An der Mopedproduktion ging ab Mitte der 50er Jahre für Motorradhersteller eigentlich kein Weg vorbei. Größere Motorräder verkauften sich dank der einsetzenden Wirtschaftswunderzeit und der Orientierung hin zum Automobil immer schlechter, das Moped hingegen boomte
Zu verdanken war diese Entwicklung den geburtenstarken Jahrgängen, die gerade ins passende Alter für diese neue Fahrzeuggattung kamen. Anfang der 50er Jahre hatte der Gesetzgeber diese neue Fahrzeugklasse mit der Vorschrift geschaffen, dass das Fahrzeug Pedale und eine Klingel haben musste. Motorfahrräder gab es natürlich schon weit länger, Mopeds (der Begriff setzt sich aus Motor und Pedale zusammen) zeichneten sich demgegenüber durch stabilere und ansprechender geformte Rahmenkonstruktionen aus, die mit einem 50 ccm-Motor bestückt waren.
Die DKW Hummel war eine besonders exzellente Mopedkonstruktion und das erste Moped in Deutschland mit einem Dreiganggetriebe
Auch DKW, der einst größte Motorradproduzent der Welt, der seit Anfang der 30er Jahre zur Auto Union zählte und dessen Motorräder so gut waren, dass sie weltweit kopiert wurden (vor allem die RT 125), sah sich 1956 dazu veranlasst ebenfalls ein Mopedmodell zu offerieren. Allerdings hatte man bei DKW einen hohen Anspruch und brachte mit der Hummel eine sehr fortschrittliche Konstruktion heraus. So besaß diese kleine DKW ein Vollschwingfahrwerk, das ein komfortables Fahrverhalten gewährleistete. Die Vorderradschwinge verfügte über eine wartungsfreie Gummibandfederung und die Hinterradschwinge über gummigedämpfte Federbeine. Außerdem war die Hummel mit Vollnabenbremsen ausgerüstet. Angetrieben wurde sie von einem leise laufenden Zweitaktmotor des Hauses, der 1,35 PS leistete und lediglich 1,1l/100 km Kraftstoff verbrauchte. Er galt als unverwüstlich. Das Dreigangetriebe ermöglichte der Hummel ohne einen unterstützenden Einsatz der Pedale eine Kletterfähigkeit von 22 Prozent.
Die Formgebung war schlank und elegant
Wie aus einem Guß gemacht, wirkte das äußere Erscheinungsbild der Hummel mit ihren glattflächigen Formen und den verkleidet geführten Kabeln. Sogar die Klingel wurde durch einen verkleideten Bowdenzug betätigt. In den Preßstahlrahmen integriert hatte man auch den 5,5 l fassenden Tank.
Auch die Ausstattung war reichhaltig
So besaß das Moped einen in das Scheinwerfergehäuse integrierten Tacho, einen automatisch zurückspringenden Zentralständer, einen vertikal und horizontal verstellbaren Sattel, einen Gepäckträger und ein Rahmenschloß. Als Zubehör gab es Gepäcktaschen, Beinschützer, einen Kindersitz, Chromzierleisten und eine Windschutzscheibe.
1958 stellte die Auto Union die komplette Zweiradproduktion ein
Obwohl die Hummel sich zwischen 1956 und 1958 mit gut 118000 verkauften Exemplaren ganz wacker schlug, besiegelte die Auto Union das Ende der Motorradproduktion bei DKW, da mit den größeren Modellen in der allgemeinen Motorradkrise hohe Verluste eingefahren wurden. Die Fertigungsanlagen gingen 1958 an die Zweiradunion Nürnberg, die unter den Markennamen Victoria, DKW und Expreß noch acht Jahre lang weiter Mopeds produzierte.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: luftgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor
Hubraum: 49 ccm
Verdichtung: 1:6,5
Leistung: 1,35 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Vergaser: Bing-Startvergaser mit Naßluftfilter
Getriebe: Dreiganggetriebe, Tretkurbel-Kickstarter
Rahmen: Preßstahlrahmen
Vorderradaufhängung: kurze Schwinge mit Gummibandfederung
Hinterradaufhängung: Schwinge mit Federbeinen
Bremsen: Leichtmetall-Vollnabenbremsen, 100 mm Durchmesser
Reifen: 23“ x 2.00
Tankinhalt: 5,5 l
Bauzeit: 1956-1958
Preis: 598 DM
Stückzahl: 117617 Ex.