Express - SL 107 (1957)


Qualitativ hochwertige Motorfahrräder mit Einbaumotoren von Fichtel & Sachs hatte die älteste Fahrradfabrik Deutschlands schon zu Beginn der 30er Jahre angeboten. Diese SL und in der Damenausführung SDL genannte Serie wurde nach dem Krieg in modifizierter Form weitergeführt

Zurückverfolgen lässt sich die in Neumarkt bei Nürnberg beheimatete Marke Express bis ins 19. Jahrhundert als 1884 der Vorläufer der Express-Fahrradwerke die Velocipedfabrik Goldschmidt & Pirzer gegründet wurde, die sich damals an der englischen Fahrradindustrie orientierte und sogar englische Facharbeiter anwarb. 1896 wurde die Firma zu einer Aktiengesellschaft und in Express-Fahrradwerke umbenannt. Allerdings wurden hier bald nicht nur hochwertige Fahrräder sondern auch Motorräder mit erst französischen Einbaumotoren und dann eigenen Benzin,- und Elektromotoren, aber auch Dreiräder, Automobile und Lastwagen bis zum ersten Weltkrieg produziert. In den 30er Jahren, als Fichtel & Sachs mit seinen zuverlässigen Einzylinder-Zweitakt-Einbaumotoren heraus kam, zählte auch Express bald zu den Konfektionären und konzentrierte sich neben der Produktion von Fahrrädern auf Motorfahrräder und ein kleines Motorrad allesamt mit Sachs-Einbaumotoren. Während beider Weltkriege belieferte Express übrigens das Militär mit Klappfahrrädern.

Nach dem zweiten Weltkrieg war Express vor allem bekannt durch die SL/SDL-Motorfahrradbaureihe mit Pedale und ohne Kickstarter, Kleinkrafträder, das Radex-Motorrad und die Radexi-Mopeds.

Die SL 107 mit 98 ccm Fichtel & Sachs Zweitaktmotor zeichnete sich vor allem durch ihre Schwing-Parallelogrammgabel aus

Diese für Express typische Vorderradgabel war eine Parallelogrammgabel mit auf zwei Ebenen angeordneten Spiralfedern. Neben einer großen vertikalen Spiralfeder und den beiden oberen Schwinghebeln gab es an der Stelle, an der man sonst die unteren Schwinghebel vermutet hätte, zwei horizontal agierende Federn. Diese Konstruktion sollte einem Aufschaukeln der Gabel entgegenwirken. Im Prinzip verhinderte das Rad selbst ein Aufschaukeln, weil durch das Vor-,und Zurückschwingen der Gabel das Rad erst beschleunigte und dann wieder abbremste, also eine ausgewogene Pendelbewegung vollzog. Allerdings nutzte sich bei Motorrädern mit solchen Gabeln das Vorderrad schneller ab als das Hinterrad, das bei der SL 107 übrigens starr aufgenommen wurde. Der 3 PS bei 4500 U/min leistende Zweitaktmotor, der die 71 kg leichte Express auf eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h brachte, war in einen geschlossenen und stabilen Rohrrahmen eingebaut.

Der Motorradkrise ab Mitte der 50er Jahre konnte Express trotz des erfolgreichen Mopedmodells Radexi und der hohen Exportrate nicht trotzen

Schon 1956 zeichneten sich durch plötzlich eingebrochene Verkaufszahlen Probleme ab. Zwei Jahre später kam es schließlich zum Zusammenschluss mit Victoria und DKW zur Zweirad-Union und zum Umzug von Express nach Nürnberg. Im Werk in Neumarkt wurden noch ein Jahr lang Restbestände montiert und verkauft. Unter Regie der Zweirad-Union baute man dann in Nürnberg nur noch vier Mopedvarianten von Express bis 1965 weiter.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten

Motor: Einzylinder-Zweitaktmotor von Fichtel & Sachs

Hubraum: 98 ccm

B x H: 48 mm x 54 mm

Leistung: 3,1 PS bei 4500 U/min

Vergaser: F & S Einschieber-Vergaser

Höchstgeschwindigkeit: ca. 65 km/h

Zündung: Bosch Zündlichtmagnet 17 W

Getriebe: Zweiganggetriebe, Drehgriffschaltung

Rahmen: Stahlrohrrahmen

Vorderradaufhängung: Schwing-Parallelogrammgabel

Hinterradaufhängung: starr

Bremsen: Innenbackenbremsen 125 mm

Radstand: 1275 mm

Länge: 2000 mm

Sattelhöhe: 780 mm

Räder: 2.50 - 26“

Gewicht: 71 kg

Tankinhalt: 10 l bei SL

Verbrauch: 1,5 l auf 100 km

Bauzeit: 1950-1959



Bilder

Informationen:

MarkeExpress
ModelSL 107
Baujahr1957

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