1937 löste der Mercedes-Benz Typ 320 mit auf 3,2 l vergrößertem Reihensechszylindermotor den Typ 290 ab. Auf diesem 1933 herausgebrachten Typ mit seitengesteuertem Reihensechszylindertriebwerk, der zu den etwas preiswerteren Fahrzeugen der Luxuswagenmarke zählte, basierte auch das neue Modell. Die Karosserievarianten des 320 waren ähnlich wie die des Typs 230. Das Besondere auch am Typ 320 war sein Fahrwerk, das vorn und hinten eine unabhängige Radaufhängung aufwies (Vollschwingachser). Der erste „Vollschwingachser“ von Mercedes-Benz war der Typ 170 von 1931.
Die Vorderräder waren an je zwei Querfedern aufgehängt und die Hinterräder an einer Pendelachse mit Auslegefedern und Schraubenfedern. Diese Art der Konstruktion hatte Mercedes-Chefkonstrukteur Hans Nibel von Hans Gustav Röhr übernommen, der unter anderem ein Pionier im Fahrwerksbau war und sie bereits in den 20er Jahren bei seinen Röhr-Fahrzeugen verwendet hatte. Auch den Typ 320 gab es mit kurzem und mit langem Radstand von 3300 mm, der besonders nachgefragt wurde. Es gab den 320 lang zwar auch als Limousine, als große Pullman-Limousine, als Tourenwagen, als Stromlinienlimousine und als Roadster. Besonders beliebt waren allerdings die Cabrioletaufbauten und zwar auch bei den neuen Machthabern.
Da es während der Naziherrschaft viele Paraden gab, war der Bedarf an Präsentations-Fahrzeugen recht hoch und so gingen viele Cabriolets an hohe Parteifunktionäre
Das Werk bot verschiedene Cabriolet-Versionen an. Das viersitzige Cabriolet B besaß vier Fenster und zwei Türen, der Typ D hatte vier Türen und das Cabriolet F (Pullman-Cabrio) verfügte über sechs Sitzplätze. Außerdem gab es noch den besonders sportlich und elegant geformten, zweisitzigen Typ A auf kurzem Fahrgestell. Sein Design erinnerte an die Linienführung der 500 und 540 K-Baureihe. Das B-Cabriolet, von dem die meisten Stückzahlen entstanden, war hingegen zurückhaltender geformt und traf den Geschmack einer breiteren Kundschaft. Es besaß ein etwas runderes Heck und keilförmige Windschutzscheiben. Unter der Motorhaube des Typ 320 arbeitete ein seitengesteuerter 3,2 l Reihensechszylindermotor, der 78 PS leistete und auch das Cabriolet auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 120 km/h bringen konnte.
Das abgebildete Cabriolet hat eine ganz außerordentliche Geschichte, denn es bewegte sich damals im Zirkusmilieu
Der Erstbesitzer war nämlich ein Zirkusartist, der mit dem Zirkus durch die Lande zog und mit einer Eselnummer auftrat. Besagten Esel transportierte er in einem Hänger mit sich, der von dem Cabriolet gezogen wurde. Das dürfte ein ungewöhnliches Bild abgegeben haben. Schließlich kostete dieses Fahrzeug, bedenkt man das Durchschnittseinkommen damals, ein kleines Vermögen.
Fotos & Text: Marina Block
Technische Daten Mercedes-Benz 290 B
Motor: sv Reihensechszylinder
Hubraum: 3208 ccm
B x H: 82,5 x 100 mm
Leistung: 78PS bei 4000 U/min
Vergaser: Doppelfallstromvergaser von Solex
Höchstgeschwindigkeit: ca. 126 km/h
Getriebe: Vierganggetriebe, auf Wunsch mit Schnellgang
Kupplung: Mehrscheibentrockenkupplung
Radaufhängung vorn: Querlenker, Querfeder, Schraubenfedern
Radaufhängung hinten: Pendelachse, Doppelschraubenfedern
Lenkung: Schraubenspindel
Bremsen: hydraulische Trommelbremsen
Handbremse: mechanisch auf die Hinterräder
Chassis:Kastenpresstahl-Niederrahmen
Gewicht Fahrgestell: ca. 1900 kg
Karosserie: Cabriolet B lang
Radstand: 3300 mm
L x B x H:5100 x 1770 x 1600 mm
Räder: Scheiben oder Drahtspeichenräder
Reifen: 6.50 x 17“
Preis: Cabriolet B-9900 RM
Stückzahl: 320 B lang
Bauzeit: 1937-1942