ihrer Pressstahlvorderradgabel mit geschobener Kurzschwinge und mit einem sehr sparsamen, ohv Einzylindermotor nicht nur fortschrittliche Akzente sondern wies NSU auch den Weg in die Zukunft. Schließlich basierten auch die neuen, größeren Modelle auf den Konstruktionsideen der Fox.
Obwohl die Fox mit ihrem Vollschwingenfahrwerk und dem als elegant empfundenen Brückenrahmen zierlich und leichtgewichtig wirkte, war sie ein stabiles und überaus zuverlässiges Motorrad
Der Zentralpreßrahmen mit der Cantilever-Hinteradschwinge war unten offen und wurde durch eine Zentralfeder und Gummipuffer abgestützt. Das Vorderrad steckte in einer geschobenen Kurzschwinge mit schlanken Druckfedern in den Gabelholmen aus Pressblech. Der luftgekühlte Motor mit im Leichtmetallzylinderkopf hängenden Ventilen, die über Stoßstangen und Kipphebel betätigt wurden, besaß keine Ölpumpe und arbeitete mit Schleuder/Tauchschmierung. Seine Stirnkurbelwelle war nur einseitig gelagert, übrigen ähnlich wie bei der fliegenden Kurbelwellenlagerung des Zweitaktmotors von Riedels Imme. Das fußgeschaltete Dreiganggetriebe war im Motorblock integriert. Konzipiert hatte Roder den Motor ursprünglich wegen des damals gültigen Industrieplans mit 60 ccm Hubraum. Als das Hubraumlimit dann fiel und die Produktionsbeschränkungen gelockert wurden, stockte er den Motor auf 98 Kubik auf. Ab 1951 gab es für Zweitaktfans die Fox übrigens auch mit einem luftgekühlten 125 ccm Einzylinder-Zweitaktmotor.
Die revolutionäre und erfolgreiche Fox etablierte eine Entwicklungslinie, die NSU nach 1945 zum größten Motorradhersteller der Welt machte, wenn auch nur für kurze Zeit
Die NSU Fox zeichnete sich durch Modernität und durch eine für ihre Klasse hohe Leistungsfähigkeit aus. Mit ihrer Konstruktion konnte sich damals in Deutschland kaum ein Leichtmotorrad messen. Bis 1954 wurden von ihr gut 60000 Exemplare verkauft. Auch im Export war die Fox gefragt. Und sogar in Italien, einem Land mit vielen genialen Viertakt-Konstrukteuren, war der kleine Viertaktmotor der Fox als Einbauaggregat sehr beliebt.
Von ihr abgeleitet wurde auch ein Sportmodell und eine Rennversion, die Rennsportgeschichte schrieb.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: Einzylinder-Viertaktmotor, ohv
Hubraum: 98 ccm
B x H: 50 mm x 50 mm
Verdichtung: 7,2:1
Leistung: 6 PS bei 6500 U/min
Vergaser: Bingvergaser AJ 1/14/6
Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h
Zündung: Schwunglichtmagnetzünder von Bosch oder Noris
Getriebe: Dreiganggetriebe, fußgeschaltet
Rahmen: Zentral-Presstahlrahmen
Vorderradaufhängung: Pressstahlgabel mit geschobener Kurzschwinge
Hinterradaufhängung: Cantileverschwinge
Bremsen: 125 mm Innenbackenbremsen
Radstand: 1220 mm
Länge: 1910 mm
Reifen: 2.50-19“
Gewicht: 78 kg
Tankinhalt: 8,5 l
Verbrauch: 1,8 l auf 100 km
Preis: 985 DM
Bauzeit: 1949-1954