Seit 1910 zählte das 1896 gegründete Unternehmen zum BSA-Mischkonzern (Birmingham Small Arms Company) und war vom Anfang des 20.Jahrhunderts bis in die 50er Jahre hinein Hoflieferant des britischen Königshauses. Danach übernahm diese Position Rolls-Royce. Auch viele andere Königshäuser weltweit wurden in den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts von Daimler aus Coventry beliefert. Dementsprechend luxuriös und aufwendig gearbeitet waren die überwiegend von renommierten, britischen Karossiers, wie Barker eingekleideten Fahrzeuge
The Daimler Motor Company ging zurück auf eine Geschäftsverbindung zwischen Gottlieb Daimler und dem Ingenieur Frederick Simms über den Vertrieb von Daimler-Motoren in Großbritannien. 1897 wurde der erste in Coventry gebaute Daimler vorgestellt. Anfang des 20. Jahrhundert wurde Daimler bekannt durch die Verwendung von ventillosen Knight-Schiebermotoren für viele seiner Modelle. Im selben Zeitraum nutzte übrigens auch die deutsche Firma Daimler (DMG) für einige Mercedes-Modelle diese leise arbeitenden Motoren des Amerikaners Charles Knight. Daimler aus Coventry blieb dem Knight-Motor sogar noch bis Mitte der 30er Jahre treu. Da zählte die Marke bereits lange zum BSA-Konzern. BSA kaufte übrigens nicht nur Daimler auf, sondern 1933 auch die für ihre fortschrittlichen technischen Ideen bekannte Lanchester Motor Company, die zu einem Tochterunternehmen von Daimler wurde. Erst 1960 veräußerte BSA Daimler an Jaguar Cars. Jaguar nutzte darauf den Markennamen für seine besonders luxuriös ausgestatteten Limousinen-Ausführungen.
Der mit einem 2,5 l ohv Sechszylindertriebwerk ausgestattete Daimler DB 18 war ein Luxuswagen, den es mit verschiedenen Aufbauten aus hauseigener und externer Produktion gab. Gebaut wurde er von 1939 bis 1953 mit langer Pause während des Krieges. Bis 1940 entstanden nicht viele Fahrzeuge, nach dem Krieg mit 8213 Exemplaren weit mehr
Technisch baute der DB 18 auf dem 1937 herausgebrachten Daimler New Fifteen auf. Bereits dieses Modell besaß ein Schneckendifferential. Dadurch lag die Kardanwelle tief, was einen planen Innenraumboden und damit viel Bewegungsfreiheit im Innenraum ermöglichte. Dazu trug auch das vierstufige Wilson Vorwahlgetriebe mit Flüssigkeitskupplung nach Vulcan-Sinclair und Daimler-Patent bei. Nach diesem Prinzip arbeiteten bald alle ab 1930 gebauten Daimler, Lanchester (ab 1933) und BSA-Automobile und LKW. Das Wilson-Getriebe wurde ursprünglich für einen Panzer entwickelt und später sogar bei Rennwagen eingesetzt, da es einen sehr schnellen Gangwechsel ermöglichte. Auch förderte es ein sehr angenehmes und sanftes Fahrgefühl.
Die von Hermann Foettinger aus Stettin, dem Chefkonstrukteur der Vulcan-Werke, 1905 entwickelte Flüssigkeitskupplung wurde in den 20er Jahren vom englischen Ingenieur Harold Sinclair an das Getriebe eines Londoner Omnibusses von Daimler angepasst, um das Ruckeln zu mildern
Das glückte so gut, so dass Daimler beschloss, die Flüssigkeitskupplung nach Vulcan-Sinclair-Patent für alle LKW, Busse und Luxuswagen der Marke einzusetzen, meist in Verbindung mit dem Wilson-Vorwahlgetriebe.
Der Karossier Barker, der zwischen den beiden Weltkriegen in England mit den ebenfalls sehr prestigeträchtigen Karosseriehäusern Park Ward und Hooper konkurrierte, war lange Zeit der bevorzugte Karosseriebauer von Daimler. Gegründet wurde Barker bereits 1710 als Kutschenbau-Unternehmen. Seit etwa 1900 stellte Barker dann Karosserien für Luxusautomobile her und erwarb sich schnell einen exzellenten Ruf wegen der hohen Qualität seiner Aufbauten mit ihrem luxuriösen Interieur
Beliebt waren Barker-Karosserien weltweit in fast allen Herrschaftshäusern. Der Maharadscha von Indien etwa soll allein unzählige Fahrzeuge mit Barker-Karosserien in seinem Fuhrpark gehabt haben. Besonders bekannt wurden Fahrzeuge wie der silberne Rolls-Royce Silver Ghost mit Barker-Karosserie oder der Rolls-Royce Phantom III mit Sedanca de Ville-Aufbau von Barker, der später in dem James Bond Film „Goldfinger“ mit spielte. Als die Zeiten sich änderten und immer häufiger modernere Aufbauten nachgefragt wurden, bekam Barker Schwierigkeiten und ging 1938 in Konkurs. Aufgekauft wurde das Unternehmen vom ehemaligen Konkurrenten Hooper, der seinerseits 1940 von Daimler und damit dem BSA-Konzern übernommen wurde. Der abgebildete Barker Saloon von 1948 entstand also bereits unter BSA-Regie.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten
Motor: ohv Reihensechszylindermotor
Hubraum: 2522 ccm
B x H: 69,5 x 110,4 mm
Leistung: 71 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h
Beschleunigung: 17,9 sec. von 0 auf 80 km/h
Getriebe: Wilson-Vorwahlgetriebe mit Flüssigkeitskupplung
Bremsen: Trommelbremsen, Girling
Vorderradaufhängung: Dreieckslenker, Schraubenfedern, Stabilisator
Hinterradaufhängung: Starrachse, Halbelliptikfedern, Stabilisator
Chassis: kreuzverstrebter Kastenrahmen
Antriebsart: Hinterradantrieb
Radstand: 2900 mm
Gesamtlänge: 4600 mm
Bauzeit: 1939/1940, 1946-1953