DKW - 3=6 Schnelllaster (1955)

Der Wiederanfang der Auto Union nach dem Krieg im Westen begann mit dem Bau von Motorrädern und einem Schnelllaster in Ingolstadt

Natürlich war der Bedarf an Nutzfahrzeugen im allgemeinen und leichten Transportern im besonderen damals sehr groß und ihre Produktion eine vordringliche Angelegenheit. Einer der ersten, der so etwas nach dem Krieg baute, war 1949 DKW mit dem Schnelllaster. Angeboten wurde er mit den verschiedensten Aufbauten für fast alle Handwerkssparten.

Der DKW Schnellaster war ein vom Karosseriespezialisten Kurt Schwenk und dem Ingenieur Helmut Keller völlig neu konzipiertes Fahrzeug

Seine Konzeption war damals eigentlich sogar revolutionär und wurde erst viele Jahre später als allgemeingültig erkannt. Ein Aspekt war die Verlagerung des Motorhauptgewichts vor die Vorderachse. Das war günstig für den Frontantrieb. Montiert war der Motor auf den Längsträgern des Profilrohr-Chassis. Die vordere Einzelradaufhängung erfolgte an Querlenkern und oberer Querfeder. Für die Hinterradaufhängung hatte man sich etwas völlig neues überlegt. Eine Starrachse mit hochliegender Querblattfeder (Schwebeachse), wie bei anderen DKW-Modellen, kam wegen des störenden Achskastens und der damit verbundenen Beschneidung des Stauraums nicht in Frage. Daher entschied man sich für eine hintere Einzelradaufhängung an Kurbelarmen mit querliegendem Torsionsfederelement und Stoßdämpfern. Dank des Frontantriebs und der neuen Hinterachse fiel die für einen Lieferwagen so wichtige Ladehöhe mit 32 cm sehr niedrig aus, was damals ein Weltrekord war. Die Pritsche besaß 90 cm Ladehöhe und einen zusätzlichen Stauraum unter der Ladefläche.

Bei der Motorisierung griff DKW auf Vorkriegsmotoren zurück

Der von 1949 bis 1952 gebaute Schnelllaster mit der Bezeichnung F89 L erhielt den Zweizylinder-Zweitaktmotor der Meisterklasse aus der Vorkriegszeit mit 700 ccm Hubraum, 20 PS Leistung und einem Dreiganggetriebe mit Mehrscheiben-Ölbadkupplung. Ab 1953 erhöhte sich die Leistung auf 22 PS und es gab ein Vierganggetriebe und eine Einscheibentrockenkupplung. Beim Nachfolgemodell von 1954 wuchs die Leistungsausbeute auf 30 PS und der Hubraum auf 800 ccm an. Mit der vierten Serie von 1955 (gebaut bis 1962), dem abgebildeten Schnelllaster 3=6 oder Typ 3, erhielt der Zweitaktmotor einen Zylinder mehr. Dieses Dreizylinderaggregat leistete nun 32 PS bei 4000 U/min und hatte einem Hubraum von 900 ccm. Die Bezeichnung „3=6“ sollte übrigens einen Bezug zur Laufruhe eines Sechszylinder-Viertakters ziehen.

1962 war noch lange nicht das Ende des Schnelllasters

Da die Kapazitäten in Ingolstadt ausgeschöpft waren, verlagerte man die Produktion des Schnelllasters nach Spanien. Dort wurde er noch lange weiter gebaut und weiterentwickelt und lebt im Kleintransporter Mercedes-Benz Vito fort.

Fotos & Text: Marina Block


Bilder

Informationen:

MarkeDKW
Model3=6 Schnelllaster
Baujahr1955
Produktionszeitraum1955-1962
AntriebsartFrontantrieb
Hubraum889 ccm
Leistung32 PS bei 4000 U/min PS
SchaltungVierganggetriebe, Lenkradschaltung
NeupreisGroßraumpritsche 1955 - 6500 DM

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