Stilistisch brach bei Chrysler mit dem Modelljahr 1955 ein neues Zeitalter an, als der Topdesigner Virgil Exner die Marke in Form brachte
Mit Virgil Exner kam frischer Wind zu der zwar technisch exzellenten aber in den frühen Nachkriegsjahren stilistisch langweiligen Marke. Nicht nur eine flachere und elegantere Formgebung (als „power style“ vermarktet), sondern auch die Heckflosse hielt nun etwas verspätet Einzug ins Chrysler-Design. Andere amerikanische Marken hatten sich der Heckflosse schon seit längerem verschrieben. Exner war 1949 von Studebaker zur Chrysler Corporation gekommen, hatte aber erst einmal mit der Entwicklung des Versuchfahrzeugs K-310 zu tun, das nach seinen Plänen bei der italienischen Karosserieschmiede Ghia gebaut wurde. Darauf folgte die Cabrioletstudie C200 und noch andere Chrysler-Traumwagen aus seiner Feder, die bei Ghia in Turin entstanden, wie der Chrysler D'Elegance von 1953, ein auf einem verkürzten New Yorker-Chassis aufgebautes Sportcoupé, aus dessen leicht abgewandelten Formen dann die Gestalt des Karmann-Ghia erwuchs.
Als Exner von Chrysler-Präsident Tex Colbert die Chance bekam nicht nur im „Advanced Design Studio“ Designstudien und Traumwagen in geringer Stückzahl zu entwerfen, sondern sich an die Neu-Gestaltung der Serienmodelle machen durfte, änderte sich das Chrysler-Image schlagartig. Nicht ohne Grund sollte Exner zusammen mit Bill Mitchell von General Motors und George W. Walker von Ford zur treibenden Kraft hinter dem amerikanischen Serienautomobil-Design der 50er und 60er Jahre aufsteigen.
Der New Yorker und der Imperial erhielten 1951 als erste Modelle den neuen von James C. Zeder, Owen Skelton und Bob Rodger entwickelten 5,4 l-V-Achtzylinder
Diese drei Männer, auch von Insidern als die drei „Musketiere“ tituliert, zeichneten seit den späten 20er Jahren für den fortschrittlichen Stand der Technik bei Chrysler verantwortlich. Der von ihnen entwickelte, neue Motor, der als einer der besten V8 galt, besaß hemisphärische Brennräume und ging als Chrysler FirePower Hemi-V8 in die Automobilgeschichte ein. Er war nicht nur genial gemacht mit seiner zentralen Nockenwelle und einer geschickten Stoßstangenanordnung und Ventilführung sondern er war auch einfach zu produzieren. Im Motorsport sorgte dieses Triebwerk für reichlich Furore und prägte die amerikanische Rennsportszene über Jahre hinweg. Ein mit ihm bestückter Chrysler Saratoga in Serienausführung machte beim Mexican Road Race 1951 den ersten Platz in seiner Klasse und den dritten Platz in der Gesamtwertung. Damit war er in seiner Leistungsfähigkeit nicht weit entfernt von dem Ferrari, der das Rennen gewonnen hatte. Auch die NASCAR Grand National-Rennen sollte Chrysler dank des Hemi-V8 bald dominieren.
Eine für den Konzern neue Karosserievariante brachte Chrysler zum Modelljahr 1950 mit dem Newport auf den Markt
Es handelte sich um ein zweitüriges Hardtop-Coupé ohne B-Säule in Zweifarbenlackierung und mit Luxusausstattung, das bis 1961 im Programm blieb.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv V-8 mit hemishärischen Brennräumen
Hubraum: 5801 ccm
B x H: 100 x 92,1 mm
Verdichtung: 9:1
Vergaser: Vierfachfallstromvergaser
Leistung: 280 PS bei 4600 U/min
Höchstgeschwindigkeit: circa 185 km/h
Getriebe: Automatikgetriebe, zweistufiges Planetengetriebe mit hydraulischem Wandler
Bremsen: hauseigene hydraulische Trommelbremsen mit Bremskraftverstärkung
Antriebart: Hinterradantrieb
Chassis: verstärkter Kastenrahmen mit Kreuzverstrebung
Vorderradaufhängung: unabhängig an Federbeinen
Hinterradaufhängung: Starrachse an Blattfedern
Radstand: 3200 mm
L x B x H: 5695 x 2057 x 1546 mm
Spur vorn: 1534 mm
Spur hinten: 1513 mm
Gewicht: ca. 1900 kg
Reifen: 8.00 x 15
Stückzahl: 1956 – 4115 Ex.