Wie so viele Modelle des größten Motorradherstellers der Welt setzte auch diese kleine Honda S 90 aus den 60er Jahren als leichtes und wendiges Motorrad für den städtischen Raum Akzente in der Motorradentwicklung und erlangte Kultstatus
Honda begründete bereits in den 60er Jahren, als die Motorradkrise hierzulande noch nicht ausgestanden war, den Trend zum Motorrad als Freizeit,- und Sportgerät. Damit gab der japanische Produzent dem Motorradbau neue lebenswichtige Impulse, die bis heute nachwirken.
Hondas großer Erfolg basierte nicht zuletzt auf der kleinen Honda Super Cub, einem Leichtmotorrad mit einem Einzylinder-Viertaktmotor von 50 ccm Hubraum und 4,5 PS Leistung. Die erste Serie besaß noch über Stoßstangen und Kipphebel betätigte obenliegende Ventile, ab der zweiten Serie hatte der kleine Motor eine obenliegende Nockenwelle. Eine derartige Ventilsteuerung war eigentlich bis dato nur reinrassigen Sportmaschinen vorbehalten gewesen. Mit der Super Cub (cheap urban bike) besaß nun zum ersten Mal ein Leichtmotorrad einen derart tollen Motor und dazu noch einen, der einfach narrensicher war und bei pfleglicher Behandlung so gut wie nie den Geist aufgab. Entwickelt hatte Soichiro Honda dieses geniale kleine Triebwerk in Anlehnung an seine Erfahrungen im Rennmotorenbau. Das sollte sich auszahlen, den die Super Cub wurde von ihrer Entstehung 1958 bis in unsere Tage in ihren verschiedensten Versionen mit über 80 Millionen verkauften Exemplaren ein gigantischer Erfolg. Die Konkurrenz setzte damals bei kleinen Motoren, vor allem in Deutschland, so gut wie geschlossen auf den Zweitaktmotor. Dass Soichiro Honda keine Zweitakter mochte, war hinlänglich bekannt. Schließlich stieg die Marke durch eine ganze Phalanx an viertaktenden Evergreens im Motorradbau zügig zum größten Motorradhersteller der Welt auf. Sei es die legendäre CB 750 Four, die witzige Honda Monkey oder die millionenfach verkaufte Honda Cub, immer spielten Viertaktmotoren die Hauptrolle. Zweitaktmodelle bot Honda weit seltener an.
Die Honda S 90 , deren ohc Einzylindermotor mit 89,6 ccm Hubraum und 8 PS auf dem Cub-Motor aufbaute, war als leichtes Einstiegsmotorrad für junge Leute (in den USA durften sie sogar sogar Jugendliche fahren) gedacht, die nicht nur ein „echtes“ Motorrad haben wollten, sondern auch Wert auf eine modische Formgebung legten
Die von 1964 bis 1969 gebaute S 90 war damals das sportlichste 90er-Modell, das Honda anbot. Das Leichtmotorrad erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 110 km/h. Um Gewicht zu sparen, hatte Honda einen Blechpreßrahmen als Rückgrat gewählt. Ferner besaß die S 90 einen elegant geformten Satteltank, eine komfortable Sitzbank, eine Teleskopvorderradgabel, eine Schwinge mit Federbeinen hinten und ein fußgeschaltetes Vierganggetriebe. Wie üblich bei den kleinen Hondas war der Zylinder fast liegend angeordnet.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter 1-Zylinder-Viertaktmotor, ohc
Hubraum: 89,6 ccm
B x H: 50 mm x 45 mm
Verdichtung: 1: 8,2
Leistung: 8 PS bei 9500 U/min
Vergaser: Mikuni-Vergaser
Höchstgeschwindigkeit: 110 km/h
Starter: Kickstarter
Zündung: Batterie-Zündung
Schmierung: Druckumlauf, Trochoidpumpe
Kupplung: Mehrscheibenölbadkupplung
Getriebe: Vierganggetriebe, fußgeschaltet
Radaufhängung vorn: Teleskopgabel, ölgedämpft
Radaufhängung hinten: Schwinge mit Federbeinen
Bremsen: Trommelbremsen
Reifen: 2.50-18“
Radstand: 1195 mm
Länge: 1890 mm
Tank: 7 l
Bauzeit: 1964-1969
Preis. 1335 DM