Die Quickly avancierte in der Wirtschaftswunderzeit zum Synonym für das moderne Moped schlechthin
Ab etwa Mitte der 50er Jahre wurde die Mopedproduktion für viele Motorradhersteller eine Art Rettungsanker. Größere Motorräder verkauften sich wegen der einsetzenden Wirtschaftswunderzeit und der Orientierung hin zum Automobil immer schlechter, das Moped hingegen boomte.
Zu verdanken war diese Entwicklung den geburtenstarken Jahrgängen, die gerade ins passende Alter für diese neue Fahrzeuggattung kamen. Anfang der 50er Jahre hatte der Gesetzgeber diese neue Fahrzeugklasse mit der Vorschrift geschaffen, dass das Fahrzeug Pedale und eine Klingel haben musste. Motorfahrräder gab es natürlich schon weit länger, Mopeds (der Begriff setzt sich aus Motor und Pedale zusammen) zeichneten sich demgegenüber durch stabilere und ansprechender geformte Rahmenkonstruktionen aus, die mit einem 50 ccm-Motor bestückt waren.
Die NSU Quickly hatte im Meer der Mopedhersteller damals nicht nur wegen Albert Roders elegant geformtem wie modernem Zentralpressrahmen und dem zuverlässigen 1,4 PS Zweitaktmotor mit Leichtmetall-Druckgusszylinder samt hartverchromter Lauffläche einen so enormen Erfolg, sondern auch weil NSU mit Arthur Westrup einen genialen Werbetexter besaß, der für die Quickly mit lustigen Sprüchen und großem Einfallsreichtum die Werbetrommel schlug
Sicherlich spielte auch der Name NSU eine wesentliche Rolle, denn die Marke bürgte für Qualität und Leistungsfähigkeit. Bedeutende Rennerfolge der NSU-Motorräder, ein dichtgespanntes Servicenetz, langlebige und wartungsarme Motoren, sowie ein gutes Fahrwerk sprachen allein schon für sich. Doch gerade um ein junges Publikum an sich zu binden, trafen die Slogans von Westrup damals genau ins Schwarze. Sogar heute erinnern sich noch viele an:„Nicht mehr laufen, Quickly kaufen“; oder „Fräulein von K., die Baroneß, fährt neuerdings die Quickly S, drum wünschen alle hier im Städtchen, jetzt auch das neue Luxusrädchen.“ oder in der Betriebsanleitung: “Ketten sind wie Martinsgänse: Sie geraten am Besten, wenn sie im eigenen Fett schmoren dürfen“, und und und.
Die Quickly S 23 kam 1961 auf den Markt und war eine Weiterentwicklung der älteren S2 mit nun 23″-Rädern, einem großen 6,6 l Benzin fassenden Knieschlusstank und neuen Vollnaben-Bremsen
Da die Gewichtslimitierung für Mopeds (ursprünglich 33 kg) 1956 aufgehoben wurde, waren auch die Quickly-Modelle nun umfangreicher ausgestattet und der Pressstahlrahmen mit elegant geformten Schutzblechen und kleineren Abdeckungen versehen. Auch ein großer Tank war kein Hindernis mehr. Wählen konnte man ab 1957 auch zwischen einem handgeschaltetes Dreiganggetriebe oder einem Zweiganggetriebe, ein integrierter Tacho mit Kilometerzähler war üblich und Vollnaben-Trommelbremsen bei den neueren Modellen ebenfalls.
Die S23 besaß vorn eine Schwingfedergabel aus Pressblech mit zwei Schraubendruckfedern und ein starr aufgenommenes Hinterrad. Neben dieser Quickly existierten 1961 noch die sportlichen Modelle „TT“ und TT/K mit Kickstarter (sie wurden Ende 1961 aus dem Programm genommen), die S23/2 mit Doppelsitzbank und Alufelgen, das Modell T und das Basismodell N23 (23 wegen der23“-Räder). Als letztes Modell kam 1962 noch die Quickly F auf den Markt, obwohl das Ende der Mopedproduktion bei NSU schon bedrohlich nahte.
Um 1963 herum zog NSU einen Schlussstrich unter die Produktion des erfolgreichsten Mopeds Deutschlands. Über 1,5 Millionen Exemplare wurden von den Quicklies weltweit verkauft
Mitte der 60er Jahre verabschiedete NSU sich dann komplett vom Motorradbau. An schlechten Produktionszahlen im Mopedbau lag diese Entscheidung aber wohl eher nicht, denn allein von der S23 wurden in drei Jahren 28435 Stück verkauft. Nein, NSU sah mit dem Erfolg der Prinzen und neuen Projekten wie dem NSU Ro 80 seine Zukunft im Automobil. Darauf wollte man sich nun voll konzentrieren. Schließlich orientierte sich in der Wirtschaftswunderzeit alles in diese Richtung. Und so wurde das Ende des Zweiradbaus bei NSU besiegelt.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor
Hubraum: 49 ccm
B x H: 40 mm x 39 mm
Verdichtung: 1:5,5
Leistung: 1,4 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Vergaser: Bing-Startvergaser
Getriebe: Zweiganggetriebe, auf Wunsch Dreiganggetriebe
Kupplung: Mehrscheibenkupplung
Rahmen: Stahlblechbrückenrahmen
Vorderradaufhängung: Blechpreßgabel mit Schwinghebel
Hinterradaufhängung: starr
Bremsen: Vollnaben-Trommelbremsen, 125 mm Durchmesser
Reifen: 23“ x 2,25
Tankinhalt: 6,6 l
Gewicht: 47 kg
L x B x H: 1840 x 645 x 970 mm
Bauzeit: 1961-1963
Preis: 658 DM
Stückzahl: 28435 Ex.