SPA - 25/30 HP Sport (1913)

Die Societa Ligure Piemontese Automobili, kurz SPA genannt, ist heute eine wenig bekannte Automobilmarke, obwohl sie von 1906 bis 1926 sehr sportliche Fahrzeuge konstruierte

Neben den großen italienischen Automarken, allen voran natürlich Fiat, existierten auch hier zur Frühzeit des Automobils trotz der katastrophalen wirtschaftlichen Lage des Landes eine Vielzahl kleiner Automobilunternehmen. Allein die industrielle Metropole Turin beherbergte neben Fiat zeitweise mehr als 15 weitere Hersteller. Unter den kleineren Produzenten waren vor allem die Brüder Ceirano ungeheuer aktiv. Sie brachten es fertig, im Laufe der Zeit zusammen und auch getrennt voneinander sieben Automobilfirmen ins Leben zu rufen. Nachdem Matteo Ceirano Itala gegründet und 1905 einen erfolgreichen Rennwagen mit 16,6 Litern Hubraum konstruiert hatte, machte er sich 1906 an die nächste Firmengründung. Zusammen mit dem Industriellen Michele Ansaldi, der auf dem Gebiet des Automobilbaus auch kein unbeschriebenes Blatt mehr war, schuf er die Societa Piemontese Automobili, natürlich wieder in Turin.

1907 wurden die ersten SPA-Modelle dem Publikum auf der Esposizione di Torino vorgestellt. Es handelte sich um das Vierzylindermodell 28/40 HP mit 7785 ccm Hubraum und um das Sechszylindermodell 60/70 HP mit gigantischen 11677 ccm Hubraum. Beide Fahrzeuge lösten auf dem Turiner Salon ein reges Interesse aus und machten die neue Turiner Automobilmarke damit sozusagen im Schnellverfahren bekannt.

Dank einer besseren finanziellen Situation durch den Zusammenschluß mit der Genueser Firma FLAG ( Fabbrica Ligure Automobili Genova) wurde man auch auf aeronautischem Gebiet aktiv und entwickelte Flugzeugmotoren. Zudem engagierte man sich noch stärker im Rennsport

Für den Bau von Flugzeugmotoren gewann SPA den ersten Chefkonstrukteur von FIAT, Aristide Faccioli, der mittlerweile zu einem berühmten Luftfahrtpionier avanciert war. Parallel zu dieser Entwicklung begann man sich immer intensiver im Rennsport zu engagieren, da nun die finanziellen Mittel dafür bereitstanden und sportliche Erfolge, die SPA dann auch reichlich vorweisen konnte, natürlich immer gut für die Serienproduktion waren.

Der SPA 25/30 HP mit Torpedo de Sport-Aufbau von Vinet, der ein Einzelstück ist, da es so eingekleidet keinen zweiten SPA diesen Typs gibt, ging damals als Urtyp des Sportwagens in die Automobilgeschichte ein

Dieses Fahrzeug mit Vinet-Karosserie auf dem kurzen (2900 mm) 25/30 HP-Chassis wurde in der Literatur als der Inbegriff eines Sportwagens dargestellt mit seiner schmalen Silhouette, der eleganten an den Bootsbau angelehnten Bootsheck-Karosserie und dem idealen Zusammenspiel von hoher Leistung und schöner Form. Diese Form war allerdings nicht nur schön, sondern auch sehr durchdacht. Ermöglicht wurde die schmale Silhouette durch ein nach außen verlagertes Schaltgestänge. So erklärt sich übrigens auch die damals bei so gut wie allen sportlichen Fahrzeugen zu findende Rechtslenkung, denn so konnte man das außen liegende Schaltgestänge rechtshändig betätigen. Wegen der schmalen Bauweise und der Ellenbogenfreiheit des Fahrers war der Beifahrersitz des SPA ein wenig nach hinten versetzt angeordnet. Die schmale Silhouette und das Bootsheck machten das Fahrzeug, wie es sich für einen Sportwagen gehört, recht windschlüpfrig.

Herausgebracht hatte die Firma das 25/30 HP-Chassis 1910. Es sollte das erfolgreichstes Modell werden. Während des ersten Weltkriegs wurde seine Produktion eingestellt, nach dem Krieg wurde es dann weiterentwickelt und in modernisierter Form bis 1921 produziert. Angeboten wurden drei unterschiedliche Chassis-Längen mit einem Radstand von 3100, 3300 und 2900mm. Der seitengesteuerte Monobloc-Vierzylindermotor besaß 4398 ccm Hubraum und leistete 30 PS. Er arbeitete mit einer Hochspannungs-Magnetzündung und war mit einer Pumpenkühlung ausgestattet. Außerdem gab es ein Vierganggetriebe und groß dimensionierte Trommelbremsen an den Hinterrädern, die für die Zeit erstaunlich zuverlässig waren. Das war gut, denn das leichtgewichtige und sehr sportliche Automobil erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von über 110 Stundenkilometern.

Der Hersteller verkaufte das Chassis und Karosseriehäuser sorgten für den Aufbau

Wie es damals üblich war, suchte sich der Kunde unter den zahlreichen Karossiers jener Zeit den für ihn Passenden heraus und ließ dort auf dem Chassis einen Aufbau nach seinem Gusto errichten. Dass das abgebildete Exemplar von einem französischen Blechkünstler einkleidet wurde, war nicht verwunderlich, denn das Chassis wurde nach Frankreich ausgeliefert. Mit diesem Sportwagen nahm sein Erstbesitzer damals auch an etlichen Rennen auf dem Circuit de Normandie mit passablem Erfolg teil.

Fiat absorbierte damals letztlich alle anderen Hersteller bis auf die verstaatlichte Firma Alfa Romeo

Auch SPA ging 1928 vollständig zu Fiat über. Die Produktion von Personenwagen wurde aufgegeben und man konzentrierte sich auf den Bau von Lastwagen, die weiterhin unter dem SPA-Label verkauft wurden.

Nach dem Tod von Monsieur de Rocquigny-Adanson, der den SPA 25/30 HP Sport von 1913 bis 1962 besaß, wurde der Sportwagen an Bernard de Lassée verkauft, den Gründer des „Musée de l`Automobile Le Mans“. Für eine Ausstellung in diesem Museum ließ Bernard de Lassée den SPA rot lackieren. Und so blieb er auch bis ihn sein heutiger Besitzer in den 90er Jahren erstand und ihn wieder in seinen Ursprungszustand versetzte.

Fotos & Text: Marina Block

Technische Daten

Motor: sv Vierzylindermotor (Monobloc)

Hubraum: 4398 ccm

B x H: 100 mm x 140 mm

Leistung: 30 HP bei 1500 U/min

Getriebe: Vierganggetriebe

Kupplung: Mehrscheibenkupplung

Zündmagnet: Bosch ZU4

Vorderradaufhängung: Starrachse, Halbelliptikfedern

Hinterradaufhängung: Starrachse, Dreiviertelelliptikfedern

Radstand: 2900 mm

Spur vorn: 1324 mm

Spur hinten: 1365 mm

Karosserie: Torpedo de Sport von Vinet, Paris

Felgen: Rudge Whitworth 820 x 120 mm

Bauzeit: 1913

Stückzahl: Einzelstück

Bilder

Informationen:

MarkeSPA
Model25/30 HP Sport
Baujahr1913

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